Anmelden
Tanzpaare auf dem Prüfstand
Tanzpaare  auf dem  Prüfstand

Die «Swiss-Rock’n’Roll-Confederation» führte im Forum Sumiswald den Selektions-Test durch. Nur die besten Paare schaffen den Sprung ins Kader – das gilt auch bei den Junioren.

Noemi Carldarulo konzentriert sich. Nach den Tanztests und einem Gespräch am Morgen steht sie am frühen Nachmittag vor dem ersten der insgesamt zehn aufgebauten «Skill-Tests». Vor ihr auf dem Boden liegt eine Art Strickleiter. Auf «los», trippelt die 17-Jährige mit genau definierten Schritten durch die Felder. Bei diesem sogenannten Linienlauf geht es darum, möglichst schnell und ohne mit den Füssen die Linien zu berühren, fünf unterschiedliche Läufe zu absolvieren. Noemis 16-jähriger Tanzpartner, Julian Gross, beobachtet sie und scheint mit dem Resultat zufrieden zu sein. Er hat das Prozedere schon hinter sich. Kurze Besprechung mit dem Instruktor und schon geht es weiter zum nächsten Test, wo der «Einbeinstand» geprüft wird. 

Nur wenige kommen ins Kader

Die in der Turnhalle versammelten 32 Kinder und Jugendlichen im Alter von neun bis 17 Jahren sind aus der ganzen Schweiz nach Sumiswald gereist. Sie alle möchten ins Rock’n’Roll-Nachwuchs-Kader der Saison 2018 aufgenommen werden. Dieses Ziel erreichen jedoch nur drei bis fünf Paare in der Kategorie der Jüngeren «Juveniles» und ebenso viele in der Kategorie «Juniors». Wer den Sprung schafft, darf in der nächsten Saison an internationalen Turnieren teilnehmen, also auch an Eu-ropa- und Weltmeisterschaften.

Die jährlich im Forum stattfindenden Selektionstests müssen auch diejenigen absolvieren, die bereits jahrelang Teil des Kaders waren. So wie Noemi Carldarulo und Julian Gross. Für die dreifachen Junioren-Schweizermeister aus dem Tösstal sind die Übungen zwar Routine, dennoch geben sie selbstverständlich alles. Sei es bei den Kraftübungen, Beweglichkeitstests oder beim Tanzen mit verbundenen Augen. Spätestens bei Letzterem wird klar, wie gut die beiden harmonieren. Denn trotz vieler Platzwechsel darf der markierte Bereich am Boden nicht verlassen werden. Besonders für die ganz jungen Paare ein sichtlich schwieriges Unterfangen, für «unsere» Routiniers scheinbar kein Problem. 

Die beiden Gymnasiasten – die übrigens privat kein Paar sind – trainieren seit sieben Jahren zusammen. Als Noemi Carldarulo durch Kolleginnen aufs Rock’n’Roll-Tanzen aufmerksam wurde, fragte sie ihren damaligen Klassenkameraden Julian Gross, ob er auch mitkommen wolle. Er wollte und seither gehören sie zum «Rock’n’Roll Club Damo Winterthur». 

Teures Hobby

«Wir sind sogar immer noch bei derselben Trainerin», verrät Noemi Carldarulo. Im Moment wird zwei Mal pro Woche trainiert. Bald vielleicht drei Mal, das sei noch nicht klar. «Häufiger möchten wir nicht, damit die Freude am Tanzen bleibt», erklärt die Gymnasiastin. Trotz der vielen Turniere bleibt deshalb noch Zeit für anderes. So spielt Julian Gross Fussball und geht ins Krafttraining. Noemi Carldarulo tanzt Rock’n’Roll in einer Frauenformation. Besonders in den Saisonpausen können sie auch mal mit Freunden in den Ausgang oder eine Pizza essen gehen. Das komme sonst schon etwas zu kurz, finden die beiden. Ihr Hobby gilt als Randsportart. Deshalb ist es auch schwierig, Sponsoren zu finden. «Unsere Eltern bezahlen alles selber», meint Noemi Carldarulo: «Reisen nach ganz Europa und Russland, Lizenzgebühren für die Turniere, Kostüme, Unterkunft, Verpflegung und so weiter.» Inklusive Begleitperson notabene. Die junge Frau schätzt, dass so pro Turnier gut und gerne 1000 Franken zusammenkommen. «Auch die Trainer werden nicht reich. Sie arbeiten ehrenamtlich.» 

Ab 2019 bei den Erwachsenen

Es liegt auf der Hand, dass man nebst dem Tanzen einen Beruf braucht. Diesbezüglich haben die beiden noch keine klaren Ziele. Während Julian Gross keine konkreten Pläne hat, meint Noemi Carldarulo: «Lehrerin oder etwas mit Sprachen». Und in
Sachen Rock’n’Roll? Da ist sich das Tanzpaar einig. Sie wollen «gut vorbereitet in die neue Saison starten» – es wird ihre letzte sein bei den Junioren. Vorerst gilt es, die Resultate des Selektionstests abzuwarten. «Wir würden sagen: ‹Chunnt scho guet!›» 



3500 Tänzerinnen und Tänzer

Gegründet wurde die damalige Fédération Suisse de Danse Moderne (FSDM) 1961. Zum heutigen Verband Swiss-Rock’n’Roll-Confederation (SRRC) mit Sitz in Vernier (GE) gehören rund 30 Vereine aus 16 Kantonen. Der Verband SRRC organisiert und fördert die Tanzsportarten Rock’n’Roll, Boogie-Woogie und Lindy-Hop vom Amateur- bis zum Leistungssportniveau. Von den insgesamt 3500 Tänzerinnen und Tänzern besitzen 450 eine nationale Turnierlizenz und sind somit Teil des Rock’n’Roll-Leistungssports. Die SRRC ist Mitglied der World Rock’n’Roll Confederation (WRRC) und der Swiss Dance Sport Federation (SDSF). 



14.12.2017 :: Rebekka Schüpbach
Meistgelesene Artikel
Welche Anrede benützen Sie, wenn Sie beten – ob laut oder leise? Gott? Vater? Jesus?...
Die beide Höf Aesch u vorder Liechtgut sy urschprünglich eis Heimet gsy u hei zur...
Woni z ersch Mau im Saau im oberschte Stock vor Wirtschaft Chrummhouzbad im Heimisbach bi ghocket,...
Die Anfrage dieser Zeitung, ob ich wohl geruhe, weiterhin zu kolumnisieren, zeitigte diesmal...
Wenn ich meinen Mitmenschen mein Hobby etwas näher erkläre, erfahre ich die...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr