Anmelden
Präzision auf zwei Achsen
Präzision auf zwei Achsen Emmental:

Fit sein für die militärische Fahrpraxis: Dieses Ziel verfolgt die 75-jährige Gesellschaft der Militärmotorfahrer Emmental. Am Samstag führte sie ihren 40. Olrad Gymkhana durch.



«Chumm no e Santimeter!», leitet der Pos-tenchef den Fahrer im Puch an. Am Steuer sitzt Hansueli Baumgartner aus Trub. Mit seinen 72 Jahren ist er der älteste Teilnehmer des Jubiläums-Olrad. Männer jeden Alters (ab Militärdienstpflichtalter) sind am Start. «Bei uns dürfen alle Mitglieder, die über eine militärische Fahrberechtigung verfügen, an diesem Geschicklichkeitsparcours teilnehmen», sagt Hanspeter Niffenegger aus Schafhausen. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied und Mitorganisator des Olrad-Gymkhana. Dass sowohl verdiente als auch junge Motorfahrer mitmachen würden, sei eine Bereicherung für den Verein. «Wir sind aber kein Veteranen- oder Plauschverein; unsere Hauptaufgabe ist die Aus- und Weiterbildung der Militärmotorfahrer», hält Niffenegger fest. 

Der Begriff Olrad geht auf die Gründungsjahre dieses Geschicklichkeitsparcours zurück. Damals erhielten die Militärmotorfahrer für ihre ausserdienstlichen Aktivitäten kein Benzin. So bestand ihr erster Gymkhana – damals hiess er noch nicht so – aus einem OL und verschiedenen Disziplinen auf dem Militärvelo. Den Namen hat der Anlass beibehalten, den Posten mit dem Velo auch. Die anderen Hindernisse werden jetzt aber mit Armeefahrzeugen absolviert. 

Mehr als nur die Grundausbildung

«Ausserdienstliche Aus- und Weiterbildung ist noch heute eine wichtige Aufgabe», sagt Hanspeter Niffenegger. Im Militärdienst würden die Motorfahrer die grundlegende Ausbildung erhalten, die Vertrautheit mit dem Fahrzeug wachse dann an den ausserdienstlichen Weiterbildungen und Wettkämpfen. Sind die Motorfahrer heute noch bereit, sich nebst dem obligatorischen Militärdienst für die Armee zu engagieren? Dazu Hans-peter Niffenegger: «Als die Motorfahrer Emmental vor 75 Jahren gegründet wurden, war Krieg. Da war die Bereitschaft zur ausserdienstlichen Aus- und Weiterbildung sehr gross.» Dem schweizerischen Verband hätten in den besten Jahren 6000 Mitglieder angehört, jetzt seien es noch 2000. Im Emmental sei der Rückgang weniger drastisch verlaufen, in den letzten zehn Jahren hätten sie den Bestand gar halten können. 

Fachwissen wichtiger als militärischer Grad 

Dass ausgerechnet der Emmentaler Verein nicht mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat, führt Hanspeter Niffenegger unter anderem darauf zurück, dass bei ihnen kein militärisches Hierarchiedenken herrsche. «Es ist schon lange her, dass ein Offizier unseren Verein präsidierte», veranschaulicht er. Zudem stelle er fest, dass die heutigen Fahrer wieder vermehrt den Sicherheitsgedanken hochhalten würden und ihre Fahrzeuge genau kennen wollten. Ein weiterer Grund sei, dass sie vordienstliche Ausbildung – analog dem Jungschützenkurs – anbieten würden. «Wer diesen Kurs besucht, hat gute Karten, bei den Motorfahrern eingeteilt zu werden.» Viele dieser Kursabsolventen würden später dem Verein treu bleiben.

Wenn die Armee zuwenig Fahrer hat 

Eine wichtige Aufgabe der Vereinsmitglieder besteht darin, bei besonderen Anlässen die Armee zu unterstützen – Transportpool nennt sich diese Einrichtung. So stehen beispielsweise beim Lauberhornrennen, beim Eidgenössischen Jodlerfest oder auch bei Schadenereignissen, bei welchen die Armee aufgeboten ist, freiwillige Motorfahrer im Einsatz. 

Hansueli Baumgartner fährt – wie angewiesen – noch einen Zentimeter, und die befahrene Rampe wippt im Gleichgewicht. Dieses Hindernis hat er ohne grössere Probleme geschafft! Das nächste wird nicht einfacher sein. 



15.06.2017 :: Jakob Hofstetter
Meistgelesene Artikel
Vor der Sommerpause der Motorraad-Weltmeisterschaft kassierte Thomas Lüthi beim Deutschland-GP...
«Gutes tun, Gutes tun, ist gar nicht schwer. Man kann so viel Gutes tun, zu Hause und im...
Nennen wir sie Eva. «Schreib doch darüber», hat mich Eva aufgefordert. Ihr...
Zullererst möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen! Mir ist nämlich vor dem Schreiben...
Im Jahr 1528, wo d Reformation im Kanton Bärn ändgültig isch ygfüert worde, het...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr