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WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH
Mittwoch, 8. September 2010  
         
  Bald solls höhlengereiften Biosphären-Käse geben
SCHÜPFHEIM: Milchbauern und Käser wollen einen Felsenkeller bauen

04.02.2010 Falls alles nach dem Willen der Käserfamilie Franz und Sandra Renggli und der Käsereigenossenschaft Oberberg Schüpfheim geht, wird schon dieses Jahr der erste felsengereifte Käse aus der Unesco Biosphäre Entlebuch auf den Markt kommen.

Sandra Steffen-Odermatt

 Die Idee ist nicht ganz neu. Bereits 2006 hat Franz Renggli von der Bergkäserei Oberberg in Schüpfheim abgeklärt, ob er seinen Spezialitäten-Käse in den unterirdischen Militäranlagen von Flühli oder Sörenberg reifen lassen kann. Aus verschiedenen Gründen verlief das Projekt dann im Sand statt im Fels. Doch, wie ein Käse mit der Reife immer besser wird, so braucht auch eine gute Idee manchmal ihre Zeit.
Der benachbarte Landwirt Richard Studer klagte im Sommer über die schnelle Trockenheit auf seiner Wiese, die direkt gegenüber der Käserei am Hang liegt. Und als er dann auch noch davon erzählte, wie damals bei der Strassenverbreiterung Fels weggespitzt werden musste, fiel es dem Käser wie Schuppen von den Augen. Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt?
Umgehend liess Renggli ein ­Vorprojekt mit Kostenberechnungen und Plänen durch die Firma Emch & Berger in Bern erstellen. Vor wenigen Tagen hat der Käser seine Idee den 17 Teilhabern der Käsereigenossenschaft Oberberg präsentiert. Diese wurde von den Milchlieferanten positiv zur Kenntnis genommen und der Vorstand unter der Leitung von Präsident Beat Zemp beauftragt, die Abklärungen voranzutreiben. Auch der Grundbesitzer, Richard Studer, hat bereits sein Einverständnis ­erklärt.
40 Meter tiefer Stollen
Sobald der Schnee geschmolzen ist, werden punktuell die Erdschichten bis auf den Felsen abgetragen und Erde, Fels und Pflanzenbestand analysiert. Der beauftragte Geologe, Beat Keller, hat jedoch bereits jetzt Zuversicht. Aufgrund seiner regionalen Kenntnisse und der geologischen Karte beurteilt er das Gelände als vielversprechend.
Die Pläne sehen einen Stollen von 40 Metern Tiefe vor, mit Option auf Erweiterung. Damit hat Renggli auch die Möglichkeit, seinen aus Platzgründen ausgelagerten Emmentaler wieder vor Ort zu pflegen. Renggli verarbeitet zurzeit 1,3 Millionen Kilogramm Milch, davon 60 Prozent zu Emmentaler und den Rest zu Spezialitäten wie Bergrahmkäse, Biosphären-Bergkäse, Raclette und den mit Olympia-Silber prämierten Bärgblüemli-Käse. Im Eingangsbereich des Stollens soll ein Verarbeitungs- und Abpackraum entstehen. Das Höhlenprojekt wird laufend weiterentwickelt, seit kurzem besteht auch die Idee eines kleinen Parallel-Stollens, der touristisch genutzt werden kann.
Nach dem Vorliegen der geologischen Gutachten werden demnächst Behörden und öffentliche Institutionen kontaktiert. Bezüglich Finanzierung zeigt man sich auch gesprächsbereit für private Investoren. Sobald die Finanzierung gesichert ist und die notwendigen Bewilligungen vorliegen, soll der Keller innerhalb von ungefähr drei Monaten gebaut werden. Bereits hat auch ein Händler konkretes Interesse an der Abnahme des felsengereiften Käses angemeldet.



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