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Neustart der «Steingrube» ist geglückt
Neustart der «Steingrube» ist geglückt Oberburg:

Seit 100 Tagen wirtet Daniel Rüegsegger in der «Steingrube». Als die Wirtschaft geschlossen wurde, starteten Bewohner eine Rettungsaktion. 452 Personen zeichneten Aktien.

Der Wirt Daniel Rüegsegger ist mit dem Start in der Wirtschaft Steingrube zufrieden. «Es läuft sogar besser, als gedacht. Eigentlich wollte ich mit zwei Festangestellten beginnen, nun sind es deren fünf.» Dass der Gasthof Aktionären gehört, die meisten aus der Gemeinde Oberburg, wirke sich positiv auf den Betrieb aus, hat Rüegsegger die Erfahrung gemacht. «Es ist ja auch ihre ‹Beiz›; die Leute identifizieren sich mit ihr und ihnen liegt viel daran, dass sie gut läuft.» 

Tatsächlich ist die jüngste Geschichte  der «Steingrube» eine ungewöhnliche. Im Juni 2017 wurde sie geschlossen, nachdem die langjährige Wirtin in den Ruhestand trat. «Der Besitzer der Liegenschaft sagte, dass er Wohnungen einbauen werde, nachdem er keinen Käufer für den Gasthof finden konnte», sagt Urs Krähenbühl. Er trat auf den Plan, als sich dies abzeichnete. Dass die Wirtschaft definitiv geschlossen werden sollte, wollte Krähenbühl, der gleich nebenan wohnt, nicht hinnehmen. Die «Steingrube» habe in Oberburg eine spezielle Position, erklärt er. «Sie verbindet die Aussenbezirke mit dem Dorf und ist für viele Vereine ein wichtiges Lokal.» 

Finanz- und Muskelkraft

Schnell fand Krähenbühl Gleichgesinnte und gründete ein siebenköpfiges Kernteam. Weitere Unterstützer kamen dazu, und am 30. Mai 2017 fand ein Orientierungsabend statt. 130 bis 150 Personen liessen sich über die geplante Steingrube AG informieren. «Damit wir genügend Kapital zusammenbringen konnten, beschlossen wir, Aktien im Wert von 500 Franken an die unter 22-Jährigen sowie von 1000 Franken an die älteren auszugeben», erklärt Urs Krähenbühl das Vorgehen. Es gelang, das angestrebte Aktienkapital von 610’000 Franken zu erreichen, insgesamt 452 Personen zeichneten Papiere. Auf den 1. März 2018 ging die Liegenschaft für 850’000 Franken in den Besitz der Steingrube AG über. Doch damit fing die Arbeit erst an. Mit Hilfe der Aktionärinnen und Aktionäre und weiterer Freiwilligen wurde einiges instand gestellt, geputzt, geräumt und im Gewölbekeller ein Apéroraum eingerichtet. Für gewisse Arbeiten wie das Ersetzen der Heizung, das Malen und Schreinerarbeiten wurden Profis beigezogen. «Insgesamt kostete die Sanierung 100’000 Franken», sagt der Initiant und Verwaltungsratspräsident. «Das Gebäude war in einem guten Zustand, da es nach einem Brand Ende 1999 renoviert worden war.» Als grösste Herausforderung stellte sich die Suche nach einem Wirt heraus. Es sei ein Glücksfall gewesen, dass Daniel Rüegsegger von der «Steingrube» erfahren habe, sagt Urs Krähenbühl.

Lange gesucht und gefunden  

Das Ehepaar Rüegsegger wirtete zuvor zwölf Jahre lang im Gasthof Rosegg in Bumbach. «Da sich meine Frau aus der Gastronomie zurückziehen wollte, suchte ich einen geeigneten Betrieb, den ich alleine führen kann», erklärt Daniel Rüegsegger. Er habe verschiedene Objekte besichtigt, jedoch nie das passende gefunden. «Alte ‹Beizen› zu einem günstigen Preis gibt es viele, aber sie sind in Sachen Investitionen ein Fass ohne Boden.» Als er sich die «Steingrube» angesehen hat, war er sofort vom guten Zustand überzeugt. So zog er zusammen mit seiner Familie nach Oberburg.

Am 2. Juni feierte Daniel Rüegs-egger Eröffnung. Er biete das an, was er am besten könne, nämlich eine -gutbürgerliche Küche. «Suure -Mocke» und Rindszunge stehen ebenso auf der Speisekarte wie Pilzgerichte oder Urdinkel-Pasta sowie saisonale Spezialitäten wie Wild. Im Winterhalbjahr sind einmal im Monat Anlässe mit «bodeständiger Choscht» – sowohl kulinarisch als auch kulturell – geplant.

Bis und mit Samstag ist die «Steingrube» an der Krauchthalstrasse ferienhalber geschlossen. Ruhetage sind Dienstag und Mittwoch.

 

Der «Steingrüebler»

Eine spezielle Einrichtung ist der «Steingrüebler». Die Münze hat einen Wert von fünf Franken und wird den Aktionärinnen und Aktionären als Dividende ausbezahlt. Sie kann aber auch in der Wirtschaft «Steingrube» bezogen werden. Er habe schon für 5000 Franken «Steingrüebler» verkauft, sagt Wirt Daniel Rüegsegger. Das Geldstück kann ausschliesslich in der «Steingrube» eingelöst werden.

13.09.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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