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Ritterschlag für die Langnauer Keramik nach drei Jahren Forschung
Ritterschlag für die Langnauer  Keramik nach drei Jahren Forschung Langnau:

Das Keramikbuch von Andreas Heege und Andreas Kistler überzeugt. Es erforscht die Keramik, bringt neue Fakten an den Tag und vereint das verstreute Kachelgeschirr. 



Nach über drei Jahren Forschung ist das zweibändige Werk über die Langnauer Keramik herausgekommen. Neben vielen Einheimischen strömten auch zahlreiche Keramikfreunde und Sammler letzte Woche an die Vernissage. Mit Freude folgten sie der Einführung von Andreas Heege, Autor des Werks und glänzender Redner. Das Kommunikationstalent des Wissenschaftlers hat sich auch in seinem Grundlagenwerk niedergeschlagen. Dank der vielen Bilder, die den Text erhellen, ist das Werk auch für Laien verständlich. 

Die Hafner von Langnau 

Eine Dynastie von Töpfern hat die Langnauer Keramik begründet, geprägt und weiterentwickelt. Andreas Kistler, Co-Autor des Buchs, hat alle Daten der Familie Herrmann gesammelt und einen Stammbaum der neun Generationen erstellt, die von 1675 bis Anfang des 20. Jahrhunderts Töpfer in Langnau waren. Stammvater war Hans Herrmann (1673-1762). Er begann mit dem typischen Langnauer Dekor und malte mit grüner, roter und braunschwarzer Farbe die Umrisse von Blumen und Tieren auf hellem Grund. Vier seiner Söhne wurden auch Hafner und entwickelten den Stil mit ihren Kindern und Kindeskindern weiter. 

Die erste Werkstatt befand sich «Im Gräbli», (heute Sonnweg 15, unterhalb Hinterdorfschulhaus). Eine zweite entstand am Höheweg 1, wo sich Daniel Herrmann (1736-1798), der Enkel des Stammvaters, niederliess. Unter seinen Händen entstand die schönste Keramik, so dass man ihn als Picasso unter den Langnauer Hafnern bezeichnen darf. Mit den eleganten Gipsformen und Model aus der Frisching’schen Fayencemanufaktur in Bern, der er als Direktor vorstand, setzte er neue Massstäbe. Sein Bruder Hans Herrmann (1737-1787) gründete am Sonnweg 1 die dritte wichtige Werkstatt.

Nicht die Frauen bemalten das Geschirr, sondern die Männer. Das Absatzgebiet war klein und beschränkte sich auf die Region. Die Hafner gehörten nicht zu den Grossverdienern.  

Detektivarbeit 

Da die Hafner normalerweise ihr Geschirr nicht signierten, war nicht von vornherein klar, von wem die Keramik stammte. Gestützt auf die neu erarbeiteten Grundlagen und ausgestattet mit einem Detektivgespür gelang es dem Archäologen Andreas Heege, die meisten Stücke ihrem jeweiligen Schöpfer zuzuordnen. Charakteristische Handschriften und Dekors, Jahrzahlen, signierte Model halfen ihm dabei.  

Die erste der fünf legendären Langnauer Hochzeitsschüsseln hielt für den Keramikforscher wichtige Informationen bereit. Die Initialen und der Jahrgang im Innern der Schüssel belegten, dass Daniel Herrmann die Schüssel für sich und seine Frau 1794 herstellte. Der Töpfer verzierte den Deckel mit Granatäpfeln, Birnen und Äpfeln. Die gemodelten Früchte tauchten nicht zum ersten Mal auf, sondern traten bereits auf früheren Terrinen auf. Sie legten nahe, dass auch sie zu den Werken von Daniel Herrmann gehörten.  

Eine andere sensationelle Entdeckung machte Heege im Zusammenhang mit den archäologischen Grabungen im Herbst 2014 am Sonnweg 1. Ein ausgegrabener Scherben mit der Zahl sechs blieb dem Archäologen lange ein Rätsel, bis er in einem der vielen Museen auf eine Langnauer Kugelsonnenuhr stiess. Jetzt wusste er, zu welchem Gegenstand der Scherben gehörte und dass am Sonnweg 1 Kugelsonnenuhren aus Ton gebaut wurden.    

Blühende Formenvielfalt 

Neben einer Fülle an Fakten und Details wartet das Buch mit vielen Bildern auf. Besonders schön anzuschauen sind die beiden Kapitel «Bilder und Sprüche» und «Kachelöfen aus Langnau». Viel Bildmaterial hält schliesslich Band 2 bereit, der die blühende Formenvielfalt der Langnauer Keramik vor Augen führt. Der Band zeigt uner anderem 13 Butterfasstypen, illustriert 334 Terrinen und bildet 287 Dosen ab. Die Bilder, begleitet von knappen und präzisen Erklärungen, schärfen den Blick für die Schönheiten der Langnauer Keramik.   

Das Regionalmuseum Langnau, das eine der bedeutendsten Keramiksammlungen besitzt, hat seine Ausstellung bereits angepasst. Die Keramik im ersten Stock präsentiert sich in neuem Licht. In einer Vitrine kann man die allerersten Keramikstücke aus der Hand des Stammvaters studieren, in einer anderen die charakteristischen Dekors von Sonnweg 1. Dem Picasso und seinen Söhnen schliesslich ist ein ganzer Raum gewidmet.

 

Im Regionalmuseum «Chüechlihus» und auf der Gemeindeverwaltung Langnau kann man das zweibändige Werk inklusive DVD bis zum 28. Februar zum Preis von 49.50 Franken beziehen. Nachher kostet es 78.00 Franken.


28.09.2017 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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