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Überraschend, wie sich ein Bild entwickelt
Überraschend, wie sich ein Bild entwickelt Trubschachen:

Parallel zum Openair-Kino im «Hof3» zieren die Bilder von Markus Waber die Wände des Kino-Restaurants. Der Künstler greift Szenen auf, die ihn bewegen und inspirieren. 



«Wenn mich ein Foto aus der Zeitung nicht loslässt, setze ich mich malerisch mit dem Gesehenen auseinander», erzählt Markus Waber, der sich seit seiner Pensionierung vor zwei Jahren ganz seiner Leidenschaft fürs Malen hingibt. Drei Werke in der Ausstellung widmen sich dem Thema Beziehung unterschiedlich – und alle gehen unter die Haut: Ob sich zärtlich zugetan, einander verlierend oder brutal durch den gewaltsamen Tod getrennt schont der Langnauer Künstler das betrachtende Auge nicht. 

Ein Bild entwickelt sich

Bei einem terroristischen Anschlag in Ankara oder Tel Aviv fokussiert der Künstler nicht das Attentat, sondern die Menschenmenge drum herum, teils mit gezücktem Fotoapparat – alle in eine Richtung schauend. Beim Betrachter entstehen unweigerlich Bilder im Kopf von dem Grauen, das ausserhalb des Gemalten liegt. Hier zeichnet Waber mit heller oder gar weisser Ölkreide vor, es entstehen kaum sichtbare, unterschwellige Konturen. Anschliessend vollendet er das Werk nass in nass als Aquarell, dessen Farbe von den öligen Linien abgestossen wird und die Skizzen doch visualisiert und eine neue Dimension schafft. «Ich bin nicht selten überrascht, wie sich so ein Bild entwickelt», erklärt der Maler. Durch die weisse Ölkreide-Skizzierung entstünden Effekte jenseits seiner geplanten künstlerischen Entscheidung.

Licht und Schatten

Für die Nacht hegt der 67-Jährige eine besondere Faszination. Künstliches Licht wirke wie eine Bühneninszenierung. Es gäbe Dinge im Licht und Dinge im Schatten. Regelmässig besucht Markus Waber mit seiner Frau London, wo eine ihrer Töchter als Bühnendesignerin lebt. Die Charing Cross Road, eine Strasse, die vom Trafalgar Square bis zum St Giles’ Circus führt, inspirierte ihn zu einem achtteiligen Werk, das in nicht geordneter Reihenfolge im ersten Stock des Gebäudes hängt. «Richtig» zusammengesetzt entsteht ein Gesamtkunstwerk, doch auch einzeln büssen die Bilder nicht an Ausstrahlung ein. 

Trance gesucht und gefunden

In seiner vieljährigen Ausbildung war der Langnauer zunächst angezogen von der Epoche der englischen Romantik des 19. Jahrhunderts, etwa vom Stil von William Turner. «Doch je näher ich dem kam, desto mehr wusste ich, dass ich da nicht hingehöre», sagt der Künstler nachdenklich. Vielmehr habe er im Malen die Meditation, die Trance gesucht und gefunden. Das erzeuge bei ihm ein Glücksgefühl und die Zuversicht: «Es geht weiter!» Irgendwie sei ein Aquarell ja nie wirklich fertig, es sei eine Frage der Entscheidung, wann er ein Bild für vollendet erkläre. «Solange ich es niemandem gezeigt habe, ist jedes meiner Bilder unfertig», sagt er und schmunzelt. Das Meer und einige Seen kommen an der Ausstellung strahlend blau daher. Andere Meerbilder thematisieren den Crash zwischen knauserigen Kreuzfahrt-Urlaubern und Flüchtlingen, die Schleppern horrende Summen für die Überfahrt bezahlen. 

Visueller Spaziergang

Das Acryl-Bild «Rohrbruch» zeigt den sonntäglichen Langnauer Viehmarkt mit einer Wasserfontäne und wenigen Menschen. «Die Figur da hinten, die sich abwendet, hab ich nicht gemalt. Die war plötzlich einfach da.» Markus Waber spielt dabei auf seine meditative Art des Arbeitens an und setzt hinzu: «Die Körperhaltung dieser Figur erinnert an eine gute Freundin.» 

Die insgesamt 34 Exponate in Aquarell und Acryl laden zum visuellen Spaziergang in die Wahrnehmung des Künstlers ein, unendlich kraftvoll und farbintensiv, und dabei ausserordentlich berührend. 

 

Die Ausstellung «Anderssichten» von Markus Waber ist an den Filmabenden von 17 bis 22 Uhr bis zum 19. August zu sehen.

Kinoprogramm unter www.hof3.ch


10.08.2017 :: Christina Burghagen
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