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Trachselwald kann theoretisch nur noch um 23 Personen wachsen
Trachselwald kann theoretisch nur noch um 23 Personen wachsen Trachselwald:

Das eingezonte Bauland reicht noch aus, um in den nächsten 15 Jahren um zwei Prozent wachsen zu können. Nun sind die Landbesitzer angehalten, auch tatsächlich zu bauen.

Die Anzahl Bewohnerinnen und Bewohner in der Gemeinde Trachselwald war in den letzten Jahren stets knapp unter 1000. Vor gut 100 Jahren waren es noch 1500. Dann nahm sie kontinuierlich ab, wenn in den letzten Jahren auch nur noch gering. Dieser Rückgang sei nicht auf eine eigentliche Abwanderung zurückzuführen, sagt Gemeindeschreiber Niklaus Meister. «Wir haben immer etwa gleich viele Haushalte, aber die Familien sind kleiner geworden», begründet er den Einwohnerrückgang. Kann die Gemeinde diesem Rückgang mit attraktiven Wohnangeboten begegnen? «Auf ein grös­seres Wachstum in den nächsten Jahren dürfen wir nicht hoffen. Wir müssen froh sein, wenn wir in den kommenden 15 Jahren um 23 Personen wachsen können», sagt Gemeindepräsidentin Kathrin Scheidegger. Diese Zahlen entnimmt die Gemeindepräsidentin den Unterlagen zur Ortsplanung, welche derzeit revidiert wird und seit vergangenem Montag in der Vernehmlassung ist. 

Ist das Bauland am richtigen Ort?

Gemäss den neusten Berechnungen wird der Gemeinde – bestehend aus den Gemeindeteilen Trachselwald und Heimisbach sowie einem grossen Streusiedlungsgebiet – vom Kanton ein Wachstum von zwei Prozent in den nächsten 15 Jahren zugestanden. Um so vielen Neuzuzügern eine Wohngelegenheit bieten zu können, hat es in der Gemeinde Trachselwald mit einer unüberbauten eingezonten Fläche von 15’000 Quadratmetern mehr als genügend Bauland. Die kantonale Verwaltung kommt bei ihren Berechnungen auf einen theoretischen neuen Baulandbedarf von lediglich 7000 Quadratmetern.

Keine neue Überbauung möglich

Obwohl Trachselwald auf dem Papier relativ viel eingezontes freies Bauland ausweist, zeigt sich die Gemeindepräsidentin besorgt, was die bauliche Entwicklung betrifft. Die Gemeinde verfügt nirgends über grössere zusammenhängende freie Bauzonen. Die Bauland­reserve verteilt sich im ganzen Gemeindegebiet auf 15 kleinere Flächen. Die grösste davon – rund 3300 Quadratmeter – ist auf der Krummholzmatte. Solange diese kleinen Flächen noch nicht überbaut sind, gibts vom kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) keine Bewilligung, neues Land einzuzonen, es sei denn, die Gemeinde würde andernorts die doppelte Fläche auszonen. Begründet wird diese Praxis mit der «Siedlungsentwicklung nach innen», welche im revidierten Raumplanungsgesetz vorgegeben wird.

In der Praxis bedeutet das, dass in der Gemeinde Trachselwald in den nächsten 15 Jahren keine neuen Überbauungen mehr möglich sind.

Zum Bauen verpflichtet

Will die Gemeinde nun trotzdem wachsen können, ist sie darauf angewiesen, dass die Besitzer von eingezontem Land dies auch tatsächlich überbauen. Wie will der Gemeinderat dies erreichen? Dazu Kathrin Scheidegger: «Wir haben bereits in schriftlichen Umfragen und persönlichen Gesprächen von den betroffenen Grundeigentümern erfahren können, ob und welche Entwicklungsabsichten sie für ihre Parzellen hegen.» Ebenfalls hätten sie einen Info-Anlass für die Grundeigentümer mit dem Schwerpunktthema «Aktivierung der Nutzungsreserven» durchgeführt. 

Sollten die Eigentümer ihr eingezontes Land nicht freiwillig überbauen, wird die Gemeinde eine Überbauungsverpflichtung anordnen. Das heisst, eine Bauparzelle, die nach zehn respektive 15 Jahren noch leer steht, wird mit einer jährlich höheren Steuer belastet. Kathrin Scheidegger zeigt sich zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen müsse. Die Arbeitsgruppe habe bereits einige positive Rückmeldungen von bauwilligen Landbesitzern erhalten.

Wer bauen will, soll es künftig in einigen Punkten einfacher haben. Wie Niklaus Meister erklärt, wurde das Baureglement überarbeitet und einfacher gestaltet. Auch könne die Behörde beispielsweise bezüglich Gebäudegrösse und kleineren Grenzabständen «ein bisschen mehr» bewilligen als bisher.

Ortsbildschutz teilweise gelockert

Ein sensibler Punkt der Ortsplanung, ist der Ortsbildschutz. Das Dorf Trachselwald gilt als schützenswertes Ortsbild mit nationaler Bedeutung. «Dort sind die baulichen Auflagen in jeder Hinsicht sehr streng», sagt der Gemeindeschreiber. Dies hat sich gegenüber früheren Ortsplanungen   nicht geändert. Aber im Bauinventar der Gemeinde sind auch 15 schutzwürdige Baugruppen aufgeführt. Von ihnen verbleiben lediglich drei unverändert in den Plänen, bei den Baugruppen Chramershus und Thal wird der Perimeter angepasst, die restlichen zehn Baugruppen werden aufgelöst. 

Grosses Planwerk, kleine Änderungen

«Viele Bereiche der Ortsplanung erfahren durch die Gesamtrevision keine einschneidenden Änderungen», räumt die Gemeindepräsidentin ein. Zahlreiche Anpassungen müssten sie aufgrund geänderter übergeordneter Gesetze vornehmen. «Trotzdem ist ein solches Planwerk für uns als kleine Gemeinde eine grosse Herausforderung.»  

Die Mitwirkung dauert bis am 27. März. Am Mittwoch, 28. Februar, 20 Uhr, findet im Gasthof Krummholzbad eine Informationsveranstaltung statt. 



22.02.2018 :: Jakob Hofstetter
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