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Diskussion um die ärztliche Grundversorgung
SCHÜPFHEIM: Gruppenpraxen als Lösung?
04.03.2010 Prominente Fachleute diskutierten am 24. Februar im Rahmen der «Bahnhofgespräche» der SP Amt Entlebuch Fragen rund um den befürchteten Rückgang der Hausarztpraxen.
Walter Küng
Der gut besuchte Anlass stand unter Leitung von Jürg auf der Maur, Reaktor der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag». Am Podiumsgespräch beteiligten sich Willi Baldi, Arzt in Entlebuch, Heidi Duss, Kantonsrätin (CVP) von Escholzmatt, Rolf Graf, Gesundheitsökonom aus Baar, Guido Graf, Luzerner Regierungsrat, Ruedi Lustenberger, Nationalrat (CVP) Romoos, sowie Simonetta Somaruga, Berner Ständerätin (SP) und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Spezifische Ausbildung fehlt Gründe weshalb sich junge Ärzte weigern eine Hausarztpraxis zu übernehmen sind laut Simonetta Somaruga der Respekt vor der grossen Verantwortung, die Präsenzzeit rund um die Uhr oder das geringere Prestige und Einkommen im Vergleich zu Spezialärzten. An den Universitäten fehle zudem eine spezifische Ausbildung für einen Allgemeinpraktiker. Die Ärztedichte auf dem Land sei besorgniserregend, meinte Nationalrat Ruedi Lustenberger. Er hat deshalb beim Bundesrat ein Postulat eingereicht, worin er die Aufhebung des Numerus Clausus verlangt. Guido Graf rechnet den Hausärzten grosse Bedeutung zu, da sie dank ihrer Erstdiagnose oder ihrer Kenntnis der Krankheitsgeschichte bessere Heilungschancen gewährleisten, was zugleich kostensparend sei. Der Kanton habe Massnahmen eingeleitet, um die medizinische Grundversorgung auf dem Lande sicherzustellen, so durch die Schaffung von Notfallpraxen in den Spitälern und die finanzielle Unterstützung von Praxisassistenten. Hausärzte sind Allrounder Künftig könne kaum mehr jedes Dorf einen eigenen Arzt haben, meinte der Regierungsrat weiter. Das rief der Frage, ob 30 Kilometer Anfahrtsweg den Patienten zumutbar sei. Heidi Duss erinnerte an alte Leute, die selber nicht mobil sind. Sie verwies ferner auf Probleme hin, die mit der Einführung der Fallpauschalen eintreten können, wenn Patienten früher aus den Spitälern entlassen werden. Da sei eine Zusammenarbeit mit der Vormundschaft oder Elternberatung notwendig. Willi Baldi sieht im Hausarzt einen Allrounder, der 80 Prozent der Krankheitsfälle zu lösen verstehe. Noch habe man im Entlebuch Hausärzte, doch innerhalb zehn Jahren werde die Hälfte altersbedingt abtreten. Gruppenpraxen als Lösung? Die neue Strategie müsse Richtung Gruppenpraxen gehen, sagte Gesundheitsökonom Rolf Gabriel. Doch neue Modelle taugten nur, wenn auch Ärzte zur Verfügung ständen. Willi Baldi konnte darauf hinweisen, dass bei den Ärzten im Entlebuch bereits jetzt eine anerkennenswerte Zusammenarbeit bestehe.
Auf dem Bild: Ständerätin Simonetta Somaruga, Regierungsrat Guido Graf, Gesundheitsökonom Rolf Gabriel, Moderator Jürg Auf der Maur, Kantonsrätin Heidi Duss, Arzt Willi Baldi und Nationalrat Ruedi Lustenberger (von links).
Politiker und Fachleute diskutierten, wie die Zahl der Hausärzte gehalten werden könnte.
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