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Wir können uns das leisten
Kolumne - Peter Leu:

Wie Sie vielleicht wissen, wohne ich in Muri bei Bern. Und wie Sie sicher auch wissen, sagt man der Gemeinde nach, dass sie reich sei und sich über einen tiefen Steuerfuss auszeichne. 

Und – dass in Muri-Gümligen (wie die Gemeinde korrekt benannt werden sollte) lauter reiche Leute leben. 

Letztere Aussage lasse ich einfach mal so stehen, es fehlen mir überzeugende Gegenargumente. Umso mehr, da ich diese Kolumne ja in meinem Privatjet auf dem Flug zu den Caymen Islands schreibe. Ich will da nur rasch mal meine geheimen Offshore-Konten nach Belize verschieben. Aber das dürfen Sie bitte niemandem verraten.

Aber jetzt zurück zur reichen Gemeinde. Ich bin sicher, dass sich keine andere Gemeinde im Kanton eine so dunkle Morgendämmerung leisten kann, wie Muri-Gümligen. Und manchmal reicht das Geld gar aus, diese Dämmerung mit Nebel und Regen noch wunderbar zu vervollkommnen, so dass die Sicht eines durchschnittlich sehkräftigen Menschen auf wenige Meter beschränkt ist.

Und weil die Menschen in dieser Gemeinde halt standesgemäss gerne dunkle Anzüge und Mäntel tragen, bewegen sie sich naturgemäss sehr diskret, ja, man könnte auch sagen, schier unsichtbar auf den Trottoirs. (Natürlich nur die, welche zu Fuss und nicht mit der Stretchlimousine unterwegs sind.)

Und es wird enorm vieles getan, um die Morgendämmerungsdiskretion auch des Nachwuchses zu fördern. So werden Schulkinder von ihren Eltern beispielsweise gerne dunkelgekleidet auf den Schulweg geschickt. Und wenn möglich mit einem teuren Supervelo – pardon: Bike – welches zwar über eine vollautomatische 45-Gang-Schaltung und Elektroantrieb, nicht aber über eine Vorder- und Rücklichtanlage verfügt. Kommt ja gar nicht in Frage, wo bliebe sonst die angesprochene Diskretion.

Und so fluten denn diese dunklen Jugendhorden allmorgendlich die Strassen (und Trottoirs) und hoffen, heil zu den diversen Schulhäusern der Gemeinde zu gelangen. Wobei «heil» durchaus passiv (also ohne selber überfahren zu werden), als auch aktiv (also ohne selber jemanden zu überfahren) verstanden werden muss. 

Man könnte nun vielleicht vermuten, dass die Eltern dieser dunklen Gestalten ihrer Kinder überdrüssig geworden sind (zugegeben ein sehr unschöner Gedanke), oder aber, dass die Morgendämmerung auch in ihre Gehirnwindungen eingedrungen ist und ihnen unfallverhütendes Denken verunmöglicht hat.

Das gilt natürlich nicht für die Eltern, welche ihre Kinder mit dem geländetauglichen Mercedes jeden Morgen
direkt ins Schulzimmer chauffieren.(Ab und zu hängt vielleicht sogar noch ein unbeleuchtetes Bike am Frontspoiler).

07.02.2019 :: Peter Leu
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