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Über das Kolumnisieren

Man vernimmt ja als Kolumnenschreiberling eher selten, ob die Aufsätze überhaupt gelesen werden, geschweige denn, wie sie ge- oder missfallen haben. Umso erstaunter war ich, dass mein letzter Beitrag über Tanz-, Segel- und Tauchkurse gleich Legionen von Leserinnen und Lesern zu Reaktionen herausforderte. Sage und schreibe sechs Mails wurden mir geschrieben, drei Personen sprachen mich persönlich auf die Kolumne an, wochenlang konnte ich mich nicht mehr unerkannt durch die Hügel des Emmentals bewegen. Ich wurde auf Schritt und Tritt beobachtet, man versuchte, in meinen Gesichtszügen zu lesen und allen Leuten war die grosse Besorgnis um mein Seelenheil auf hundert Meter gegen den Wind anzumerken. Zudem erhielt ich drei Offerten von Anwälten und je ein Beistandsangebot eines reformierten Pfarrers und eines katholischen Priesters. Ganz viele Leute (sicher waren es ungefähr zwei bis drei Personen) spendeten mir Trost, und im Briefkasten fanden sich etliche rosarote und himmelblaue Briefumschläge, enthaltend Heiratsanträge einsamer Damen. Allen gemeinsam war die Sorge um meine Ehe, ja, etliche sahen sie bereits als gescheitert an, zumal man mich ab und an nur in Begleitung meines Hundes des Weges gehen sah. Ich will mich an dieser Stelle für das erwiesene Mitgefühl, die tröstenden Worte und die diskrete Neugier meiner riesigen Kolumnenlesergemeinde herzlichst bedanken. Und ich darf Euch alle (die rosa- und hellblauschreibenden Damen wahrscheinlich ausgenommen) beruhigen, trotz Tanz-, Segel-, Tennis- und Doppelzweierruderkurs ist unsere Ehe weder gefährdet, noch hat sie in irgendwelcher Form Schaden erlitten. Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel, sind glücklich und zufrieden. Zugegeben, in allen meinen Kolumnen steckt ein Funke Wahrheit. Meine äusserst geistreichen und wohlformulierten Aufsätze basieren immer auf persönlichen Beobachtungen und Erlebnissen. Aber dann geht halt jeweils die Fantasie und Fabulierlust mit mir durch. Und schliesslich, und das soll zu meiner Entschuldigung hier einfach mal deutsch und deutlich geschrieben sein, muss ich ja irgendwie und einigermassen glaubhaft auf die redaktionell geforderten 2500 Zeichen (inklusive Leerschläge) kommen. Und ganz so einfach, wie das mein Kolumnenschreiberkollege Oscar Wilde einst behauptete, gehts dann doch nicht. Ich zitiere: «Ich verstehe nicht, weshalb man soviel Wesens um die Technik des Kolumnenschreibens macht. Man braucht doch nur die Feder in ein Whisky-Glas zu tauchen.» Ich habs für diese Kolumne also zuerst mit Whisky, dann mit Grappa und schliesslich mit Wein probiert. Allerdings habe ich jeweils nicht die Feder eingetaucht, sondern die Getränke inwendig angewendet. Ich hoffe jetzt einfach, dass man es dieser Kolumne nicht anmerkt. 



22.06.2017 :: Peter Leu Biglen
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