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Seit 20 Jahren gibts das betreute Wohnen
Seit 20 Jahren gibts das betreute Wohnen Eggiwil:

An der Mitgliederversammlung der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG) stand das 20-Jahr-Jubiläum von «Betreutes Wohnen in Familien» im Zentrum. 

 

Gut 160 Mitglieder und Gäste nahmen in Eggiwil an der 258. Mitgliederversammlung der OGG Bern teil. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, pries in Zusammenhang mit dem Angebot «Betreutes Wohnen in Familien» die stabilen Strukturen auf den Bauernhöfen, die leider heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr seien: «Das gemeinsame Essen, das mit­einander Reden, die Nestwärme, dies alles tut den Betreuten gut.» Ausserdem könnten sie im «schönsten Beruf der Welt» vom Kontakt zur Natur und zu den Tieren profitieren: «Sie übernehmen dabei Verantwortung und machen Erfolgserlebnissen.» ­Voraussetzung sei, dass die Gastfamilie genügend Zeit zur Verfügung habe und auch geeignet sei: «Lebenserfahrung ist wichtig, aber auch Nähe und Struktur bieten und dabei Rückzugsmöglichkeiten nicht ausser Acht lassen.» Wie das funktionieren kann, zeigt der untenstehende Artikel über die Familie Wüthrich und Marc.

Vom Projekt zum Nischenangebot

Nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit startete im April 1998 das Projekt «Betreutes Wohnen in Familien». Zu Beginn waren es vor allem ältere Menschen, die auf Betreuung angewiesen waren. Der Kanton Bern unterstützte das betreute Wohnen im Lauf der Jahre im Rahmen eines Leistungsvertrags. Da sich aber die Zielgruppe änderte und auch jüngere Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen aufgenommen wurden, passte das nicht mehr ins Altersleitbild. Heute wird das betreute Wohnen durch die Tagestarife der Gäste und durch die OGG finanziert. 

Simon Bichsel, Präsident der OGG, betonte, dass das Angebot in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standbein der OGG geworden sei. «2017 konnten auf rund 150 Bauernhöfen 33’000 Betreuungstage ermöglicht werden.» Als Alternative zu einem Heimplatz habe sich hier ein wichtiges Nischenangebot entwickelt, das nicht zuletzt auch dem Austausch zwischen Stadt und Land diene. Simon Bichsel äusserte an der Versammlung in Eggiwil weiter seine Bedenken, dass mit dem neuen Finanzierungsmodell im Kanton Bern «die kleinen Organisationen vergessen werden.» 

Selbstbestimmung stärken

Pierre Alain Schnegg, Vorsteher der bernischen Gesundheits- und Fürsorgedirektion, teilte diese Angst nicht: «Auch kleine Institutionen haben ihre Berechtigung.» Mit dem neuen Finanzierungsmodell werde die Selbstbestimmung der betreuten Personen aber stärker gewichtet. «Sie sollen in einem bestimmten Rahmen selber entscheiden können, wo sie wohnen und wer sie betreut.» Das sei eine grosse Herausforderung, weil jede Behinderung individuell sei. «Je nachdem muss der persönliche Betreuungsbedarf abgeklärt und finanziell aufgeschlüsselt werden.» Regierungsrat Schnegg sieht gute Wachstumschancen für Privatbetreuungen, da viele Menschen von den dort vermittelten Werten und Strukturen profitieren könnten. 

Markus Ritter seinerseits ergänzte, dass die Landwirtschaft der Gesellschaft viel geben könne. «Gastfamilien müssen allerdings auch fachlich begleitet werden.» Weiterbildungsmöglichkeiten und eine korrekte Entschädigung seien unabdingbar. «Das Potenzial ist vorhanden, wir müssen uns aber schweizweit besser vernetzen», betonte er.

 

Die Rechnung 2017 der OGG schloss mit einem Plus von 90’000 Franken, budgetiert war ein Minus von 289’000 Franken. 

12.04.2018 :: Kathrin Schneider
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