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Wie Hänsel und Gretel die Hexe auf der Moosegg besiegen
Wie Hänsel und Gretel die Hexe  auf der Moosegg besiegen Moosegg:

Bei der Inszenierung von Hänsel und Gretel hoppeln Hasen durch den Wald, verkünden Raben Unheil und die Hexe Rosine Schleckermaul landet, wo sie hingehört. 



«Ruhe bitte!», ruft Regisseur Simon Burkhalter: Hasen, Krähen, das Sandmännchen und die Familie des Besenbinders nehmen ihre Positionen ein. Höchste Konzentration ist spürbar an diesem sommerlichen Nachmittag. Übermütig purzeln zwei Hasenkinder über die Lichtung und sind partout nicht ins Bett zu bringen. Mama Hase verspricht eine Geschichte, wenn sie danach brav schlafen. Die Pianisten Bruno Leuschner und Simon Hunziker setzen an ihren Klavieren mit der Ouvertüre ein und die Häsin fängt an zu erzählen.

Der Hunger summt mit

Im ärmlichen Haus sind Hänsel und Gretel mit Besen binden und Socken stopfen beschäftigt. Die beiden haben Hunger, seit Wochen gibt es nur trockenes Brot. Mezzosopranistin Madeleine Merz als Hänsel und Sopranistin Marie-Louise Tochev als Gretel vertreiben sich die Zeit und singen «Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?» Doch der Hunger summt mit: «Wer schenkt mir einen Dreier für Zucker und Brot?» Schnell wird klar, dass die jungen Profi-Sängerinnen in den Hauptrollen stimmlich und schauspielerisch ein zauberhaftes Duo abgeben, dem man die Geschwisterliebe glaubt.

Aus Kindern werden Lebkuchen

Gretel verrät ihrem Bruder, dass es am Abend Milchreis geben soll. Voll Freude tanzen und spielen die Kinder und singen «Brüderchen, komm tanz mit mir.» Die Mutter kehrt müde heim. In ihrem Zorn über die beiden Faulpelze greift sie zur Rute und stösst dabei den Milchtopf um. Ausser sich vor Wut jagt sie Hänsel und Gretel zum Beerensuchen in den Wald. Bei bester Laune kommt der Besenbinder (Ueli S. Eggimann) nach Hause und schmettert voller Verve: «Trallallala, Trallallala, Hunger ist der beste Koch!» Seine Geschäfte liefen so gut, dass er einen Korb voller Lebensmittel mitbringt. Als er nach den Kindern fragt und von dem Streit hört, schlägt seine gute Laune in Besorgnis um. Es wird schon dunkel. Was, wenn die Kinder sich im Wald verlaufen und der Knusperhexe Rosine Schleckermaul in die Hände geraten? Die böse Hexe verwandelt in ihrem Ofen Kinder in Lebkuchen, um sie dann zu verspeisen. Voller Sorge eilen die Eltern in den Wald. «Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?» Natürlich sind Hänsel und Gretel am Lebkuchen-Haus der Bösen gelandet. Hänsel wird mit Gummibären gemästet. Doch clevere Kinder lassen sich nicht einfach fressen. Mit einer List stossen sie die Hexe in den Ofen. Glücklich sinken sie ihren Eltern wieder in die Arme.

Spagat zwischen Mutter und Hexe

In den Laptop auf den Knien tippt Simon Burkhalter im Minutentakt Anmerkungen, die er später bei der Besprechung durchgeht. Zum Beispiel: «Hasen müssen läbig bleiben.» Zwölf davon hoppeln tapfer schwitzend im Kuschelkostüm durch die Sommerhitze. Kleine und grosse Unheil verkündende Raben schwirren umher. Hier hat sich Kostümbildnerin Renate Tschabold selbst übertroffen. Die gefiederten Akteure tragen schwarze, eng anliegende Ganzkörper-Anzüge und erwecken Rabenhandpuppen zum Leben. Herzig anzuschauen ist auch der Sandmann im kurzen, roten Mäntelchen. Mit einer Bass-Stimme zum Niederknien intoniert Sänger Eggimann bedrohlich: «Ein Besen, ein Besen, was macht man damit? Was macht man damit? Es reiten drauf – die Hääääääxen!» In der Rolle der Bösen brilliert Judith Lüpold mit hexigem Lachen, furchteinflössender Körpersprache und bedrohlichem Appetit. Die professionelle dramatische Mezzosopranistin übernimmt als Mutter und Hexe eine Doppelrolle. Den Spagat zwischen wütender und resignierender armer Frau und fieser Knusperhexe absolviert sie meisterlich.

Kindergerecht umgesetzt

Die Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck wurde in der Moosegg-Inszenierung auf 70 Minuten beschränkt. Auf die Hits des spätromantischen Singspiels von «Ein Männlein steht im Walde» bis «Abendsegen» muss das Publikum trotzdem nicht verzichten. Regisseur Simon Burkhalter verrät: «Ich habe das Märchen so inszeniert, wie ich es mir als Kind gewünscht habe.» Das liebevolle Bühnenbild von Oskar Fluri hält eine Überraschung bereit. Das Knusperhaus ist teils mit echten Lebkuchen von der Bäckerei Aeschlimann in Zollbrück ausgestattet. Nach den Vorstellungen dürfen alle Kinder daran knuspern.

 

Aufführungen: 21., 23., 28., 29. Juni, 20.15 Uhr; 25. Juni, 15 Uhr; 1. Juli, 20.15 Uhr; 2. Juli, 15 Uhr. 26., 27. und 30. Juni sowie 4. Juli Ersatzspieltage bei wetterbedingten Ausfällen. Historische Postauto-Linie sowie Shuttleservice. Vorverkauf und Informationen: www.freilichtspielemoosegg.ch


15.06.2017 :: Christina Burghagen
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