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WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH
Freitag, 3. September 2010  
         
  Südtiroler Lamas bevölkern das Emmental
OBERGOLDBACH: «Charakterlich anständige Tiere sind es, und mit feiner Wolle»

23.08.2007 Auf dem Hof von Maria und Fredy Kottmann in Obergoldbach entsteht eine Lamazucht. Als Grundstock haben die beiden Züchter jetzt zehn Neuweltkameliden aus Südtirol in die Schweiz geholt.

Reinhold Meier

 Es muss schon einiges zusammenkommen, bevor man vom Gemüse-handel in die Lamazucht einsteigt. Das jedenfalls lässt sich vermuten, wenn man Maria und Fredy Kottmann erzählen hört. Denn mit den in den südamerikanischen Anden beheimateten Haustieren hatten die beiden ursprünglich gar nichts am Hut.
Viele Jahre waren sie vielmehr im Gemüsebusiness zuhause und dabei nicht zuletzt mit Marktständen im Zürcher Hauptbahnhof über Zürich hinaus bekannt. Doch 2002 ist ihr Geschäftsgebäude abgebrannt. «Wie geht es weiter?», hatten sie sich damals gefragt, erinnert sich Fredy Kottmann. «Sollen wir wieder aufbauen und neu anfangen?» Sie hätten erst einmal Ferien gemacht – in der Nähe von Meran.
Dort hat es offenbar Klick gemacht. «Auf einer Ranch sahen wir 50 Lamas weiden», erzählt Maria Kottmann. «Wir haben uns gleich in die Tiere verliebt». Das wäre es doch, befanden beide, eine Lama-Zucht aufzubauen, statt Salate zu vermarkten. Seitdem sind sie dabei, ihre Idee zu verwirklichen.
Hof kaufen und umbauen
Das erste Problem war, einen geeigneten Hof zu finden. Zunächst stand im Bünderland etwas in Aussicht. Doch das hat sich zerschlagen, weil sich das Anwesen nicht vergrössern liess. Dann kam der Zufall zu Hilfe. Als Fredy Kottmann einmal mit dem Töff im Emmental unterwegs war, spürte er, dass es hier vielleicht etwas werden könnte und hielt gezielt Ausschau. Über ein Inserat hat er dann das Anwesen in Obergoldbach entdeckt. Nach dem Kauf wollten Maria und Fredy Kottmann ihr «Sonnengut» renovieren. Doch beim näheren Hinsehen stellte sich heraus, dass das nicht möglich war. Also stand ein Abriss und dann der Neuaufbau auf dem Programm. «Seit Ende 2006 steht der Lamastall», bilanziert Kottmann die Bauphase. «Jetzt fehlten nur noch die Tiere.» Auf der Suche nach dem Grundstock ihrer Zucht gerieten sie wiederum nach Südtirol. Auf Italiens grösstem und genetisch vielfältigsten Lamahof, dem Kaserhof in Oberbozen, wurden die Kottmanns fündig. Vier Hengste und sechs Stuten aus verschiedenen Blutlinien wechselten nun den Besitzer.
Sieger aus Südtirol
Unter den Neu-Emmentalern sind auch zwei Töchter von Rosselini, der als einer der erfolgreichsten Lamahengste in Europa gilt und die entsprechende Ehrenpunkteliste anführt. Mit seiner kanadischen Abstammung hat der stark bewollte, sportliche Hengst nicht nur 35 Schönheitswettbewerbe gewonnen, sondern bereits über 100 Nachkommen gezeugt.
Kaserhof-Chef Walter Mair betreut gemeinsam mit seiner Frau Sabine gegenwärtig 70 Tiere und verkauft sie von Oberbozen aus nach ganz Europa. «Unsere Lamas stammen aus Chile, Kanada und Argentinien», führt er aus. Ziel sei es, charakterlich anständige Tiere mit feiner Wolle und korrektem Körperbau zu züchten. Seine eigenen Nachzuchterfolge unter dem Label «de Oro» belegen, dass er dabei auf dem richtigen Weg ist. So haben Tiere wie Belingo, Limbo oder Iguazu bei internationalen Sport- und Schönheitswettbewerben zahlreiche erste und zweite Plätze sowie die renommierte Auszeichnung «Grand Champion» gewonnen.
Glücklich über die Grenze
Ihre zehn Kaserhof-Kameliden haben die Kottmanns bequem in zwei Pferdeanhängern plaziert und sich dann über den Arlberg in Richtung Schweiz aufgemacht. Die Grenzformalitäten waren samt amtstierärztlicher Erlaubnis in St. Margrethen zu absolvieren. Vier Stunden später waren alle glücklich im Emmental.
Die Tiere werden in geschlechtlich getrennten Herden gehalten, damit die Zucht kontrolliert von statten geht. Die Kottmanns wollen sie auf etwa 30 Tiere ausbauen. Sie können sich auch vorstellen, dass sie nach Kaserhofvorbild einmal Lama-Trekkings anbieten. Doch vorerst geht es ihnen hautpsächlich um einen gelungenen Start. «Jetzt wollen wir uns mit den Tieren einleben und sie geniessen», halten beide fest. Walter Mair werde anfangs noch mit Rat und Tat zur Verfügung stehen, sollte es noch offene fachliche Fragen geben.



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