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Schliessungen von Landgasthöfen sind Tatsache und haben viele Gründe
Schliessungen von Landgasthöfen sind Tatsache und haben viele Gründe Trubschachen: Die Mitglieder von Gastro Bern trafen sich in Trubschachen zum Tag des ­bernischen Gastgewerbes. Die Schliessung von Landgasthöfen stand dabei im Zentrum. 









Konrad Gerster ist Geschäftsführer der Sektion Emmental-Oberaargau von Gastro Bern. Er ist auch als Fachlehrer und Berater tätig. 

Herr Gerster, wie viele Landgasthöfe wurden in letzter Zeit für immer geschlossen? 

Detaillierte Zahlen haben wir nicht. Wenn man sich aber im Emmental umschaut, merkt man sofort, dass einige traditionelle Gaststätten verschwunden sind. Ein Indiz ist auch die leicht sinkende Mitgliederzahl; diese liegt bei der Sektion Emmental-Oberaargau aktuell bei 375. 

 

Gehören auch Fast-Food-Anbieter oder «Döner-Buden» dazu? 

Nur ganz wenige. Der Grossteil unserer Mitglieder gehört zum angestammten Gastgewerbe. Das sind traditionelle Gasthöfe aber auch viele Pizzerien und Verpflegungsbetriebe in Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbädern oder Sporthallen. 

 

Machen vor allem die kleinen Anbieter den traditionellen Landgasthöfen das Leben schwer?

Da findet sicher ein Verdrängungskampf statt. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die den Strukturwandel im Gastgewerbe beschleunigen. 

 

Die da wären? 

Die Verpflegungsbedürfnisse der Gäste haben sich verändert. Man geht nicht mehr regelmässig in den Ausgang, um zu essen. Man will mehr erleben, vor allem was die Kultur anbelangt. Das ist mit ein Grund, weshalb Gaststätten in der Stadt gut laufen. In ihrer unmittelbarer Nähe bestehen weitere Angebote wie Kino oder Konzerte. 

 

Ein Landgasthof muss also mehr ­bieten als «nur» Speis und Trank. 

Für das Gastgewerbe ist das aber alles andere als einfach. Events sind ein ganz anderes Feld, was oft auch sehr grosse Investitionen bedingt. Es nützt nichts, wenn man in einem behelfsmäs-sigen Kino einen Film zeigt, der andernorts schon Wochen früher gelaufen ist. Kulturangebote bedürfen vorab einer vorhandenen Infrastruktur im Gemeinwesen, und dies ist nur in grossen Gemeinden und Städten zu finden.

 

Bleibt im Gastgewerbe überhaupt ­genügend Geld für Innovationen? 

Oftmals nicht. Fehlende Abschreibungen und mangelhafte Altersvorsorge sind bei vielen Betrieben ein Problem. Dies ist zum Teil hausgemacht. Aus Konkurrenzgründen bieten wir Mittagsmenüs für unter 20 Franken an – in vielen Fällen rechnet sich das nicht.

 

Und irgendwann ist die Schliessung unausweichlich.

Jeder Betreiber muss sich fragen: «Ist mein Angebot noch gefragt und sichert der Gewinn das langfristige Überleben?» Eine Schliessung ist für den einzelnen schmerzhaft, das ist ganz klar. Aber der Strukturwandel ist Realität. Schauen Sie mal, wie viele Küffer es im Emmental einst gab und wie viele heute noch existieren. 

 

Gibt es auch positive Meldungen von Landgasthöfen? 

Durchaus. Der traditionelle Emmentaler Landgasthof ist eine Nische, die nach wie vor sehr vielen Gästen zusagt. Viele Wirte setzen erfolgreich auf Frischprodukte und Regionalität – das wird geschätzt. 

300 Gastronomen speisten in der Mehrzweckhalle

Der Tag des bernischen Gastgewerbes, zugleich die Delegiertenversammlung von Gastro Bern, zog rund 300 Besucherinnen und Besucher an. Da in keiner Gaststätte in Trubschachen eine solch grosse Schar verpflegt werden kann, fand der Anlass am Dienstag in der Mehrzweckhalle statt. 

Während der Versammlung wurde unter anderem gefordert, dass die Betreiber von Gaststätten besser zusammenarbeiten sollen, statt sich zu bekämpfen. In Trubschachen scheint dies zu klappen: Für die Gastronomie zeichnete der Gasthof Bären unter Leitung von Urs Mäder verantwortlich, unterstützt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gasthofs Hirschen. Mäder ist Präsident der Sektion Emmental-Oberaargau von Gastro Bern. Die Präsidentin des Kantonalverbandes, Eveline Neeracher, wies einleitend auf verschiedene Schwierigkeiten hin, mit der sich die Gastroszene konfrontiert sehe (siehe auch Artikel rechts). Unter anderem werde die bisherige Wirteprüfung abgeschafft. Wer einen Gastrobetrieb führen wolle, werde künftig nicht mehr umfassend, sondern nur noch in einzelnen Bereichen geprüft. «Aber immerhin müssen dann alle diese Prüfung ablegen, auch die 30-Plätzer», meinte Neeracher. Kleine Betriebe mit bis zu 30 Plätzen gebe es im Kanton Bern nicht weniger als 2000. Weitere Herausforderungen seien Themen wie Foodwaist, Mehrweggeschirr für Grossanlässe oder die stetig wachsende Bürokratie. 

 

17.05.2018 :: Bruno Zürcher
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