Anmelden
Stampfen, flattern und sich drehen
Stampfen, flattern und sich drehen Röthenbach:

«Vertanzt» – rund 100 Musikanten und Tanzlehrer aus aller Welt zeigten Tanzbegeisterten, wie man Musik in Bewegung umsetzt. Schwerpunkt war dieses Jahr Lateinamerika.



«Vertanzt» – schon dieses Wort, das es gar nicht gibt, macht neugierig. Hat es einen Zusammenhang mit verhext, verzaubert, gar mit dem Märchen von den zertanzten Schuhen der Gebrüder Grimm? So muss es sein: Das Mädchen mit den roten Schuhen tanzt und tanzt und kann gar nicht mehr aufhören. Werktags, sonntags, Tag und Nacht. So ergeht es jedes Jahr rund 800 Leuten von Nah und Fern, die für vier Tage nach Röthenbach  zum «Mittelpunkt der Schweiz» strömen, um ihrem Hobby, ihrer Leidenschaft Tanzen, zu frönen. Von morgens um 9 bis lange nach Mitternacht lockt die Musik, es dreht sich der Reigen, es stampfen die Füsse, bis der Schnauf ausgeht und der Tänzer, die Tänzerin erschöpft ins kühle Gras sinkt. Vertanzt, verhext, verzaubert.

Viva Mexico!

Trotz ländlichem Ambiente ist hier nicht Ländler und Volksmusik angesagt, sondern Musik und Tänze aus aller Welt. Die Qual der Wahl zwischen den drei Zelten macht die Entscheidung schwer: Soll man mexikanische Lebensfreude versprühen, mit erotischem Latino die Sinne betören oder vielleicht im javanischen Tanz die Götter verehren? Also, be-ginnen wir mit Mexiko. Da haben etwa 50 Frauen und eine Handvoll Männer einen Kreis gebildet. In der Mitte erklärt die Tanzlehrerin, stampfende Füsse ersetzten die Perkussion. Schade, viele tanzen in Turnschuhen oder barfuss, das ist wenig effektvoll. «Kaffee und Brot» heisst der Tanz, und zum Wechselgesang der beiden Musikanten mit Ukulele wird hier eine Geschichte aufgeführt, wobei schlussendlich noch ein Papagei davon fliegt. Das ist gar nicht so ein-fach, mit den Füssen dem Rhythmus zu folgen, mit den Armen zu flattern und sich zu drehen, ohne den Kreis zu verlassen. So könne das stundenlang weitergehen, sagt die Vortänzerin, bis jemand nicht mehr könne und «Una» rufe. Dann sei Schluss und man habe sich einen Znüni verdient.

Variationen statt Fehler

Im nächsten Zelt übt man «Bachata», Ursprung Dominikanische Republik. Da sind mehr Männer anzutreffen, denn es ist Paartanz angesagt, und zwar mit Körperkontakt. Das Paar auf der Bühne machts vor: Der Herr führt die Dame vorwärts, rückwärts, nach rechts und links, dann drehen. Erst sie, dann er, dann beide zusammen. Am besten hält man sich schön fest aneinander, so drehts sich am leichtesten. Hier sollte man nicht mit den Armen «Mist schaufeln», sondern nur die Hüfte bewegen. Und beim «Slide» Bein an Bein spüren, wie weit die Dame gehen möchte. «Das sieht super aus», lobt der Tanzlehrer die Bemühungen. Korrigiert wird niemand, es gibt keine Fehler, nur Variationen. Dann ist es Zeit für eine Pause. Draussen duftet es von den Verpflegungsständen her, es herrscht ein fröhliches Durcheinander. Nachher geht es weiter. Dem Programm mit den kurzen Erklärungen folgend mit Rueda de Casino, einem humorvollen Salsa-Spiel, Fandango, dem Bal-Folk vom französischen Baskenland oder einem orientalischen Schleiertanz. Unendlich sind die Möglichkeiten, so lange wie die Tage und Nächte sind. Dazwischen kann man Yoga schnuppern oder beim indonesischen Anklung-Orchester mitspielen.

So wie es ist, ist es gut

Esther Mumprecht , Mitorganisatorin vom Verein Vertanzt, der ursprünglich aus Zürich stammt, zeigt sich zufrieden: «Das Wetter, die Stimmung, alles ist gut, und während eines Gewitters ist man ja ‹am Schärme›. Wir möchten gar nichts ändern, so wie es ist, passt es, wachsen wollen wir nicht unbedingt.» Ihre Freundin, Sonja Büttikofer, habe die Idee eines Tanzfestivals aus den Ferien in Portugal mitgebracht. Und weil man sie in Röthenbach, dem Mittelpunkt der Schweiz, freundlich willkommen geheissen, die Zivilschutzanlage zum Übernachten und die Wiesen zum Tanzen, zum Campen und Parkieren zur Verfügung gestellt habe, liess man sich hier nieder. Dorfbevölkerung und Vereine würden sie unterstützen und profitierten ihrerseits auch vom Besucherzustrom. «Reich werden ist nicht unser Ziel, wir wollen es ein-fach zusammen schön haben», sagt Esther Mumprecht.

27.07.2017 :: Gertrud Lehmann
Meistgelesene Artikel
Von Langnau nach Rüegsauschachen: Ein Metzgerwechsel im Jakob-Markt
Zollbrück: 22 Jahre führte Rudolf Lüthi von der «Hübeli-Metzg» in Langnau die...
Wohär chönnt äch dr Ortsname «Fälbe» cho? Villech vo...
Die Zahl der Menschen, die Informationen und Neuigkeiten dergestalt zurechtbiegen und...
Dr Heilig Oswaud isch nid grad e Heilige, wo me im erschte Momänt a ds Ämmitau...
Sollten Sie mich demnächst mit einem grossen Kinderwagen in einem Zug oder Bus antreffen, so...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr