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Kaum einer wagt Prognosen für den Wahlausgang am 28. März
KANTONALE WAHLEN: Hoffen kann man, berechnen nicht
11.03.2010 So spannend wie die bevorstehenden Grossratswahlen waren diese lange nicht mehr. Die neuen Wahlkreise und das erstmalige Mitmischeln der BDP sorgen für Unsicherheit. Neu bewerben sich auch die Grünliberalen um einen Sitz.
Jakob Hofstetter
Verlässliche Vergleiche mit früheren Ergebnissen sind bei den diesjährigen Kantonswahlen schwierig. Trotzdem: Wer ein Ziel erreichen will, muss auch ein solches formulieren. «Unser Ziel ist, fünf Grossratssitze zu erreichen und zudem die wählerstärkste Partei im Emmental zu bleiben», sagt Peter Dubach, Wahlleiter der SVP vom Wahlkreis Emmental. Bisher waren es im Wahlgebiet sechs Grossräte; im unteren Emmental wechselten aber drei zur BDP über. «Wir rechnen im oberen und im unteren Emmental mit sicher je zwei Sitze», so Dubach. Darüber, ob der gewünschte fünfte Sitz ins obere oder untere Emmental gehen würde, mag er nicht spekulieren. Klar ist für den Wahlleiter, dass die SVP nicht gross unter der BDP zu leiden hat. Dabei stützt er sich auf Erfahrungen bei den kommunalen Wahlen in der jüngeren Vergangenheit. Die Statistiken fehlen Die BDP stellt jetzt zwei Sitze aus dem Raum Burgdorf und einen aus dem oberen Emmental. Unser Ziel sind vier Sitze, sagt Wahlleiter Urs Gnehm. Diese Zielvorgabe gründe nicht auf Fakten, sondern auf der Hoffnung. «Als junge Partei können wir nicht auf Statistiken zurückgreifen», so Gnehm. Die Stimmen würden sie bei bisherigen Wählerinnen und Wählern von SVP, FDP und in den stark ländlichen Gebieten auch von der SP holen, glaubt er. Kaum Gefahr ortet Gnehm bei den Grünliberalen. «Im Emmental werden die, im Gegensatz vielleicht zu den Städten, nicht viele Stimmen holen.» Doch, Stimmen würden sie schon holen, sagt Beat Fuhrer aus Trubschachen von den Grünliberalen Emmental (GLP). Die Partei wurde erst vor knapp zwei Jahren gegründet. Deshalb dürften sie dieses Mal noch nicht mit einem Sitz rechnen, sie wollten aber zeigen, dass das Gedankengut der «Bürgerlichen mit einem grünen Gewissen» auch im Emmental vorkomme. Wo die Stimmen geholt werden sollen Für die FDP gilt es laut Wahlleiter Peter Sommer, im Grossen Rat seinen Sitz zu halten und denjenigen des zurücktretenden Hans-Rudolf Markwalder neu besetzen zu können. «Alles andere wäre vermessen», sagt er mit Verweis auf die Kandidaturen der BDP und GLP. Wie die anderen Bürgerlichen hofft auch die FDP, neben ihren Stammwählerinnen und Wählern zusätzlich parteifremde Stimmen aus Gewerbe und Wirtschaft zu holen. Die SP tritt mit drei Bisherigen an. «Drei Sitze möchten wir auf jeden Fall erreichen, und den vierten wünschen wir uns», sagt Bernhard Antener aus Langnau. Alles sei derart offen und ungewiss, dass die Wahl auch für die Bisherigen zu einer Zitterpartie werden könnte. Ein Grudd hierfür sei beispielsweise, dass mit Elisabeth Zäch eine prominente SP-Kandidatin im bevölkerungsdichteren Burgdorf zur Wahl stehe. Nicht klar sei weiter, wie sich die Listenverbindung mit den Grünen auswirke. Diese strebt laut Elsi Reimann mindestens einen Sitz an, wünscht sich sogar deren zwei. Gewählt wird, wo viele Menschen leben Zum Gebiet der «Wochen-Zeitung» gehören neben vielen Gemeinden aus dem Emmental eine beachtliche Anzahl Gemeinden aus dem Wahlkreis Mittelland-Süd. Auch dort bringt die Neueinteilung der Wahlkreise grosse Unsicherheiten. Zuverlässige Rechnungsmodelle gibts nicht. Als noch das Amt Konolfingen als Wahlkreis galt, gehörten Worb und Münsingen zu den Gemeinden mit den meisten Einwohnern – sprich Wählerinnen und Wählern. Im neu formierten Wahlkreis Mittelland-Süd gehört Worb nicht mehr dazu. Mit 27’000 Stimmberechtigten gibt nun Köniz den Ton an. Wahlern und Belp stellen zusammen weitere 12’000. Aus diesem Blickwinkel betrachtet drohen die Wahlzettel der 3600 respektive 2200 Wahlberechtigten aus Konolfingen und Grosshöchstetten in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. «Kandidierende aus diesen und aus noch kleineren Gemeinden des ehemaligen Amtsbezirks Konolfingen können nur nach Bern, wenn sie auch von Wählern ennet der Aare unterstützt werden», sagt Ruedi Sutter aus Grosshöchstetten, der als Bisheriger FDP-Grossrat wieder nach Bern möchte. Er hofft, dass dies gelingen werde, obwohl die Verbindungen über den Fluss nur spärlich seien. Welche Faktoren sind nun wie stark zu gewichten? Die Antwort der Wahlstrategen auf diese Frage ist immer dieselbe: «Schwierig zu sagen.»
Zwölf für Einen Aus dem Wahlkreis Emmental bewerben sich insgesamt 140 Männer und 61 Frauen für einen der 15 Sitze. Im Wahlkreis Mittelland-Süd sind es 160 Männer und 58 Frauen. Ihnen stehen 20 Sitze zu (siehe Beitrag unten). Somit stehen für jeden Sitz im Grossratssal zwölf Anwärterinnen oder Anwärter bereit. Aus den beiden Wahlkreisen kandidieren Person aus folgenden Parteien und Gruppierungen: BDP, CVP, EDU, DAL (die andere Liste), EVP, und JEVP, FDP und Jungfreisinnige, GLP, Grüne, Piratenpartei, PNOS, SP und Juso sowie SVP.
In zwei Wochen werden der Grosse Rat und der Regierungsrat gewählt. Erstmals gelten dabei die neuen Wahlkreise. Bereits vor vier Jahren wurden neue Wahlkreise eingeführt. Damals bildeten die Amtsbezirke Konolfingen, Signau und Trachselwald den Wahlkreis Emmental. 17 Mandate galt es in diesem Gebiet zu besetzen. Seit Jahresbeginn sind die Ämter Geschichte und damit auch dieser einmal angewandte Wahlkreis. Der Wahlkreis Emmental wird von den 42 Gemeinden gebildet, welche auch im Verwaltungskreis zusammengehören und sich im Verein «Region Emmental» zusammengeschlossen haben. Die Stimmberechtigten dieses Wahlkreises werden 15 Grossräte und Grossrätinnen nach Bern schicken. Von Landiswil bis Guggisberg Weniger gut eingespielt als die Gemeinden im Emmentaler Wahlkreis sind jene im Mittelland-Süd. Dieser beginnt im Nordosten in Landiswil, führt über Oberthal, Konolfingen, Wichtrach, Rüeggisberg bis hinauf nach Guggisberg. Diesem Gebiet gehören weiter die Agglogemeniden Köniz oder Belp an. Im Mittelland-Süd 52 Gemeinden zusammengeschlossen in denen gut 120’000 Menschen leben. Zum Vergleich: im Wahlkreis Emmental leben «nur» rund 90’000 Menschen. Dem entsprechend können die Bürgerinnen und Bürger im Mittelland-Süd mehr Politikerinnen und Politiker in den Grossen Rat schicken – es sind deren 20. Wie die Regierung gewählt wird Ebenfalls am 28. März werden die Resultate der Regierungsratswahl verkündet. Hier spielen die neun Wahlkreise indes eine untergeordnete Rolle. Dem Wahlkreis des Berner Juras wird wiederum ein Sitz zugesichert. In den letzten vier Jahren hatte diesen Philippe Perrenoud inne. Aus dem Gebiet der «Wochen-Zeitung» bewirbt sich niemand für einen Sitz in der Kantonsregierung. Die Auswahl ist auch so gross: Sechs der sieben Bisherigen kandidieren wieder, dazu kommen zehn neue Kandidatinnen und Kandidaten. Im Unterschied zum Grossen Rat wird die Kantonsregierung im Majorz-Verfahren durchgeführt. Das heisst, dass Sie mit ihrer Stimme direkt einen Kandidaten oder eien Kandidatin unterstützen und nicht – wie bei der Proporzwahl in den Grossen Rat – in erster Linie einer Partei die Stimme geben. Wenn nicht sieben Kandidierende im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen, wird es am 18. April zu einer Stichwahl um die restlichen Regierungsratssitze kommen.
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