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Spuren einer einstigen Burg
Spuren einer einstigen Burg Konolfingen: Jonas Glanzmann, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes, fand nördlich von Konolfingen spuren einer historischen Befestigung.
Der zerfurchte Waldboden fällt einem sofort auf – wenn man weiss, dass sich hier einst eine kleine Befestigungsanlage befunden hat. Jonas Glanzmann hat ein geschultes Auge für solche, von Menschenhand geschaffenen Erdverschiebungen. Der so genannte Wall, der anschliessende Hauptgraben sowie die Randüberhöhung auf dem Burghügel sind noch sehr gut sichtbar. Dabei sind einige Jahrhunderte vergangen, seit die Menschen dort gegraben haben. «Es ist anzunehmen, dass diese Anlage zwischen 700 und 800 nach Christus entstanden ist», sagt Jonas Glanzmann. Er beschäftigt sich in seiner Freizeit mit historischen Themen und ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern.

Warum vermutete er eine Burgstelle bei Konolfingen? «Im Emmental hat fast jedes Dorf seine Burg», beginnt der gebürtige Langnauer zu erzählen. «Nur in Konolfingen hatte es keine Burgstelle.» In der Literatur tauchte einzig die Vermutung auf, dass sich auf dem Hürnberg – allerdings auf der gegen Grosshöchstetten geneigten Seite – eine Burg befunden haben könnte. Dort fand Glanzmann aber nichts. Auf einer Karte ist ihm dann aber eine ebene Stelle mit einer runden Erhebung aufgefallen. «Vor Ort habe ich die Burgstelle dann sofort erkannt – so etwas erlebt man vielleicht einmal bei hundert Anläufen», berichtet Glanzmann.

 

Sehr, sehr einfacher Bau

Auf der rund 50 mal 35 Meter messenden Erhöhung stand keine massive Steinburg samt Zugbrücke und Burgfräulein. «Man muss sich das sehr, sehr einfach vorstellen. Damals wurden so genannte Motten gebaut. Diese wurden ausschliesslich aus Holz und Erde gebaut», erklärt Jonas Glanzmann. Am Rand der Erhöhung dürfte eine Palisade gestanden haben in der Mitte des Erdhügels das hölzerne Gebäude, das in vielen Fällen über mehrere Stöcke verfügte und den Bewohnern Schutz bot – vor Raubtieren wie auch vor raubenden Menschen. Solche Motten waren noch bis ins Jahr 1200 in Gebrauch und wurden dann von moderneren Bauten abgelöst. «Vieles aber wissen wir vom Leben der damaligen Leute nicht», sagt Glanzmann Die Leute, welche sich an dieser Stelle niederliessen, waren wahrscheinlich Alemannen, die von Norden herkommend immer mehr in die Schweiz vorgedrungen sind. Auf der Anhöhe bei Konolfingen, auf dem zu dieser Zeit noch keine mächtigen Tannen standen, sondern niedriges Buschwerk, fanden die Besiedler gute Lebensbedingungen: In unmittelbarer Nähe hatte es gutes Ackerland. «Auffallend ist weiter die gute Übersicht. Die Bewohner hatten Sichtverbingungen zu anderen Burgstellen wie Schwanden in Zäziwil, Alt-Hünigen in Niederhünigen oder Alt-Signau in Bowil», hat Glanzmann herausgefunden.
Wie lange die Befestigung genutzt wurde, ist unklar. Sicher ist, dass später dort keine neue Burg erstellt wurde.
Jonas Glanzmann wird seinem Forscherdrang weiter freien Lauf geben können. Denn vieles der mittelalterlichen Geschichte steckt noch im Dunkeln. Etwa die Frage, ob der ebenfalls bei Konolfingen gelegene Galgenhubel, welcher zu späteren Zeiten als Richtstätte genutzt wurde, einen Zusammenhang mit der nun entdeckten Befestigung hat. «Mich interessiert weiter auch die Frage, warum das Emmental gegen Osten hin derart befestigt war», meint Glanzmann. «Ich habe eine Vermutung. Bevor ich etwas dazu sage, muss ich aber noch weiter forschen.»Bruno Zürcher 
«Die frühe Geschichte Konolfingens erhellt sich ein Stück weit»
Armand Baeriswyl leitet im Archäologischen Dienst des Kantons Bern das Ressort «Archäologische Untersuchungen». Dort gibt es derzeit viel zu tun.

Herr Baeriswyl, hat Sie der Fund der Burgstelle in Konolfingen überrascht?

Ja und Nein. Der Fund kam überraschend, weil es keine schriftlichen Quellen gibt, die auf eine Befestigung an dieser Stelle hindeuten. Wenn man den Ort besichtigt, merkt man allerdings rasch, dass sich da eine Befestigung befunden hat. Dank der erhöhten Stellung und der steil abfallenden Flanken hat sich das Gelände sehr gut dafür geeignet.

Welche Bedeutung hat der Fund?

Das ist schwierig einzuschätzen. Für die Gemeinde Konolfingen ist der Fund dieser Burgstelle sicher wertvoll, da sich damit die frühe Geschichte Konolfingens ein Stück weit erhellt hat. Wir vom Archäologischen Dienst haben den Punkt nun in das Inventar eingetragen. Neue Burgstellen werden heute nur noch selten gefunden, wenn es auch besonders im Emmental viele Burgstellen gab.

Werden bei der neu entdeckten Burgstelle noch Grabungen durchgeführt?

Nein. Der Archäologische Dienst macht meist nur dort sogenannte Rettungsggrabungen, wo ein Bauvorhaben ansteht, welches die Fundstelle zerstört, was im Wald oberhalb von Konolfingen nicht der Fall ist. Derzeit laufen wegen des aktuellen Baubooms viele Ausgrabungen – meist an vier bis acht Orten gleichzeitig.  

Der Burghügel wurde mit dem vorhandenen Erdreich aufgeschüttet, die Behausung aus Holz gefertigt. Würde man bei einer Ausgrabung etwas finden?
Man könnte wohl Spuren der einstigen Besiedelung finden; beispielsweise Pfostenlöcher. Auf einen grossen «Schatz» wird man dort aber sicher nicht treffen.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass dort jetzt illegale Grabungen gemacht werden?
Diese Gefahr besteht immer. Ich möchte aber klar festhalten, dass es für Ausgrabungen eine Bewilligung braucht und dass Verstösse juristisch verfolgt werden.

Mit Jonas Glanzmann hat ein ehrenamtlicher Mitarbeiter diesen Fund gemacht. Auch er ist im Prinzip kein Profi.

Der Archäologische Dienst arbeitet seit einigen Jahren mit rund 20 Ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen. Sie werden von uns unterstützt, müssen sich aber an unsere Auflagen halten; beispielsweise müssen sie ihre Funde gemäss unserer Vorgaben dokumentieren und dürfen keine Grabungen machen.

Wenn der Archäologische Dienst auf Baustellen anrückt, sind nicht immer alle hoch erfreut.

In 80 Prozent der Fälle erledigen wir unsere Arbeit, bevor gebaut werden kann. Meistens sind wir sehr praktisch für den Bauherrn: Wir entsorgen im Vorfeld die Archäologie, und er kann hinterher ungestört bauen. Nur in seltenen Fällen müssen wir einen Baustopp verhängen.
Wir stellen überdies immer wieder fest, dass die breite Öffentlichkeit ein grosses Interesse an unserer Arbeit hat. Die «Tage der offenen Grabung» sind jeweils sehr gut besucht. 
28.08.2014 :: Bruno Zürcher
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