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Werden Sie bitte vergesslich!

Wie Sie ja wahrscheinlich wissen, wohne ich in der Agglomeration Berns. Die Stadt und die angrenzenden Gemeinden sind durch Tram und Bus (fast) bestens erschlossen. Das fast bezieht sich auf die bevorstehende Abstimmung zum Ostermundigen-Tram, zu welchem ja auch Sie demnächst abstimmen dürfen müssen und, wie ich sehr hoffe, Sie ein Ja in die Urne werfen werden. Aber eigentlich will ich hier gar nicht Abstimmungspropaganda betreiben, sondern über eine erstaunliche Beobachtung berichten. Also zurück zum bernischen Tram- und Busnetz. Schier alle zweihundert Meter ist da nämlich eine Haltestelle zu finden und an jeder dieser Haltestellen steht ein Billettautomat. Und um diese Billettautomaten herum stehen die unterschiedlichsten Leute. Und einige dieser Leute machen sich regelmässig am Münzrückzahlungsfach des Billettautomaten zu schaffen, und zwar ohne vorher oben Geld eingeworfen und ein Billett bezogen zu haben. Nein, denen gehts nur darum, allfällig vergessenes Rückgeld zu finden. Ach ja, werden Sie jetzt wahrscheinlich denken, das sind sicher Drögeler und Obdachlose, die solches tun. Sie haben recht, es sind welche dabei, und diese betreiben ihre Münzensammlerei auch ziemlich ungeniert. Aber es sind auch viele andere, welche dieser Münzfachleererei frönen. Sie tragen nicht selten Anzug und Krawatte. Und das sind nicht etwa als Banker verkleidete Drögeler, das sind Banker und andere Geschäftsleute. Sie gehen allerdings wesentlich diskreter vor, als die erwähnten Obdachlosen und Drögeler. Sie tun so, als studierten sie den Streckenplan und ganz zufällig verirrt sich eine Hand tastend ins Münzfach. Ich habe jetzt auch damit angefangen. Nicht mit dem Krawattentragen, nein, mit der Münzfachuntersuchung. Als Kulturschaffender muss man halt immer wieder neue Finanzmittelbeschaffungswege finden. Ich habe das Ganze nun allerdings etwas professionalisiert. Ich gebe mich nicht mehr mit den Münzen aus Billettautomaten ab, ich habe mich inzwischen auf Banko- und Postomaten spezialisiert. Rund 6800 Bankomaten und rund 700 Postomaten sollen in der Schweiz zu finden sein. Während andere pilgenderweise den Jakobsweg unter die Füsse nehmen, erwandere ich nun den wesentlich lukrativeren Bankopostomaten-Trail. Und da sind dann nicht bloss Münzen zu finden, da findet man gleich Zwanziger-, Fünfziger- und Hunderternoten. Zumindest ist und war das meine Hoffnung und der Zweck meines StartUp-Unternehmens. Aber irgendwie will meine neue Geschäftsidee noch nicht so richtig funktionieren. Liebe Leute, Ihr seid zu wenig vergesslich! Habt doch etwas Erbarmen mit dem Bankopostomatenwanderer mit dem schweren, aber leeren Tresor auf dem Rücken und vergesst ab und zu mal ein paar Hunderternoten im Ausgabeschlitz! Herzlichen Dank!



08.02.2018 :: Peter Leu ist Intendant der Kulturfabrik Bigla.
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