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Vom Schulhausputz über Schnecken bis zu den Freiherren von Rüti
Vom Schulhausputz über Schnecken bis zu den Freiherren von Rüti Trachselwald:

Hans Minder und Jonas Glanzmann gaben Einblick in ihre Forschungsergebnisse zur Historie von Trachselwald. Klar ist: Die Gegend ist reich an Geschichte und Geschichten.



«Wir haben das meiste beisammen», meinte Hans Minder an seinem Vortrag im «Bären» Steckshaus im Heimisbach. «Aktuell fehlen mir noch zwei Pfarrer. Aber die werde ich im Staatsarchiv schon noch finden – wenn auch nicht in lebendiger Form», sagte er und erntete Lacher. Der Lokalhistoriker arbeitet seit gut drei Jahren an einem umfassenden Geschichtsbuch über die Gemeinde Trachselwald. Wie bei früheren Forschungsprojekten Minders verknüpft er verschiedenste Quellen zu einem Ganzen. So werden in dem Buch, ein gesiegelter Vertrag von 1394 – in dem der Ritter von Sumiswald einen Teil seines Besitzes an die Kapelle St. Oswald vergabt – genauso erörtert wie das Inserat aus einem Anzeiger von 1912, mit dem ein Gärtner Schnecken suchte. «Das muss man sich mal vorstellen», sagte Hans Minder. «Ein Gärtner, der Schnecken sucht!» Des Rätsels Lösung lieferte er gleich nach: Der Gärtner suchte Weinbergschnecken, um diese dann an Gasthöfe weiterzuverkaufen. «In Kochbüchern aus dem 19. Jahrhundert findet man oft Rezepte für Schnecken oder Frösche – das war günstiges Fleisch», führte er aus. 

Das Foto und der Aufsatz dazu 

Für das rund 700-seitige Buch, das im kommenden Jahr in einer limitierten Auflage erscheinen wird, wurden auch Fotografien und Bilder gesammelt, eingescannt und beschriftet. Eines zeigt die Schülerinnen und Schüler beim Putzen «ihres» Schulhauses. Einige Kinder sind dabei zu sehen, wie sie die Vorfenster im Brunnen waschen. Die Aufnahme stammt vom damaligen Lehrer Bohnenblust. In einer Kiste fand Minder eine Beige mit alten Schüleraufsätzen. Ein Mädchen hatte darin in treffenden Worten den Putztag im «wurmstichigen Schulhaus» samt «mäusebewohntem Estrich» beschrieben. Auch erwähnte sie, dass ein Halt eingelegt wurde, um ein Foto zu machen. «Wunderbar, wenn man auf diese Weise zwei Dinge zusammenfügen kann», hielt Minder fest.

Der Wandel ist das einzig Beständige

Trachselwalds Geschichte ist nicht schnurgerade verlaufen. Die Besitzverhältnisse änderten nicht nur im Mittelalter mit den jeweils vorherrschenden Mächtigen – letzte Grenzbereinigungen, etwa mit der Nachbargemeinde Lützelflüh, wurden erst vor dreissig Jahren vollzogen. «Wäre das nicht gemacht worden, hätte die jetzige Gemeindepräsidentin ihr Amt sicher nicht angetreten. Der Wohnsitz der Familie stand nämlich einst auf Lützelflüher Boden.» 

Jonas Glanzmann nahm sich in seinem Teil der Forschungen insbesondere der Kirche, dem Schloss sowie den historischen Verkehrswegen an. Er zeigte auf, wie die ursprünglich kleine Kirche im Laufe der Zeit immer grösser wurde. Im schmucken Gotteshaus machte Glanzmann mehrere interessante Funde. Für alle Besucher sichtbar ist die eindrückliche Deckenmalerei von 1686, welche sogar einen Blick in den Himmel zulässt. Der Maler, Christian Stucki, habe sich in Italien zu seinem Stil inspirieren lassen, wusste Glanzmann, der sich aktuell mit den Kirchen im Emmental beschäftigt. Etwas, was dem «normalen» Besucher verborgen bleibt, sind zwei kleine Figuren auf einer der beiden Kirchenglocken. Dass der heilige Petrus zu sehen ist, hat Jonas Glanzmann wenig überrascht – mehr schon die zweite Figur: der heilige Oswald. In keiner anderen Kirche der Region wurde dieser Heilige verehrt, der vom Jahr 634 bis 642 nach Christus König des angelsächsischen Königreiches Northumbria (Teil des heutigen England) war. Möglich ist eine Verbindung zum Ritter Burk-hard von Sumiswald, welcher das einstige Kloster St. Oswald in der Gemeinde Trachselwald gestiftet hat. Für den Ritter, der auch an einem Kreuzzug nach Jerusalem teilgenommen hat, war der heilige Oswald von besonderer Bedeutung, galt er doch als Patron der Kreuzfahrer. «Noch ältere Quellen belegen jedoch, dass es Verbindungen zum Kloster St. Gallen gibt, das in der Region hier Besitzungen hatte», erklärte Jonas Glanzmann. Dieses Kloster wiederum hatte Verbindungen zum heiligen Oswald. 

Sitz der verborgenen «von Rüti» 

In der Geschichte von Trachselwald taucht ein Adelsgeschlecht immer wieder auf, über das man bislang, ausser dem Namen «von Rüti», kaum etwas weiss. Auch hier konnte Jonas Glanzmann Licht ins Dunkel bringen. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern recherchierte in Archiven, studierte Karten und fand schliesslich mitten in einem Wald die Stelle, an der die Freiherren von Rüti im 11. Jahrhundert gewohnt haben müssen. «Man muss sich unter den Gebäuden, die dort gestanden haben, recht einfache Holzbauten vorstellen», erklärte Glanzmann den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern.  

«Versteinert» wurde seinerzeit der Turm des Schlosses, das noch heute sichtbar ist. Im Jahr 1253 sei dieser aus Steinen erstellt worden, erklärte der Forscher. Es handle sich um einen der ersten versteinerten Türme im Kanton Bern. Auch entdeckte er bei dem an sich gut erforschten Schloss Trachselwald eine Vorburg. In einem Vertrag von 1313 wird diese explizit erwähnt, nun konnte Glanzmann ermitteln, wo sich diese befand. 

 

Informationen zum Buch: www.trachselwald.ch



28.09.2017 :: Bruno Zürcher
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