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Der Bahnhof wurde zur «Junior Station»
LANGNAU: Wenn Lernende das Sagen haben
15.10.2009 Auszubildende sollen früh lernen, Verantwortung zu übernehmen. So lautet die Philosophie des Ausbildungsverbundes «Login», der aus dem Bahnhof Langnau eine «Junior Station» gemacht hat.
Cornelia Jost
Er steht am Bahnhofschalter in Langnau und bedient einen Kunden, der eine Gruppenreise buchen will. «Eine recht schwere Aufgabe für den ersten Arbeitstag», erinnert sich Chris- tian Hauser. Er ist einer von zwei Lernenden im BLS-Reisezentrum Langnau, die im Sommer ihre Ausbildung zum Kaufmann respektive zur Kauffrau öffentlicher Verkehr begonnen haben. Gleichzeitig zum neuen Lehrjahrgang wurde aus dem Bahnhof Langnau die «Junior Station». Zepter in den Händen der Lernenden Was bedeutet das genau, «Junior Station»? Dies ist ein Konzept von «Login», dem Ausbildungsverbund in der Welt des Verkehrs. Unter diesem Modell haben die Lernenden das Zepter des Reisezentrums in der Hand. Christian Hauser zum Beispiel hat von Anfang an mit den fünf anderen Lernenden das Eröffnungsfest der neuen «Junior Station» vom 17. Oktober organisiert. «Wir stehen ihnen zur Seite, lassen sie aber die Verantwortung selber tragen», so Claudia Bigler, eine der vier Coaches in Langnau. «Wir haben vom Festzelt über den Auftritt des Musikers Bensch bis zur Zugtaufe und zum Einsatzplan alles selber organisiert», sagt Christian Hauser. «Es sollte klappen», meint er. «Es wird garantiert gut», korrigiert ihn Claudia Bigler lächelnd. Wo liegt der Unterschied? Unterscheidet sich die Arbeit in einer «Junior Station» denn stark zu jener in einem normalen Bahnhof? «Die Aufgaben sind natürlich dieselben geblieben», so Claudia Bigler. Sie würden aber jetzt bewusst die Verantwortung abgeben. «Wir weisen die Lernenden auf Sachen hin, die sie dann selber in die Hand nehmen sollen.» Vorher hätten sich die Angestellten selber darum gekümmert. Ein kleines Beispiel: Der Bahnhof Langnau vermietet Fahrräder. Kommt eines nicht zurück, sollen die Lernenden selber dafür sorgen, dass es schlussendlich wieder in Langnau eintrifft. So werden sie selbstständiger und lernen früh, Verantwortung zu übernehmen. Grösster Unterschied in der Station Langnau ist wohl die Aufstockung an Lernenden. «Seit diesem Sommer haben wir gegenüber zum Vorjahr drei mehr», so Claudia Bigler, die mit den anderen Coaches extra Schulungen für die «Junior Station» gemacht hat. Für den Kunden ändere sich aber nichts, betont sie. Viel Abwechslung in der Lehre «Login» nennt diese Ausbildungsphilosophie «Lebensunternehmer/in». Kernpunkt dieses Projektes ist laut der Internetseite von «Login», dass sich die Lernenden auf folgenden drei Ebenen weiterentwickeln: Sammeln von Fachkenntnissen, Erwerben der Methodenkompetenz und Entwickeln der Selbst- und Sozialkompetenz. Gemäss der Homepage gestalte sich die Lehre deshalb abwechslungsreicher und die ausgebildete Person werde fiter für den Job. Der Bahnhof Langnau sei aufgrund seiner Grösse, des vielseitigen Verkaufsangebots und wegen des starken Publikumsverkehrs ausgewählt worden. Lernende an der Front «Einmal ist ein Zug in Worb stecken geblieben», erzählt Christian Hauser eine Anekdote aus seinen ersten Arbeitstagen. Solche Problemfälle übernehmen nun natürlich auch die Lernenden, und so sei er – etwas nervös – auf das Perron gegangen und habe die Zuggäste informiert, was los sei. Kurz darauf musste er diese Aussage wieder korrigieren, weil bereits eine neue Meldung vom Stellwerk kam. Während er diese Änderung durchgab, zeigte die Anzeigetafel, die vorher nicht funktionierte, aber wieder etwas anderes an. Wohl etwas ärgerlich, doch solche Aufgaben gehören eben auch dazu. Von diesem Erlebnis erzählt Christian Hauser in seinem Blog. Rund einmal in der Woche berichtet er dort über Vorkommnisse in seinem Alltag als ler- nender Kaufmann öffentlicher Verkehr. Da stehen auch Geschichten von Prominenten, die am Schalter einen Fundgegenstand abholen wollen oder von englisch sprechenden Kunden mit amerikanischen Kreditkarten. «Langweilig wird einem hier bestimmt nie, und jeder Tag ist wieder anders als der vergangene», freut sich Christian Hauser. 50 Firmen und 20 Berufe Die Ausbildung selber scheint bereits interessant aufgebaut zu sein. Chris- tian Hauser ist nur für ein halbes Jahr in der «Junior Station» in Langnau, danach wird er einen neuen Arbeitsort erhalten. Auch im zweiten Lehrjahr wird «versetzt». «Für das dritte Lehrjahr müssen sich die Lernenden für eine Spezialisierung in einer der Mitgliedsfirmen entscheiden und sich um den Platz bewerben», erklärt Claudia Bigler. «Login» hat über 50 Mitgliedsfirmen. Die Bandbreite ist gross: von Tourismusagenturen über Schiffgesellschaften bis zum Tram- und Busunternehmen oder Flughäfen bieten die Betriebe Ausbildungen in rund 20 Berufen an wie Automatiker, Logistiker Verkehr oder auch Gebäudereinigerin. Auch eine Sportlehre für anerkannte Sportler gehört zur Angebotspalette. Feuerprobe mit dem Fest Christian Hauser macht sich wieder an die Arbeit. Die Vorbereitungen für das Eröffnungsfest sind fast abgeschlossen, es müssen nur noch Details erledigt werden. Geht das Eröffnungsfest am 17. Oktober reibungslos über die Bühne, können die beiden Erstlehrjahrlernenden bereits nach zwei Monaten einen Erfolg verbuchen. Ganz nach dem Slogan des Arbeitgebers: «Login macht Erfolgsstories möglich.»
Das Eröffnungsfest am Bahnhof Langnau findet am Samstag, 17. Oktober, von 10.40 bis 15.00 Uhr statt.
Blog von Christian Hauser: www.login.org/chris- tianhauser
Auf 2010 sucht login über 700 Lernende. Infos auf www.login.org
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