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«Wer einen lebendigen Wald will, muss auch hiesiges Holz wollen»
«Wer einen lebendigen Wald will, muss auch hiesiges Holz wollen» Wiggen: Tiefe Holzpreise wegen des Eurokurses, Wildverbiss und organisatorische Probleme: Ruedi Gerber hat als neuer Präsident des Verbands Luzerner Waldeigentümer einiges zu tun.

Ruedi Gerber aus Wiggen ist Ende April zum Präsidenten des Verbandes Luzerner Waldeigentümer gewählt worden.


Herr Gerber, Sie übernehmen den Verband Luzerner Waldeigentümer in turbulenten Zeiten. Wie hat sich der Eurokurs ausgewirkt?

Es gab verschiedene Reaktionen. Grosse Sägewerke haben neue Preislisten mit tieferen Preisen verschickt. Kleinere Sagereien, wie etwa hier im Entlebuch, zeigten sich solidarischer und haben kaum Preisreduktionen vorgenommen. Sie machten dies sicher auch, um überhaupt genügend Holz zu erhalten. Eines meiner Ziele ist, vermehrt das Gespräch mit den grossen Abnehmern zu suchen.

Insgesamt wurde weniger «geholzt», besonders im Bergwald, wo die Marge eh klein ist, dürften viele Projekte nicht realisiert worden sein.
Im steilen Gebiet kann man bei einem Holzschlag mit einem Enderlös von lediglich fünf bis zehn Franken pro Kubikmeter rechnen. Daher kann eine Preissenkung bedeuten, dass der Holzschlag defizitär wird. Da ist natürlich kein Waldeigentümer mehr gewillt, auf einen Holzschlag einzusteigen. Der Kanton Luzern hat hier positiv reagiert, indem er den Seilbahnbeitrag von 1000 auf 2000 Franken erhöht hat. Aus diesem Grund wurden nun doch noch recht viele Holzschläge ausgeführt.

Früher haben die Bauern, welchen die meisten Wälder gehören, in den Wintermonaten im Wald gearbeitet. Inwieweit ist das heute noch so?

Die Zahl der Bauern, welche den Wald selber bewirtschaften, nimmt eher ab. Für Waldbesitzer, welche nicht selber holzen wollen, bietet die Waldgenossenschaft viele Vorteile. Beispielsweise wenn ein Holzschlag mit einer Seilbahn über mehrere Parzellen organisiert werden muss.

 

Hat es genügend Forstunternehmen?
Obwohl in letzter Zeit einige den Betrieb eingestellt haben, gibt es genügend lokale Forstunternehmen, die sehr gute Arbeit leisten. Ein Problem ist der fehlende Nachwuchs, weil zu wenig Lehrlinge ausgebildet werden.

Nachwuchs braucht es auch im Wald. Dieser wird aber gerne vom Wild abgefressen.

Stark betroffen vom Wildverbiss ist vor allem die Weisstanne. Besonders seit sich der Hirsch mehr und mehr verbreitet, gibt es grosse Schäden. Wir vom Verband wollen das Gespräch mit der Jagd suchen. Weil Hirsche ein sehr grosses Einstandsgebiet haben, sollen sie meiner Meinung nach über mehrere Reviere hinweg gejagt werden können. Insgesamt ist die Zusammenarbeit mit der Jagd sehr gut.

 

Mittlerweile hat die Waldgenossenschaft eigene Förster. Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Kanton?
Meiner Meinung nach müssen die Kompetenzen genauer geklärt werden: Für was sind die Förster der Waldgenossenschaft zuständig, für was die kantonalen Revierförster. Dass die Revierförster den Schutzwald überwachen, leuchtet ein. Hingegen finden wir es vom Verband übertrieben, wenn bis zu 30 Prozent der Holzschläge nach dem Anzeichnen und nach dem Holzschlag vom Revierförster kontrolliert werden. Etwas mehr Vertrauen könnte nicht schaden.   

Unterstützung seitens der Bevölkerung wäre dem Wald auch förderlich.
Wer in einem lebendigen Wald spazieren will, muss auch Holz aus den hiesigen Wäldern wollen – da sind alle Konsumenten gefordert. Wer beispielsweise bei einem Bauvorhaben auf Schweizer Holz achtet, muss lediglich mit minimalen Mehrkosten rechnen, fördert aber den Wald und eine ganze Branche.
Gemeinsame Vermarktung für zig Waldeigentümer
Ruedi Gerber (46) bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie den südöstlich von Wiggen gelegenen Landwirtschaftsbetrieb Bödeli. Zu ihm gehören nebst 30 Hektaren Wiesland auch 40 Hektaren Wald. Nebst der Arbeit auf dem Hof betreibt Gerber ein Forstunternehmen.
Ruedi Gerber war an vorderster Front dabei, als 2007 die Waldgenossenschaft oberes Entlebuch gegründet wurde. Die Organisation vertritt über 700 Waldeigentümer und damit 83 Prozent des Entlebucher Waldes. Die Genossenschaft organisiert für seine Mitglieder sämtliche Bereiche. Pro Jahr vermittelt die Genossenschaft zwischen 20’000 und 30’000 Kubikmeter Holz.   
Der Verband Luzerner Waldeigentümer ist die übergeordnete Organisation. Ihr gehören elf regionale Organisationen an; die Waldgenossenschaft oberes Entlebuch ist eine davon. Der Verband vertritt die Waldeigentümer gegenüber der Politik, der kantonalen Verwaltung und tritt bei Messen auf. 
07.05.2015 :: Bruno Zürcher
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