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Vom Barkeeper zum Bandleader
Vom Barkeeper zum Bandleader Langnau:

Am zweiten Abend der «Langnau Jazz Nights» begeisterte die Schweizer Big Band «Benjamin Knecht Jazz Orchestra» mit flotten Rhythmen und dichten Harmonien.

Noch vor einem Jahr arbeitete Benjamin Knecht hinter der Bar und sorgte für das leibliche Wohl der Gäste an den «Langnau Jazz Nights». Diesen Sommer steht er auf der Bühne im Mittelpunkt und verwöhnt das Publikum mit akustischen Leckerbissen. Doch er ist nicht alleine: Um ihn herum formieren sich 18 Instrumentalisten sowie eine Sängerin. Zusammen sind sie das «Benjamin Knecht Jazz Orchestra».

Traditionsbewusst

Der 26-jährige Saxophonist, Komponist und Bandleader aus Langnau am Albis hat kürzlich mit dieser Big Band die Debut-CD «Between the roots and me» (Zwischen den Wurzeln und mir) aufgenommen. Der Auftritt in der Langnauer Kupferschmiede ist nun die vierte und letzte Station der Schweizer Tournee, auf der die Musikgruppe das Programm des Albums vorstellt. Viele Stücke darin hat Benjamin Knecht selbst komponiert. Was «Wurzeln» damit zu tun haben, erklärt er gleich selbst: «Meine drei grössten Inspirationsquellen sind der Jazz-Musiker Bob Brookmeyer, die Komponistin Maria Schneider und das ‹Vienna Art Orchestra›. Für mich sind sie die Wurzeln, die das Fundament meines musikalischen Schaffens bilden.»

Das Traditionsbewusstsein von Benjamin Knecht zeigt sich ebenfalls in der klassischen Aufstellung seines Jazzorchesters, das sich aus fünf Saxophonen, vier Posaunen, vier Trompeten, einer Gitarre, einem Bass, einem Klavier und zwei Schlagzeugen zusammensetzt. Denkt man sich ein Schlagzeug weg, dann wäre dies genau die Bilderbuch-Formation der Big Bands, die ab den 1920er-Jahren für die Swing-Ära auszeichnend waren. 

Lichtvolle Klangfarben

Der Auftritt des «Benjamin Knecht Jazz Orchestra» beginnt mit einem neckischen Zwiegespräch zwischen dem Klavier und den Saxophonen. Es ist das Intro zum Stück «Coloured dream» des Lead-Saxophonisten Pascal Uebelhart. Wie die Szenen eines Traumes wechseln die Rhythmen und Stimmungen im weiteren Verlauf: mal schwerblütig und diffus, mal drängend und temporeich. Mit leidenschaftlich geschlossenen Augen rast der Posaunist Lukas Briggen in seinem Solo flink durch die Tonskalen, bevor die Schlagzeuger Clemens Kuratle und Adrian Böckli solistisch die Bühne elektrisieren. 

Etwas sanfter erklingt die Komposition «Hanging» von Benjamin Knecht, in welcher die Sängerin Cinzia Catania als vokale Bereicherung auftritt. Wenn sie mit ihrer weichen Stimme singt, ergibt sich eine gefühlvolle Mischung aus Wehmut und Unbeschwertheit. Süsslich verklärt ist auch die Ballade «Rainpearls». Hier gleitet ihr Gesang rein und unaufdringlich durch das Klangdickicht der Bläsersätze, während immer wieder lichtvolle Klangfarben der E-Gitarre von Dominik Beck durchschimmern. 

Wippende Köpfe, tippende Füsse

Benjamin Knecht dirigiert mit präziser Lockerheit. Es sieht aus, wie wenn er die swingenden Rhythmen und erdigen Beats aus seinen Ärmeln schütteln würde. Diese Energie überträgt sich auf das Orchester und schliesslich auf das Publikum. So können die wippenden Köpfe und tippenden Füsse als Beweise gedeutet werden, dass die Grooves ankommen. 

Zu den Höhepunkten des Abends zählt Knechts Hommage an Bob Brookmeyer «Who the fuck is Bob», die sich zuerst mit düster-nebligen Harmonien aufbaut, im Mittelteil dann mit funkigen Elementen spielt und an einer Stelle fast zu zerbrechen droht. Aber auch das furiose Schlagzeugduell im Stück «Graffiti in Bern» dürfte noch lange in schöner Erinnerung bleiben. 

03.08.2017 :: Stephan Ruch
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