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Üben für den späteren Ernstfall
Üben für den späteren Ernstfall Schüpfheim:

In Schüpfheim übten Medizinstudenten und angehende Notfallsanitäter zum ersten Mal gemeinsam den Ernstfall. Sie ergänzten sich dabei bestens.

Zehn bis zwölf Rettungswagen kurvten letztes Wochenende durch Schüpfheim. Was war da los? Der Arzt Jeffrey Bucher, die angehende Ärztin Brigitte Marti und der Rettungssanitäter Andreas Heim führten mit ihren Organisationen von Freitagabend bis Sonntagmittag eine gemeinsame Weiterbildung durch. Der Anlass hiess «Stewi meets EMS-Tage» – Stewi steht für Student Trauma and Emerency Weekend und EMS für Emergency Studi. «Wir haben bereits das letzte Stewi mit 80 Teilnehmenden in Schüpfheim durchgeführt», erklärte Jeff Bucher. Seit sieben Jahren können Medizinstudenten dabei theoretische Kenntnisse durch praktische ergänzen und Fertigkeiten in Notfall- und Rettungsmedizin lernen. Die EMS-Tage bieten Lernenden der dreijährigen Rettungssanitäter-Fachausbildung praktische Übungsmöglichkeiten.  

Im interdisziplinären Treffen trainierten erstmals angehende Ärzte und Rettungssanitäter im letzten Ausbildungsjahr gemeinsam. So würden Synergien genutzt und gegenseitiges Verständnis gefördert, sagte Jeff Bucher. Beide Gruppen ergänzten sich bestens. «Rettungssanitäter kennen das Wie der medizinischen Nothilfe, Medizinstudenten das Warum.»

Vom Pferd gestürzt

Die 40 Teilnehmenden arbeiteten in gemischten Viererteams von je zwei angehenden Ärzten und Rettungssanitätern. Jedes Team erhielt Unterstützung durch einen Arzt und einen Rettungssanitäter. 30 Figuranten simulierten die Fallbeispiele. Zu jedem einzelnen gab es ein zehnseitiges Dossier. Zahlreiche Helfer arbeiteten im Hintergrund, darunter auch ein Team, das die Figuranten schminkte. Für diesen aufwändigen Grossanlass war das Haus an der Emme der richtige Ort und Schüpfheim die beste Kulisse. Am Samstag absolvierten die Rettungsdienste einen Parcours mit zehn Posten durch das Dorf. Erstversorgung und Rettung mussten sie innert 15 Minuten bewältigen. Auf dem Reithof sei eine Frau vom Pferd gestürzt, lautet der erste Notruf. Ein Rettungsteam mit vier Frauen war gleich vor Ort. Eine von ihnen kümmerte sich sofort um die verstört umherrennende Freundin der Verunfallten. Eine angehende Rettungssanitäterin bewies Führungsqualitäten und übernahm spontan die Verantwortung. Sie vermutete eine Wirbelsäulenverletzung mit Rippenbrüchen und Blutungen im Bauchraum und versorgte die Patientin mit Sauerstoff. Dann bekam die Patientin einen Halskragen, wurde auf die Schaufelbahre gehoben und fixiert. «Sie muss ins Kantonsspital Luzern. Dort gibt es einen Wirbelsäulenspezialisten», entschied die jung Frau.    

Wie lange reanimieren?

Weiter ging der Parcours zu einem Herznotfall im Hotel Kreuz. Auf dem Boden lag eine «Rescue-Puppe» mit entblösstem Oberkörper, auf dem noch die Elektroden des Defibrillators klebten, der das Herz hätte in Gang bringen sollen. Das Rettungsteam unterhielt sich mit einem Gerichtsmediziner über die Frage, wann eine Reanimation abgebrochen werden darf und wie der Tod sicher festgestellt werden kann.  

Notrufe kamen auch aus verschiedenen Unternehmen wie der Landi oder einer Schreinerei. Bei der Zemp Bedachungen benötigte eine Lageristin Hilfe. Die Figurantin spielte die Schlaganfallpatientin so perfekt, dass die angehenden Ärzte und Rettungssanitäter der Ambulanz Emmental sofort den Ernst der Lage erkannten. Mit der Verdachtsdiagnose Hirnschlag oder Hirnblutung brachten sie die Patientin unverzüglich ins Spital, denn beide Krankheiten erfordern ein schnelles medizinisches Eingreifen. Bei der Nachbesprechung rühmte die Figurantin das kompetente und freundliche Team, das «Hand in Hand arbeitete und bei dem ich mich in guten Händen fühlte». Der nächste solche Anlass ist schon geplant. Es findet vom 3. bis 5. Mai 2019 wieder in Schüpfheim statt.

03.05.2018 :: Bernadette Waser
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