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Warten auf die nächste Generation: Der Jugendrat stellt seine Arbeit ein
Warten auf die nächste Generation: Der Jugendrat stellt seine Arbeit ein Escholzmatt-Marbach: Der Jugendrat ist auf Eis gelegt. Schade, aber nicht aussergewöhnlich, heisst es beim Dachverband der Schweizer Jugendparlamente.

«Es mangelt an Mitgliedern», sagt Jashica Jayakumar, welche dem Jugendrat seit 2010 als Präsidentin vorstand. Am Schluss waren nur noch sie und Antigona Veseli im Vorstand, unterstützt von Jugendarbeiterin Jana Meier. Sie hätten regelmässig Anlässe organisiert, doch sei das Interesse daran mässig gewesen. Dies, obwohl sie die Jugendlichen gefragt hätten, was sie gerne machen würden. «Da wurde zum Beispiel gewünscht, den Europapark oder einen Aquapark zu besuchen. Wir organisierten das dann, aber gekommen ist kaum jemand», sagt Jashica Jayakumar. Den Jugendrat auf diese Weise am Leben zu erhalten, bringe nichts. Zudem seien sie und Antigona Veseli bald 25-jährig und aus dem Jugendrat-Alter heraus. «Wir hoffen, dass sich später wieder Leute finden, die den Jugendrat aufleben lassen», betont die Präsidentin. Ihre Unterstützung sei ihnen gewiss.

Gefordert und zufrieden

Auch Jugendarbeiterin Jana Meier betont, dass der Jugendrat nicht aufgelöst, sondern nur «auf Eis gelegt» wurde. Dies vereinfache einen Neustart, könne man doch auf die bestehenden Strukturen und das noch vorhandenen Geld zurückgreifen. Die Gemeinde Escholzmatt-Marbach sprach jährlich einen Betrag von 2000 bis 3000 Franken. Schon vor einigen Jahren hat der Jugendrat ein Tief durchlebt, damals liessen sich aber wieder Leute finden. «Diesmal hat es nicht geklappt, obwohl wir intensiv geworben und eine Schnuppersitzung angeboten haben», erklärt Jana Meier. «Gekommen ist niemand. Da war für uns definitiv klar, dass wir nicht mehr weitermachen.» Manchmal sei es gut, eine Pause einzulegen, damit wieder etwas Neues entstehen könne.

Jana Meier sieht mehrere Gründe für das Fernbleiben der Jugendlichen. Zum einen würden sie in der Schule oder der Lehre stark gefordert, zum andern hätten sie auch andere Prioritäten. Viele pflegten noch ein oder mehrere Hobbys und einige würden den Eltern auf dem Landwirtschaftsbetrieb helfen. «Irgendwann möchten sie dann einfach chillen.» Man könne auch daraus schliessen, dass die Jugendlichen sich in der Gemeinde wohl fühlten, sagt Jana Meier. «Sie haben offenbar alles.» Ein Indiz für die Zufriedenheit könnte auch sein, dass sich der Jugendrat in den letzten Jahren nur am Rande politisch betätigte. «Im Vordergrund standen vielmehr Partys und Ausflüge.» 

Warten auf neue Generation

Es sei schade, dass der Jugendrat Escholzmatt-Marbach seinen Betrieb  einstelle, sagt Maurus Blumenthal, Geschäftsleiter des Dachverbandes Schweizer Jugendparlamente – aus-
sergewöhnlich sei dies aber nicht. «In kleineren Gemeinden kann es immer wieder ein auf und ab geben, vor allem wenn der Generationenwechsel nicht funktioniert. Treten Personen zurück, die viel Verantwortung tragen, dauert es manchmal ein, zwei Jahre, bis die neue Generation einsteigt.» Er gehe davon aus, dass der Jugendrat nach einer Pause wieder reaktiviert werde. Der Dachverband bietet seine Unterstützung für bestehende und neue Jugendräte an. 

Politische Nachwuchsförderung

Dass sich der Jugendrat eher gesellschaftlich denn politisch engagiert hat, sieht Maurus Blumenthal nicht negativ. Auch andernorts gehe es häufig um Freizeitangebote und Platz fur Jugendliche wie etwa eine Skateranlage. «Das wird dann aber auch politisch, denn man muss ja den Gemeinderat oder das Parlament überzeugen und Gelder auftreiben.» Von der politischen Beteiligung der jungen Leute profitiere auch die Gemeinde, betont Maurus Blumenthal. «Ein Jugendrat ist politische Nachwuchsförderung. Die Gemeinden haben das noch zu wenig erkannt.» Es funktioniere wie bei einem FC: Ein Kind, das Fussball spiele, engagiere sich als Erwachsener vielleicht auch im Verein. Wer sich im Jugendrat beteilige, werde sich später eher für ein politisches Amt entscheiden. Dazu gebe es zahlreiche Beispiele auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene. 

Die Chancen, dass sich Jugendliche im Entlebuch dereinst wieder politisch engagieren können, sind intakt. Eine Idee ist ein regionales Jugendparlament. «Momentan stehen wir aber noch ganz am Anfang», sagt Initiant Philipp Muff von der Jugendarbeit Schüpfheim-Flühli-Sörenberg.

Jugendparlamente in der Schweiz

Aktuell bestehen in der Schweiz 68 Jugendparlamente und -räte, die auf lokaler, regionaler oder kantonaler Ebene tätig sind. Es laufen Bestrebungen, ein nationales Jugendparlament einzuführen. Ziel der Jugendräte ist es, Jugendliche und junge Erwachsene bei gesellschaftlichen und politischen Fragen einzubeziehen. Sie können ihre Ideen und Lösungsansätze in die Politik einbringen. Knapp die Hälfte der Jugendparlamente geniesst politische Rechte. Sie haben zum Beispiel ein Anhörungsrecht beim Gemeindepräsidenten oder können im Gemeindeparlament Vorstösse einreichen. Ihr finanzieller Spielraum reicht von 2000 bis zu 100’000 Franken pro Jahr.


 

04.05.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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