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Speicher(n)

Schon oft sind sie mir aufgefallen, wenn ich jeweils nach Hause oder zur Arbeit fahre. Meist sind sie dunkelgrau oder dunkelbraun, zum Teil fast schwarz. Sie stehen da, zu tausenden, irgendwie verloren, oft verkümmert, verlottert, vergessen und doch meist zuvorderst an prominenter Stelle: die Speicher.

Wenn sie Glück haben, werden sie noch mit Geranien geschmückt. Und wenn sie Pech haben, werden sie vielleicht den nächsten Winter nicht überleben und brechen zusammen. Sie fristen im Grunde ein trauriges Dasein. Wenns hochkommt, werden sie noch als Gerümpelkammer benutzt. Aber muss das sein? Sind sie dafür nicht einfach zu schade? Denn viele Speicher sind wahre Bijous. Aber was nützen sie uns, wenn wir sie nicht nutzen dürfen? Früher, klar, da hatten sie natürlich ihre Berechtigung. In ihnen wurden Korn, Käse, Wertsachen und anderes gespeichert. Aber heute? Für die Besitzer kosten sie meist nur viel Geld, weil sie dazu gezwungen werden, die Speicher zu erhalten. Sie müssen investieren, ohne dafür einen Gegenwert zu kriegen. Ich sage: das bringts nicht. Denn in diesen kleinen, hübschen, charmanten Gebäuden schlummert ein riesengros-ses Potenzial! 

Man sollte alle Speicher zu neuem Leben erwecken. Man könnte daraus hübsche Mini-Wohnungen machen. Oder kleine Ferien-Chalets. Oder warum nicht im Speicher ein kleines Lädeli betreiben? Ein Fondue-Stübli? In anderen Gebieten stellen sie extra solche kleinen Gebäude in die Landschaft, um den Tourismus anzukurbeln. Natürlich sind Anstrengungen für eine Umnutzung der Speicher bereits im Gange. Aber die Vorschriften sind einfach streng. Zu streng. Was nützt mir eine Ferienwohnung ohne Toilette? Wie soll ich den Speicher nutzen, wenn ich keine Fenster einbauen darf? Klar, die Speicher dürfen natürlich ihr Äusseres nicht verlieren. Aber ich bin überzeugt davon, dass es Möglichkeiten gibt, diese Bijous so umzubauen, dass sie ihren Charakter behalten. Zum Beispiel mit grossen Fensterflächen. Sowieso bin ich der Meinung, dass die Ausnützungsziffer für alte Gebäude ein alter Zopf ist. Jeder Quadratmeter sollte als Wohnfläche genutzt werden können. Wie sonst sollen denn kleine Dörfer auf dem Land noch wachsen? Mit der jetzigen Raumplanung und Verdichtung sind neue Bauten bei uns schwierig. Und in die Höhe können wir im Emmental auch nicht gross bauen. Im Moment sind uns wohl die Hände gebunden. Aber es kommt hoffentlich die Zeit, wo es sich auszahlt, dass all diese Speicher gespeichert wurden. 


13.04.2017 :: Michelle Renaud
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