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WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH
Donnerstag, 9. September 2010  
         
  EGGIWIL: Aus gutem Abfall gibts gute Geräte

11.03.2010 Emanuel Garrido stellt aus Recyclingmaterial Gebrauchsgegenstände her. Was als Hobby begann ist nun zu einem kleinen Geschäft angewachsen. Der Renner während der Wintermonate waren die Antiausrutscher.

Christine Mader

 Im Mai sind es zwei Jahre, seit Emanuel Garrido zu seiner Ehefrau Rahel in die Schweiz gezogen ist. Die beiden wohnen mit ihrem zweijährigen Sohn Ainoah im Heidbühl in Eggiwil. In Argentinien arbeitete Emmanuel als Rettungsschwimmer, als Beschrifter und verschönerte verschiedenste Gegenstände mit Airbrush. Handwerklich arbeiten, Gegenstände flicken und praktische Lösungen suchen, gehören für ihn als Selbstverständlichkeit zum Leben. «Anlässlich der Alteisensammlung in Eggiwil wurde mir eines klar: Die Qualität, welche das Sammelgut aufweist ist oft viel besser, als das, was bei uns in Argentinien als neu angeboten wird», sagt Emanuel Garrido. Erschreckend für ihn sei die grosse Menge des anfallenden Abfalls.
Abfalldeponien – ein richtiges Paradies
Das Material holt oder kauft sich der Handwerker zum Teil in Abfalldeponien, die Fahrradteile bei Velohändlern. «Dies entspricht meiner Umweltphilosophie: Auf diese Weise werde Entsorgungs- und Produktionsenergie eingespart und somit die Umwelt geschont. Ein weiterer Vorteil: «Für den Velohändler erübrigen sich damit die Entsorgungskosten und für mich fallen keine Materialbeschaffungskosten an.» Aus ausgedienten Motorsägeketten entstehen beispielsweise Antiausrutscher, welche – an den Schuhen befestigt ­– in Eis und Schnee guten Halt bieten. Weiter werden unter den flinken Fingern Velopneus zu Gürteln und Taschen verarbeitet. «Ich bin immer daran, wieder Neues zu entwickeln oder die Gegenstände zu perfektionieren.» Auch nehme er gerne Ideen von Kunden auf. Seit Neustem erleichtert eine Bernina Tret-Nähmaschine aus dem Jahre 1938 die Arbeit. Stolz berichtet Emanuel Garrido, dass es ihm mit ihr tadellos gelinge, die Velopneus zusammenzunähen. Auch Spiegel oder Lupen gibt es zu kaufen, welche mit Veloteilen wie Zahnrad, Kette, Pedal oder Bremsscheibe zu einem Ganzen zusammengeführt werden.
Keine Massenproduktion
Kürzlich konnte Emanuel Garrido anlässlich einer Projektwoche den Schülern den Unterschied zwischen Massenprodukten aus dem Ausland und Recyclingprodukten darlegen. «Mit meinen Produkten möchte ich der Wegwerfgesellschaft aufzeigen, dass man mit etwas Kreativität aus qualitativ hochstehendem Abfall nützliche Produkte herstellen kann», so Emanuel Garrido. Neben seiner Rolle als Hausmann arbeitet er nur zwischenzeitlich temporär. Mit dem Verkauf seiner Produkte kann er einen «Zustupf» in die Haushaltkasse leisten. Um zu den Käufern zu kommen ist der Handwerker an verschiedenen Märkten anzutreffen und einzelne Geschäfte nehmen seine Erzeugnisse in Kommission. Im Juli kann er in einem Drittweltladen in Vevey eine Ausstellung realisieren. «Damit ich mich wirklich in der Schweiz integrieren kann, ist es für mich wichtig, den Kontakt zu den Menschen zu pflegen. So bezieht er die ausgedienten Motorsägeketten direkt bei Landwirten. «Dadurch haben sich schon viele wertvolle Begegnungen ergeben», sagt der der Argentinier in recht gutem Hochdeutsch: «Mein Ziel ist es, in naher Zukunft auch Mundart zu erlernen, um den Menschen von hier noch näher zu sein.»

Kontakt: emagarrido@hotmail.com



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