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Wo biblische Pflanzen gedeihen
Wo biblische Pflanzen gedeihen

An Pfingsten wird der Bibelgarten bei der Kirche in Lauperswil offiziell eingeweiht. 

Die letzten «Bsetzisteine» werden verlegt, ein paar Pflanzen bekommen ihren Platz und einige Schubkarren voller Kies müssen auf dem neuen Weg rund um die Kirche verteilt werden. Nach rund drei Jahren der Planung und Bau steht der offiziellen Eröffnung des Bibelgartens nichts mehr im Weg.

Eigentlich hätte das Projektteam den Garten mit den biblischen Pflanzen gerne schon im letzten Herbst realisiert, damit er heuer zum 500. Geburtstag der Kirche seine ganze Pracht entfalten könnte. Doch wie so oft, lief nicht ganz alles nach Plan. «Wir haben die Zeit unterschätzt, die es braucht, von der ersten Projektidee bis zum konkreten Plan, der allen Anforderungen gerecht wird», erläutert Kirchgemeindepräsidentin Margrit Wenger.

Sowohl die Einwohnergemeinde wie auch die Denkmalpflege standen dem Projekt Bibelgarten der Kirchgemeinde wohlwollend gegenüber. Die Denkmalpflege mit ihren Auflagen für den Schutz einer der bedeutendsten Kirche im Emmental, sorgte aber auch für Kopfzerbrechen. Mit Unterstützung eines Landschaftsarchitekten und einer Gartenbaufirma wuchs das Projekt und wurde schliesslich von allen zuständigen Behörden genehmigt.

Passt zu Kirche und Dorf

Der Bibelgarten musste sowohl zur Kirche, wie auch ins Ortsbild passen. «Fürs Dach der Pergola haben wir uns an der Form des Kirchturmdaches orientiert», benennt Wenger ein Beispiel. Zudem wurde die Pergola auf der Rückseite der Turnhalle an der Kirchenmauer errichtet, um die Sicht auf die Kirche nicht zu beeinträchtigen. Neue Sitzgelegenheiten entstanden rund um den Apfelbaum der Sorte «Rubinola». «Der Bibelgarten soll ein Ort der Begegnung sein», erklärt Margrit Wenger. Leider gäbe es in der Gemeinde kaum mehr solche Orte. Vor der Kirche entstand unter anderem ein gepflasterter Begegnungsplatz, der nicht nur als Ausstiegsort für Gehbehinderte dienen wird, sondern auch genug Raum bietet für Musikgruppen, Chöre und Gäste bei kirchlichen Anlässen. Der Kiesweg rund um die Kirche wurde so verfestigt, dass er auch mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator befahrbar ist. 

Mithilfe der Bevölkerung

«Schon vor der Eröffnung brachte der Garten Menschen zusammen», freut sich Margrit Wenger. «Viele Nachfragen und Inputs zur Auswahl der Pflanzen kamen aus der Bevölkerung.» Auch Leute, die sonst nicht zu den Kirchengängern gehören, hätten Interesse gezeigt oder nutzten gar die Möglichkeit, ausgewählte Pflanzen zu spenden. 5000 Franken kamen an Spendengeldern zusammen. Dank ihnen sollte der gesprochene Kredit von 70’000 Franken eingehalten werden können. Die Endabrechnung steht jedoch noch aus. Das Projektteam hat unter der Anleitung des Gartenbauers auch bei der Realisierung des Bibelgartens mitgearbeitet. Freiwillige werden es auch sein, welche die Pflege und Instandhaltung des Gartens in Zukunft übernehmen werden, erläutert Margrit Wenger. «Das Rasenmähen und die Pflege der Kieswege übernimmt weiterhin der Friedhofsgärtner.»

Von den rund 120 im Buch der Bücher erwähnten Pflanzenarten haben 29 einen Platz im neuen Bibelgarten gefunden. Sie wurden nach verschiedenen Kriterien ausgewählt. «Wir haben darauf geachtet, dass sie sich in unserem Klima wohlfühlen», erklärt Sabine Riedwyl, Mitglied vom Organisationskomitee des Projekts Bibelgarten. Nur wenige, wie etwa der Feigen-, sowie der Olivenbaum werden als Kübelpflanzen gehalten und drinnen überwintert. Wichtig war zudem, dass die Pflanzen pflegeleicht sind und sich nicht zu sehr ausbreiten. «Wegen der starken Vermehrung konnten wir zum Beispiel keine Disteln anpflanzen», konkretisiert die Floristin. Nicht nur die Menschen sollen sich im Bibelgarten wohlfühlen. Zwei Wildbienenhotels, an den letztjährigen Kindertagen mit viel Herzblut erschaffen, werden demnächst im Garten aufgestellt. 

Ysopkraut und Rosen

Auf den Schildern bei den Pflanzen steht jeweils deren Name in Deutsch. In der Kirche liegt ab dem Pfingstgottesdienst ein Führer auf, in dem 15 Pflanzen und deren Bedeutung detailliert beschrieben sind. 

Zwei Beispiele: 

Ysop: Das Ysopkraut spielt eine wichtige Rolle beim Auszug der ­Israeliten aus Ägypten (2. Mose 12, 22). Auf einem Ysopstängel wird Jesus am Kreuz ein Schwamm mit Essig angeboten gegen den Durst (Johannes 19, 29).

Rosen/Dornengewächse:

Bei seiner Verspottung durch die römischen Soldaten wird Jesus mit einer Dornenkrone «gekrönt» (Matthäus 27, 27–30). Im Gleichnis Jesu vom vierfachen Acker fällt ein Teil der Saat auf unfruchtbaren Boden und wird dort von Dornen und Disteln erstickt (Matthäus 13, 3–9).

 

17.05.2018 :: Rebekka Schüpbach
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