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Ein neues Schindeldach für die Kirche Würzbrunnen
RÖHTENBACH: 140’000 Schindeln und viel Arbeit
04.02.2010 Bald schon wird der Turm der Kirche Würzbrunnen vom Baugerüst befreit. Bis Ende März werden die hagelbeschädigten Schindeln ausgewechselt sein. Für Dachdecker und Schindelmacher ist es eine Ehre, bei der Sanierung dieses rund 1000-jährigen Bauwerks mitzuhelfen.
Jakob Hofstetter
Ein Haus mit Schindeln einzudecken ist für einen Dachdecker in der heutigen Zeit etwas Besonderes. Wenn es sich gleich um die geschichtsträchtige Würzbrunnen-Kirche handelt, erwächst bei den Handwerkern schon ein bisschen Ehrfurcht, aber auch Stolz. «Für uns ist dies ein wunderbares Referenz-Objekt», sagt Chris- tian Schlüchter von der Firma Growe in Wichtrach. Als Bereichsleiter der 30 Mitarbeiter zählenden Bedachungs- und Spenglereifirma leitet er die Baustelle. Dass ausgerechnet seine Firma den Zuschlag erhalten habe liege wohl auch daran, dass sowohl der Geschäftsfüher, er selber und auch mehrere Mitarbeiter in den Gemeinden Röthenbach und Eggiwil wohnen würden, vermutet er. «Uns kennt man hier». Rund 1000 Arbeitsstunden leis- ten die Dachdecker und Spengler auf dem Kirchendach. Das A und O ist die richtige Rottanne Um das 635 Quadratmeter grosse Dach zu decken, benötigt die Firma rund 140’000 Schindeln. Um genügend dieses Materials in nützlicher Frist herbeischaffen zu können, wurden gleich mehrere Schindelmacher aus der Umgebung verpflichtet. Zu ihnen gehören Hans und Fritz Muralt aus Ranflüh. Ihr Grossvater und ihr Vater betrieben das Handwerk im Nebenerwerb. Für die beiden ist es «Fürabe- oder Samschtigsbüez», wie sie sagen. Mit Marco frönt bereits die vierte Generation dem alten Handwerk. Ein grosser Teil ihrer Arbeit nehme die Holzbeschaffung in Anspruch. «Wir benötigen gleichmässig und langsam gewachsenes Fichtenholz», erklärt Fritz Muralt. Dieses finden die beiden in windgeschützten Lagen auf etwa 800 bis 1000 Meter über Meer. «Von jeder in Frage kommenden Tanne mit einem Mindestdurchesser von 50 Zentimetern wird dann noch ein ‹Probetütschi› abgesägt», ergänzt Hans Muralt. Erst wenn sie sich vergewissert haben, dass dies sich gut spalten und zu schönen Schindeln verarbeiten lässt, wird die Tanne respektive die geeigneten Stücke davon, gekauft. Lieber Regen und Schnee als eisige Kälte Christian Schlüchter und seine Mannen können nur nasse Schindeln auf die Latten nageln. Bereits abgedorrte müssen sie vorerst ins Wasser einlegen, damit diese beim Annageln nicht spalten. Schnee und Regen ist für die Dachdecker kein Problem. Schwieriger wird es, wenns kalt ist und die Schindeln zusammenfrieren. Eine Schindel ist 51 Zentimeter lang, zirka zehn Zentimeter breit und drei bis vier Millimeter dick. Weil sie in der Höhe viermal und seitlich dreimal überlappt, liegen durchwegs zwölf Schindeln aufeinander, was eine Gesamtdicke von rund vier Zentimetern ergibt. «Ein solches Dach hat eine Lebensdauer von 60 bis 70 Jahren, weiss Christian Schlüchter. Etwa nach der Halbzeit müssten einige Reparaturen vorgenommen werden. Entscheidend für die Lebensdauer sei einerseits die Holzqualität und die Dachneigung, andererseits die optimale Verlegetechnik. «Wir müssen Acht geben, dass das Wasser durch die Fasern des Holzes schnell abfliessen und somit die Schindeln gut trocknen können.» Des einen Leid des andern Freud Wie dem Eternit- oder Ziegeldach kann auch dem Schindeldach ein heftiges Hagelwetter arg zusetzen. So erlitt das erst 1991 neu erstellte Kirchendach in Würzbrunnen fast Totalschaden. Mit Ausnahme der Ost- und Nordfassade des Turms muss alles neu gemacht werden. Dies mag ein Ärgernis sein für alle, die daran zahlen müssen. Es ist aber eine Freude für die ambitionierten Berufsleute, die das selten gewordene Handwerk ausführen dürfen. Und es ist eine Augenweide für Liebhaberinnen und Liebhaber alter Bautechnik.
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