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«Und dann drückt man mal ab»
«Und dann drückt man mal ab» Natur: Am Sony World Photography Award schaffte es Jan Ryser in der Kategorie «Wildlife» ins Finale. Wie viele Bilder eingereicht wurden? 227’000 Stück. Drei stammen vom Langnauer Fotografen.
An der finalen Ausstellung in London wird Jan Rysers Nashorn-Bild zu sehen sein. Der Hobbyfotograf gehört zum kleinen Kreis jener, die es am Sony World Photography Award auf eine «Shortlist» geschafft haben. Er selber schätzte sein Bild, das eine Gruppe Giraffen zeigt, als noch besser ein. Die Jury sah dies anders.
Beiden Bildern ist gemein, dass es sich um Nachtaufnahmen handelt und sich die Tiere im Wasser spiegeln. Die Fotografie mit dem Nashorn zeichnet sich weiter dadurch aus, dass sich die Wellen am Rumpf des Tieres spiegelnd mit den Rippenbogen kreuzen. Die Aufnahme der Giraffen wiederum überzeugt mit ihrer Komposition: Während das grösste Tier in der Mitte leicht schräge trinkt, wird es auf beiden Seiten von einem trinkenden und einem aufschauenden Tier flankiert.  

Jan Ryser, werden Sie am 20. April an der Vernissage in London teilnehmen?
«Äue nid». Es wäre sicher interessant all die Bilder zu sehen. Aber ich bin nicht so der Typ für solche Anlässe.   

Alleine die Finalteilnahme beim grössten Fotowettbewerb der Welt ist ein grosser Erfolg. Wie sehen Sie das?
Es ist zweifellos ein grosser Erfolg und eine Genugtuung. Allerdings braucht es bei so vielen Teilnehmern auch viel Glück, damit man es auf die «Shortlist» schafft.  

Dennoch haben Sie sich gewisse Chancen ausgerechnet.
Ich wusste, dass ich eine gute Bildserie hatte. Deshalb wollte ich mal sehen, wie diese Bilder beurteilt werden. Ich erhalte als Fotograf sonst eher wenig Rück-
meldungen.
Warum haben Sie zwei Nachtaufnahmen exotischer Tiere eingesendet?
Dass die Bilder exotische Tiere zeigen, ist ein Stück weit Zufall. Die Bilder mussten 2016 aufgenommen worden sein und ich war in diesem Jahr auf einer Fotoreise in Namibia. Dass ich die Tiere nachts fotografiert habe, ist hingegen bewusst gewählt. Nachtaufnahmen von Wildtieren sind selten. Bei einem Wettbewerb hat man sicher bessere Chancen, wenn man es mit einem eher innovativen Bild versucht.  

Wie viele Nächte gingen Sie auf die Pirsch?
Auf der geführten Reise waren die Teilnehmer in einer Lodge an einem Wasserloch einquartiert. Viele Tiere kamen nach Einbruch der Dunkelheit dorthin, um ihren Durst zu stillen. Ich hatte drei Abende die Gelegenheit, die Tiere aus einer Distanz von etwa 50 Metern zu fotografieren. Die Tiere sind bestens an die Touristen gewöhnt und schreckten auch beim Blitzen nicht auf.

Nachts aus grosser Distanz ein Wildtier zu fotografieren ist schon alleine technisch alles andere als einfach.
Ich gehöre nicht zu den Fotografen, die kistenweise Material mitschleppen. Ich benutzte eine Vollformatkamera mit einem 400-Millimeter-Objektiv. Zusätzlich hatte ich auf einem zweiten Stativ, etwa 30 Meter entfernt, einen ferngesteuerten Blitz aufgestellt. Diesen habe ich auf eine bestimmte Stelle am Wasserloch gerichtet und hoffte, dass dort auch wirklich ein Tier auftaucht.   
Und wenn dann das Nashorn zu weit links stand, mussten Sie zum Blitz rüberrennen, und diesen justieren.
Mit dem Risiko, dass sich das Sujet genau in dem Moment wegbewegte. Wegen der Aufladezeit des Blitzes hatte ich nicht x Versuche ein Bild zu machen. Nach dem Motto: «Ich drücke jetzt mal ab – und hoffe, dass ich keine bessere Gelegenheit verpasse.»

Schliesslich hat es wunderbar geklappt. Was macht für Sie ein gutes Bild aus?
Zunächst müssen sicher Grundanforderungen erfüllt sein: Das Bild muss gut belichtet sein und die Schärfe muss stimmen. Mir ist dann auch wichtig, dass das Bild gut komponiert ist. Ich spiele auch gerne mit dem Licht, was immer wieder spannende Bilder ermöglicht.   

Heute ist das Bearbeiten von Bildern gang und gäbe.
Meine Bilder habe ich nur marginal bearbeitet: Die Grösse angepasst, den Kontrast etwas erhöht und bei den Giraffen die Farbe leicht verstärkt. Grundsätzlich finde ich es legitim, dass man die zeitgenössischen Mittel einsetzt. Wie weit kann man gehen? Diese Frage wird von Fotografen wie vom Publikum kontrovers diskutiert.  

Haben Sie nie mit dem Schritt zum Profi­fotografen geliebäugelt?
Eigentlich nie. Fotografieren ist meine Freizeitbeschäftigung. Draussen in der Natur kann ich sehr gut abschalten. Wenn dabei gute Bilder entstehen, umso besser. 
227’000 Bilder eingesandt

Die Sony World Photography Awards werden seit 2008 jährlich in den Wettbewerben Professional, Youth, 3D, Student, National und Open vergeben. Heuer wurden aus 183 Ländern 227’000 Bilder eingesandt. Die Preisverleihung findet am 20. April in London statt. Das Foto von Jan Ryser wurde im «Open competition» in der Kategorie «Wildlife» als eines von zehn Bildern nominiert.  
Jan Ryser (58) beschäftigt sich von Kindesbeinen an mit Fotografie. Bis 2005 konzentrierte er sich auf Schwarzweiss-Aufnahmen. Einen Schwerpunkt seines Schaffens bildet die Naturfotografie, insbesondere Fliessgewässer und Auen. Daneben widmet er sich auf seinen Reisen auch der Street-Fotografie. Beruflich ist Ryser als Geschäftsführer von Pro Natura Bern tätig. Er lebt in Langnau. 
16.03.2017 :: Bruno Zürcher
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