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«Wenn man zu viele blaue Flecken hat, hat man nicht gut gedeckt»
«Wenn man zu viele blaue Flecken hat, hat man nicht gut gedeckt» Kickboxen:

Seine Kampfsport-karriere begann Levin Demiral aus Hasle mit drei Jahren. 13 Jahre lang hat er Karate praktiziert. Nachdem er den schwarzen Gurt erreicht hatte, wollte er mehr.

«Ich will gewinnen und gebe in jedem Training und in jedem Kampf 100 Prozent», erklärt der 17-jährige Levin Demiral. Halbe Sachen gebe es beim Kickboxen nicht, denn, wer nicht von sich und seinem Siegeswillen überzeugt sei, verliere. Der KV-Lernende aus Hasle hat erst vor eineinhalb Jahren mit dem Kickboxen begonnen, ist aber bereits Schweizermeister seiner Kategorie. «Kickboxen ist das Beste, das es gibt», fasst er seine Leidenschaft in einem Satz zusammen. «Man lernt Respekt, Disziplin, Durchhaltevermögen. Man lernt, hilfsbereit zu sein und hat mehr Selbstvertrauen. Herausforderungen nimmt man an und stellt sich ihnen. Dies kann man gut im Alltag brauchen, um schwierige Situationen anzupacken.» 

Mit Karate begonnen

Nachdem Levin Demiral lange in der Karateschule seines Vaters in Worb trainiert und den schwarzen Gurt erreicht hatte, wollte er mehr. Er verbrachte immer mehr Zeit am Sandsack und versuchte sich in Rundschlägen, die im Kickboxen vorkommen, im Karate aber nicht. «Ich suchte den Kampf mit Vollkontakt», erinnert sich der ehemalige Karateka. Seinem Vater, dem Karate-Sensei Arif Demiral, blieb nichts anderes übrig, als seinen Sohn ziehen zu lassen: nach Brügg, in die Muay Thai Shadow Boxing-Schule. Mittlerweile ist auch dem Vater klar, dass das der richtige Weg für seinen Sohn war. «Ich betreibe diesen Sport leidenschaftlich gerne. Ich trainiere, um besser zu werden, um Neues zu lernen und um mir selbst zu zeigen, was ich kann.» Das erklärte Ziel des Lernenden ist es, eines Tages vom Kickboxen leben zu können. Das sei möglich, schliesslich hätten es schon mehrere Schweizer in die höchste Kampf-Kategorie des Kickbox-Veranstalters «Glory» geschafft und von der Sportart leben können.  

 

Im Kopf muss es stimmen

Die mentale Stärke ist eine der Grundvoraussetzungen, um im Kickboxen Erfolg zu haben. «Um diese zu haben, muss man sehr viel arbeiten. Da gehört das technische Training, die Kondition und die Kraft genauso dazu wie auch die Willenskraft», betont Demiral. Um die Willenskraft zu erreichen, dürfe man sich im Training nichts schenken, denn wenn man die Schläge nicht immer und immer wieder üben und richtig durchziehe, dann räche sich das spätestens im Kampf.

 

Zuerst die Lehre

Trotz des hochgesteckten Ziels geht der Kickboxer Schritt für Schritt vorwärts. Zuerst einmal wird die Lehre fertig gemacht, dann will der angehende Treuhand- und Immobilien-Fachmann eine Weile auf dem Beruf arbeiten. Nebenbei werde aber trainieren, um weitere Titel holen zu können. «Nächstes Jahr will ich nochmals einen Schweizermeister--Titel holen. Und dann möchte ich unbedingt im Ausland kämpfen und dort Erfahrungen sammeln.» Nicht nur Erfahrungen will Demiral sammeln, sondern der Beste seiner Kategorie werden. 

 

Fünf Stunden Schlaf pro Nacht

Dass das nicht leere Worte sind, merkt man spätestens, wenn Levin Demiral von seinem Trainingsalltag und seinem Leben erzählt: «Ich stehe jeden Tag um sechs Uhr auf, gehe in die Schule oder zur Arbeit, dann trainiere ich zwei bis drei Stunden in Brügg und bis ich wieder daheim bin, ist es Mitternacht.» Der 17-Jährige schläft nicht mehr als fünf Stunden pro Nacht und trainiert fast jeden Tag. So bleibt kaum Zeit für Kollegen oder Ausgang. Er ordnet alles seinem Sport unter: «Ich verzichte auf Fastfood, Süssigkeiten und Softgetränke, ich ernähre mich von Gemüse, Früchten, Fleisch und Reis und trinke sehr viel Wasser. Ungefähr drei Wochen vor einem Wettkampf muss ich schauen, dass ich in meine Gewichtskategorie reinkomme.» 

Die Hausaufgaben und das Lernen für die Prüfungen erledigt er am Wochenende und im Zug. Seit Kurzem dürfte aber auch die Zeit für Hausaufgaben im Zug knapper geworden sein, denn die Fahrt verbringt der Kickboxer gerne mit seiner Freundin. «Es läuft super, wir fahren jeden Tag zusammen Zug und sehen uns auch im Training.» So erübrigt sich wohl auch die Frage, was die Freundin zu all den blauen Flecken sagt. «Die Leute, die mich nicht kennen, schauen mich manchmal schon ein bisschen komisch an, wenn ich ein blaues Auge habe. Aber diejenigen, die mich kennen, wissen ja, woher die Flecken kommen.» Bis jetzt sei er glimpflich davongekommen, er habe noch nie ein Knock-Out gehabt. «Wenn man zu viele blaue Flecken hat, heisst das, dass man sich nicht genügend gedeckt hat», meint der amtierende K1/70 Kilogramm-Schweizermeister.

13.12.2018 :: Olivia Portmann
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