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Unfreiwilliges Campieren nach einem Brandfall auf dem Bauernhof
Unfreiwilliges Campieren nach einem Brandfall auf dem Bauernhof Affoltern:

Nachdem ihr Wohnhaus abgebrannt ist, leben die Häusermanns für ein Jahr zu sechst im winzigen Wohncontainer – Probleme überwinden sie mit Humor.



In der Garage im Schopf duftet es nach Kaffee: Ein Gartentisch und sechs Stühle laden den Gast ein, ringsum Ölkannen, Werkzeuge, Ersatzteile und sieben Katzen. Das ist momentan die «gute Stube» von Häusermanns. «Es war am letzten Samichlausetag», erinnert sich Landwirt Peter Häusermann, «meine Frau und ich sassen abends in der Stube, als wir einen komischen Geruch wahrnahmen.» Rosmarie Häusermann ging nach draussen um nachzusehen – und erschrak: Im oberen Stock, wo die Jungen wohnten, momentan aber nicht zu Hause waren, flackerte es seltsam. Und dann der Schock: Es brannte! Der Bauer versuchte mit dem Schaumlöscher das Feuer zu ersticken, doch es war zu spät. Die Küche, wo durch einen elektrischen Defekt der Brand ausgebrochen war, brannte schon lichterloh. 

Ruiniert und bestialisch stinkend

Schwarzer Rauch hüllte alles ein, krachend barsten die Scheiben. Das Feuer griff auf das Unterdach über und im Nu stand das ganze Haus in Flammen. «Zum Glück kam die Feuerwehr sehr schnell und bezwang die Feuersbrunst, so dass die Hauptgebäude verschont blieben. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre», graust es den Bauern noch im Nachhinein. 

Häusermanns lebten seit dem Umbau 1977 nicht mehr im alten Bauernhaus. Dort wurden 25 Kühe und gleichviel Jungvieh, sowie der Futtervorrat untergebracht. Die Familien, Junior und Senior, wohnten im Zweifamilienhaus, das nun teils verkohlt, teils durch Wasserschäden ruiniert, und bestialisch stinkend, nicht mehr bewohnbar ist. 

Campieren auf dem Hof

«Wir erhielten sofort Hilfe von der Gemeinde und von unseren Nachbarn», sagt Peter Häusermann. Vorerst konnten die beiden Familien in der «Sonne» Affoltern wohnen. Doch das ständige Hin und Her war auf die Dauer unpraktisch. «Meine Kühe lasse ich ungern allein, besonders wenn eine Geburt ansteht», sagt der Bauer. Eventuell hätte man den Mietern im Stöckli kündigen können. «Aber die sind schon über zwanzig Jahre hier daheim und haben uns manches Mal bei Arbeiten geholfen – das brachte ich nicht übers Herz.» So kam man auf die Idee mit dem Wohncontainer. Und obwohl Häusermanns keine praktischen Erfahrungen mit Campieren hatten, klappte das auf Anhieb recht gut. Die beiden Frauen wechseln sich beim Kochen am Kochherd mit den zwei Platten ab. Obwohl beide schlank sind, könnten sie nicht zusammen in der Küche stehen, so schmal wie die ist. Auf dem Sofa vor dem Fernseher haben alle sechs knapp Platz und in den Schlafzimmern ist der hintere Bettteil nur kletternd zu erreichen. Aber es geht, man ist zumindest «am Schärme».

Toleranz ist angesagt

«Zum Glück kommen wir so gut miteinander aus», meint Rosmarie Häusermann. Die beiden Grosskinder, Janis und Luana, die Lisi und Köbu genannt werden, finden es lustig, zusammen zu wohnen. Da haben sie ihr liebes Grosi immer in Reichweite. Jetzt, im Sommer, sei es auch einfacher, weil man viel draussen sein könne. «Im Winter, da hatten wir manchmal kalt», sagt die Bäuerin. Bevor ihr Mann die Idee hatte, einen Novopan-Vorbau vor dem Eingang zu errichten, habe es manchmal bis ins Bett hereingeregnet oder geschneit, wenn man die Tür geöffnet habe. 

Nun ist der Bauplatz bereit für den Neubau, der gemäss Vorschrift gleich sein muss, wie das zerstörte Haus. Prachtvoll ist die Aussicht auf die Alpenkette. Doch bis zum Einzug wird es noch dauern, vielleicht wird es wieder Chlausetag. Einfach ist das Zusammenleben im Provisorium auf so engem Raum für alle nicht, aber mit dem Zauberwort «Toleranz» ist es möglich. «Und wir nehmen es mit Humor, gäuet Lisi u Köbu», meint lachend der Grosätti zu den Kindern, die schon wieder den kleinen Katzen nachjagen. 



15.06.2017 :: Gertrud Lehmann
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