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Seine Kreativität ausleben – mit Fäustel, Meissel und schweren Armen
Seine Kreativität ausleben – mit Fäustel, Meissel und schweren Armen Schüpbach: Im einwöchigen Bildhauer-Workshop von Lilian Zürcher gestalten die Teilnehmer ein eigenes Kunstwerk. Einblick in ein faszinierendes Handwerk und Muskelkater sind garantiert.
Es ist der vierte Tag des Bildhauer-Workshops im Emmental. Die individuellen Kunstwerke sind noch nicht fertig, dennoch offenbart jeder Stein schon seine spätere Form. Die Stimmung ist entspannt und freudig. Die Arme schon etwas schwer. Beständiges Klopfen hallt bei schönstem Wetter durch den Garten.

Laien brauchen länger

Eine Woche lang formen und gestalten die Kursbesucher einen Sandstein nach ihrer Idee. Sie lassen sich auf die Erfahrung ein, ein traditionelles Handwerk in seinen Grundzügen kennenzulernen. Lilian Zürcher schätzt die Begegnungen in der Kurswoche. Die Teilnehmer gehen als Laien neu auf den Stein zu. Sie kommen mit einer grossen Schaffenskraft, die von ihr, der Steinbildhauerin, gesteuert werden will. Daraus kann sie später auch wieder Inspirationen für ihre eigene Arbeit ziehen. Was ist innerhalb einer Woche umsetzbar? Das ist eine wichtige Frage, die vor Kursbeginn an einem Informationsabend abgeklärt wird. Die Hobbysteinhauer brauchen erfahrungsgemäss knapp dreimal länger für eine Skulptur als sie selber. Deshalb ist die Grösse begrenzt. Der Stein sollte von zwei Menschen bewegt werden können, ist hier die Faustregel. Berner Sandstein ist die richtige Wahl für den Anfang. Er ist ein «Weichgestein» und relativ leicht mit Steinbildhauerwerkzeugen zu bearbeiten. Nur ein Teilnehmer, Alan Marshall aus Langnau, hat sich für sein Vogelbad einen härteren Kalkstein ausgesucht. Mit ein wenig Maschinenhilfe ist auch sein Werk am vierten Tag schon klar erkennbar. «Ich bin nicht künstlerisch veranlagt», erzählt er. Er ist eher der an Geologie interessierte Wissenschaftler, der sich für die Gesteinsschichten seines Werkes begeistert. Die Vögel in seinem Garten werden dennoch künftig Freude an ihrem neuen Pool haben.

Die Muschel im Holzstapel

Für Lilian Zürcher ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich ihre Teilnehmer an ihre Werke herangehen. Da ist Roland Müller, der Architekt, der von Berufswegen schon eine ausgeprägte räumliche Vorstellungskraft mitbringt. Für ihn ist die Woche hier eine Auszeit vom kopflastigen Alltag. Einfach mal mit den Händen etwas schaffen können, ist seine Motivation. Soviel Zeit würde er sich zu Hause nie für sich nehmen. Die Yogalehrerin Hanna Siegenthaler fällt der Steinbildhauerin durch ihre ruhige und gleichmässige Arbeit auf. Eine Jakobsmuschel entsteht unter ihren Händen. Die Inspiration dazu fand sie direkt an ihrem Bildhauerarbeitsplatz. Die Kinder von Lilian Zürcher hatten die Muschel beim Spielen im Holzstapel liegen lassen. Hanna Siegenthaler sah sie und wusste – das ist mein Motiv.

Jeder Schritt ist wichtig
Marlies Würsten aus dem Oberland ist als einzige Teilnehmerin schon zum zweiten Mal bei Lilian Zürcher im Kurs. Sie arbeitet auch gelegentlich daheim bildhauerisch, doch der Spass in der Gruppe schöpferisch tätig zu sein, hat sie wieder nach Schüpbach gezogen. Barbara Leuenberger, die Fünfte in der Runde, hat sich mit der Schöpfung eines «Oloid» einer grossen Herausforderung gestellt. Der Körper wurde erst vor 80 Jahren vom Künstler Paul Schatz entdeckt. Es ist das Abbild zweier gleichgrosser, rotierender Kreise, die ineinander verschränkt sind. Für Barbara Leuenberger sind die Steine grosse Lehrmeister. «Man kann keinen Arbeitsschritt auslassen. Das sieht man am Schluss», erklärt sie. Auch am guten Gehör der Kurs­leiterin könne man sich nicht vorbeimogeln. «Sie hört es schon am Klopfen, ob wir das richtige Werkzeug haben oder ob etwas funktioniert», berichten die Teilnehmer und lachen. Sie sind voll des Lobes über ihre gute und auch strenge Lehrmeisterin, die ihnen immer mit Rat zur Seite steht. Beste Vorraussetzungen für eine schöpferische Zeit, an die sich die Teilnehmer gerne erinnern werden. 
14.07.2016 :: Stephanie Schmid
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