Anmelden
Urlaub

Erwischt! Soeben habe ich wieder ein paar Bilder von unserem schönen Urlaubsstrand an diverse Empfänger per WhatsApp geschickt. Bei Facebook habe ich gestern Bilder hochgeladen. Bedenklich? Sicher, es gefällt mir gut in unserem Urlaubsort und ich entspanne mich hervorragend, aber muss das jeder wissen? Das Mobiltelefon ist als Kamera ganz hervorragend, ausserdem kann ich in einem Notfall sofort handeln und nach Hilfe telefonieren – wenn ich denn Empfang habe. So oder so ähnlich sind meine Ausreden, denn ich habe früher auch ohne Handy das tägliche Leben gemeistert. Stets für meine Kinder und die Eltern erreichbar sein, so hat das Telefon den Weg in mein Leben geschafft. Ein Notrufknopf der Moderne mit grosser Reichweite. Und weil ich jung im Kopf war, wieso nicht Facebook, Twitter, Instagram und andere Netzwerke, wo ich mich mit Gleichgesinnten und Freunden austauschen konnte. Mittlerweile mache ich mir Sorgen über mein Verhalten. Wir hängen wie Überlebende am Tropf des Datennetzes, spülen Information durch uns hindurch, berauschen uns an Farben, Formen, Texten. Wenn nur die lästigen Werbeanzeigen nicht wären. Aber das muss ich in Kauf nehmen, wenn ich bei Zalando, Amazon und Co bestelle und nicht mehr nachdenke, sondern google. Heute sind es nur ein paar Bilder, nehme ich den Faden meines schlechten Gewissens wieder auf – als der nächste Gedanke von langweiligen Dia-Abenden sich über einige Gehirnwindungen ins Bewusstsein schleicht. Egal, ich habe Urlaub, denke ich, logge mich bei Instagram ein und lade ein paar Bilder mit # hoch. Da fällt mir das Essen ein. Gestern habe ich das Buffet und unsere Teller fotografiert. Das müssen die Leute unbedingt sehen. Wahnsinn! Die Daheimgebliebenen werden staunen und mich beneiden, wenn sie mich mit dem Apéro am Buffet sehen und nachher noch meinen Teller mit dem Essen. Foodporn nennen es die jungen Leute und ich – ein Traum von Steak mit Beilage bei romantischem Kerzenlicht am Pool mit Sonnenuntergang. Schnell scrolle ich durch die Bildgalerie, dann schicke ich die Bilder auf der Datenautobahn durch den Äther. #Urlaub #Aussicht #Entspannung und übermorgen #Alltag. Kaum abgeschickt, bekomme ich mein erstes «Like». Ich freue mich, warte auf mehr und dann kommt es zurück, das schlechte Gewissen. Die Technik bestimmt mich! Ich schaue hoch, mein Gegenüber ist weg. Der Entschluss kommt sofort. Nächstes Jahr buche ich einen Tauchlehrgang.

#Abtauchen – nicht erreichbar.

09.08.2018 :: Martina Jud, Sörenberg
Meistgelesene Artikel
«Eine aufwändige, aber schöne Arbeit»
Herbligen: Thailändische Küche im Kiesental: Zwei Frauen gründeten auf einem Bauernhof eine...
Spektakel vor dem Schloss
Oberdiessbach: Mitglieder der Brass Band Oberdiessbach spielten vor der Kulisse des Schlosses einen Krimi....
Einige scheinen noch zu schlafen. Andere sind wach und mehr oder minder geschäftig. Am...
«Recycling ist ein Wachstumsmarkt – wir müssen mehr Platz schaffen»
Bigenthal: Die Reinhard Recycling AG leidet unter Platznot. Nun will sie auf ihrem Areal eine grosse Halle,...
«Die Köhlerei soll nicht vergessen gehen»
Trubschachen: Am Fest «Läbigs Bruuchtum» können alte und traditionelle Handwerke...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr