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«Von der Umfahrung von Oberburg versprechen wir uns viel»
«Von der Umfahrung von Oberburg versprechen wir uns viel» Oberburg:

Viele Leute kennen das Dorf nur vom Durchfahren – dabei hat die Gemeinde Oberburg, die seit heute mit der «Wochen-Zeitung» bedient wird, viel mehr zu bieten.

Rita Sampogna-Soltermann ist seit sechs Jahren Gemeinderatspräsidentin von Oberburg. Zuvor sass sie bereits vier Jahre für die unabhängige Ortspartei (UOP) im Gemeinderat. Sie ist im Ort aufgewachsen, kennt «ihre» Gemeinde also durch und durch. 

Oberburg zählt knapp 3000 Einwohnerinnen und Einwohner, die auf einer Fläche von 1415 Hektaren leben. Der höchste Punkt liegt auf 899 Meter über Meer. Etwas speziell ist der Grenzverlauf. Das Bahnhofquartier und der grösste Teil der Knuppenmatt gehören politisch zu Burgdorf. 

 

Frau Sampogna, was gefällt Ihnen besonders an Oberburg?

Das Gesamtpaket macht es aus. Es gibt gute Einkaufsmöglichkeiten und der öffentliche Verkehr mit dem Bus Fraubrunnen–Hasle und der Bahn ist gut ausgebaut. Die Städte Burgdorf, Solothurn, Thun und Bern sind schnell erreichbar. Trotzdem ist Oberburg ein Dorf, wo man sich kennt. Die Bürgerinnen und Bürger sowie die Vereine beteiligen sich aktiv am Gemeindeleben, das schätze ich sehr. Erwähnenswert ist sicher auch das schöne Naherholungsgebiet.

 

Was hätten Sie gern anders?

Ein Zentrum im Sinn eines Begegnungsortes zu haben, wäre schön. Heute findet viel im und ums Schulhaus statt. Weiter wünsche ich mir, dass nicht noch mehr Gewerbe abwandert. Die Post bleibt noch ein Jahr, einen Bankschalter haben wir nicht mehr. Auch sonst ist in den letzten Jahren der eine oder andere Betrieb weggezogen. Entlang der Strasse stehen gar einige Gewerberäume leer. 

 

Die Nähe zu Burgdorf stellt sich da wohl eher als Nachteil heraus.

Ja, das macht uns zu schaffen. Weil Mitarbeitende, Lieferanten oder Chauffeure, die Ware ausliefern, oft im Stau stehen, stellt sich mancher Unternehmer die Frage, ob er nicht besser in die Buchmatt in Burgdorf zieht. Der dichte Verkehr ist eine echte Plage, welche die Entwicklung von Oberburg behindert.

 

Auf die geplante Verkehrssanierung Burgdorf–Oberburg–Hasle dürften Sie also sehnlichst warten.

Davon versprechen wir uns viel, obwohl es noch Jahre dauern wird, bis die Umfahrung beziehungsweise der Tunnel gebaut wird. Momentan machen wir uns Gedanken darüber, wie die Hauptstrasse umgestaltet werden könnte, wenn die Umfahrung Tatsache ist. Sie soll nicht mehr zum Durchfahren einladen, jedoch zum Einkaufen und Verweilen. Es wird auch eine Aufwertung der Liegenschaften entlang der Strasse geben.

 

Nebst der Verkehrssanierung ist auch der Hochwasserschutz Luterbach ein Jahrhundertprojekt.

Da ist man seit über 40 Jahren am Planen, jetzt endlich wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Ende Mai fand der Spatenstich für das Rückhaltebecken statt. Das 15-Millionen-Projekt ist für Oberburg sehr wichtig, denn das Dorf oder Teile davon sind in der Vergangenheit schon öfter überschwemmt worden. Wenn ein Gewitter kommt, werden die Leute nervös. Manchenorts liegen Sandsäcke immer griffbereit.

 

Sie haben die Nachteile der Stadtnähe erwähnt. Wie kann Oberburg andererseits davon profitieren?

Wir arbeiten in den Bereichen Sozialdienst, Sicherheit, Schulsozialarbeit und Jugendarbeit mit Burgdorf zusammen. Das funktioniert sehr gut und macht Sinn. Dass es in der Nähe ein Hallenbad, eine Eisbahn, ein Kino und andere kulturelle Einrichtungen gibt, ist sicher ein Plus für unsere Bürgerinnen und Bürger.

 

Warum nicht gleich fusionieren?

Es ist nicht so, dass wir nie darüber reden würden, aber Handlungsbedarf sieht der Gemeinderat derzeit nicht. Wir bekundeten bislang keine Mühe, Leute für politische Ämter zu finden. Zudem sind die Entscheidungswege bei uns kurz, wir können schnell und flexibel auf Änderungen reagieren. In einer städtischen Verwaltung geht alles etwas langsamer vonstatten.

 

Nicht glänzen kann Oberburg punkto Steuerbelastung. Die Steueranlage gehört mit 1,94 zu den höchsten im Kanton Bern.

Das ist hoch, aber wir sind auf einem guten Weg. Weil wir über zu wenig Eigenkapital verfügten, mussten wir 2015 die Steuern erhöhen. Dank dem hatten wir in den letzten Jahren positive Abschlüsse und stehen heute wieder auf solidem Boden. Die Steuern zu senken, ohne wieder in Schieflage zu geraten, ist sicher ein Ziel. Der Spielraum ist jedoch nicht sehr gross. 

 

Würde die Bevölkerungszahl zunehmen, wäre der Steuerertrag höher. 

In der Gemeinde gibt es noch private Baulandreserven, es werden in nächster Zeit einige Wohnhäuser entstehen. Unser Ziel ist nicht ein grosses Wachstum, sondern die Einwohnerzahl mindestens zu halten.

02.08.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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