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Thomas Lüthi bereut trotz Null-Runde nichts
Thomas Lüthi bereut trotz Null-Runde nichts Motorsport:

Thomas Lüthi hat ein bitteres Jahr hinter sich. Der 32-jährige Emmentaler ist in der Königsklasse der Motorrad-WM gescheitert. Missen will er das letzte Jahr aber nicht.

Thomas Lüthi beschloss die Saison in der Königsklasse MotoGP mit 18 WM-Läufen und null Punkten. Viele Jahre hatte der 32-jährige Emmentaler und Exweltmeister (2005 in der 125er-Klasse) davon geträumt, in der weltbesten Töff-Liga zu fahren. Nach nur einer Saison ist bereits Schluss. Lüthi fährt dieses Jahr wieder eine Klasse tiefer, in der Moto2, wo er in den beiden vergangenen Jahren jeweils Vizeweltmeister war.

 

Tom Lüthi, Ihr Jahr, Ihre Karriere in der MotoGP ist vorbei. Sicher haben Sie sich mehr davon erhofft?

Mir war von Anfang an klar, dass 2018 ein schwieriges Jahr wird. Mir war bewusst, dass das eine Herausforderung wird. Dennoch bin ich davon ausgegangen, dass meine Lernschritte bald grösser würden, dass ich die verletzungsbedingt verpassten Tests im Herbst des letzten Jahres bald wettgemacht haben würde. Das Gegenteil war dann der Fall. 

 

Aber Sie können ja Töfffahren.

Das schon, aber die Fahrtechnik war neu für mich. Dieses Motorrad hat dermassen viel mehr PS, mehr Kraft, dass ich es unmöglich mit Bikes vergleichen kann, die ich vorher gefahren bin. Dieses Motorrad muss man anders fahren, man muss anders draufsitzen. Es sind simple Dinge, aber eben ausschlag-gebende. Ein Beispiel: Das Motorrad benötigt viel Gewicht auf dem Vorderrad, also musste ich weiter vorne sitzen. Auch die Fahrlinie war eine andere.

 

Können Sie das erklären?

Mit einem viel stärkeren MotoGP-Töff kann ich brutal hart in eine Kurve hinein bremsen, weil es auch mehr PS zur Beschleunigung gibt. Das ergibt eine komplett andere Fahrlinie. Ich habe gedacht, dass ich diese neue Fahrtechnik viel schneller lerne.

 

Sie gingen dieses Jahr in der MotoGP punktelos aus, das heisst, Sie haben keinen Grand Prix in den Top 15 beendet. Zum Saisonende hin haben deshalb Fans und Medien immer mehr gehofft, dass Sie zumindest noch diesen einen Punkt holen. Wie sehr hat Sie das belastet?

Am Ende hat mich dieses Geschwätz um diesen einen Punkt nur noch aufgeregt. Aber ich muss das auf meine Kappe nehmen, weil ich es ja selbst wollte. Mein Ziel war, und das habe ich immer wieder betont, WM-Punkte zu holen. Belastet hat mich das aber nicht. Da gab es andere Gründe, die mich zweifeln liessen. Zum Beispiel während des ersten Saisondrittels, als ich immer wieder stürzte. Ich habe daran gearbeitet, aber ich stürzte trotzdem wieder. Da ging viel Vertrauen in mich und die Maschine verloren. So etwas wirft dich immer wieder zurück, das kostet viel Zeit – die ich schlussendlich nicht hatte.

 

Es gab zu dieser Zeit auch noch den Streit zwischen Teambesitzer Marc van der Straten und Teamchef Michael Bartholemy. Dieser Streit zog sich über Wochen hinweg und entzweite letztlich das Team. Hat Sie diese -Unruhe bei Ihrem Lernprozess -gebremst? 

Diese Unruhe hatte sehr grossen Einfluss. Als Fahrer stehst du dann da und musst plötzlich an Dinge denken, Dinge erledigen, die du als Fahrer während einer Saison nicht tun solltest. Bei mir als Fahrer muss der Sport im Vordergrund bleiben, und mein Arbeitsgerät, das Motorrad.

 

Aber Ihr Teamkollege Franco Morbidelli konnte diese Unruhe trotzdem ausblenden, offensichtlich, denn er wurde ja letztlich der MotoGP--Neuling des Jahres.

Das stimmt. Es war spannend für mich, zu beobachten, wie er und sein Umfeld mit der Situation umgegangen sind. Diesbezüglich konnte ich auch viel lernen.

 

In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie über diesen Eklat im Team Marc VdS ein ganzes Buch schreiben könnten. Das ginge hier zu weit. Aber vielleicht können Sie ja ein Kapitel erzählen?

Später habe ich sogar gesagt, dass ich über dieses ganze Jahr drei Bücher schreiben könnte. Der Streit ist unerklärbar. Er hat sich aber wohl schon länger abgezeichnet. Weshalb genau, das weiss ich nicht. Letztlich hat da-runter aber das Team gelitten. Da liefen Dinge ab, die waren unglaublich, ja, schlicht unglaublich! Ein Mechaniker hat beispielsweise mal einen Lastwagen unserer Moto2-Truppe «gestohlen» (Marc VdS fährt auch in der zweithöchsten GP-Klasse; Anm. der Red.). Der Mechaniker brauchte den Transporter für anstehende Testfahrten, wurde dann aber entlassen. Dabei wollte er in diesem Tohuwabohu doch nur, dass es zumindest sportlich weitergeht. Ja, im Team ging zu jener Zeit wirklich drunter und drüber.

 

Sie haben seit vielen Jahren von der MotoGP geträumt. Sie haben für diesen Aufstieg in die Königsklasse geschuftet – und sind letztlich gescheitert. Bereuen Sie dieses letzte Jahr Ihrer Rennfahrerkarriere?

Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bereue nichts! Ich habe sehr viel gelernt, auf und neben der Rennstrecke. Das wird mir später noch nützlich sein, davon bin ich überzeugt.

 

Ist das diese berühmte Kehrseiteder Medaille?

Das kann man schon so sagen, ja. Sportler kennen das besonders, beispielsweise nach einer Verletzung. Es ist hart und aufwendig, wenn man sich an die Spitze zurückkämpfen will. Nicht nur für den Körper, auch für den Kopf. Ich glaube, das macht einen schon sehr stark, wenn man aus einem solchen Tief zurückfindet, wieder und wieder Motivation findet.

 

Dieses Jahr fahren Sie in der Motorrad-WM zwar wieder eine Klasse tiefer. Aber dafür haben Sie in der Moto2 ja schon viele Erfolge gefeiert. 2016 und 2017 waren Sie jeweils Vizeweltmeister.

Ja klar. Aber jetzt einfach denken, dass der Lüthi automatisch wieder Erfolge aneinanderreiht, ist falsch. Wenn ich so denke, dann geht es schief! Die Moto2-Klasse ist hart umkämpft, so wie sie es immer war. Die ersten Testtage habe ich bereits hinter mir, und sie stimmen mich zuversichtlich. Auch die Arbeit mit dem neuen Team, den Deutschen von Intact GP, macht enorm viel Spass. An diesen drei Tagen bin ich – nach meiner ernüchternden Moto-GP-Zeit – schon wieder sehr aufgeblüht.

04.01.2019 :: Werner J. Haller
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