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Mit Stechhandschuhen und scharfen Messern
Mit Stechhandschuhen und scharfen Messern Langnau:

Mit Stechschürzen und Messern anstatt in Eishockeymontur ging es in der Ilfishalle zur Sache: 220 Metzger kämpften um den Schweizermeistertitel im Ausbeinen.



Die Ilfishalle war am vergangenen Samstag erstmals Austragungsort der Schweizermeisterschaft im Ausbeinen. Über Nacht verwandelte sich das Eisfeld in eine Metzgerei. Auf der Ersatzbank warteten jeweils die nächsten der Kategorien Metzger, Akkordmitarbeiter, Lernende, Altmeister und Büro-Metzger auf ihren Einsatz. Die Stechhandschuhe und Stechschürzen erinnerten an die Ritterzeit. Ganz und gar nicht nach Mittelalter sahen der moderne Händewasch- und Desinfektionsapparat am Rande des Spielfeldes sowie die Einwegkopfbedeckungen und -schürzen aus. Im Messerkorb brachten die Metzger ihre eigenen Schneidewerkzeuge mit: Bis maximal vier Stück waren erlaubt. Mit einer Prüflehre kontrollierte die Jury vorgängig jedes Messer. Zu schmale Klingen könnten durch die Stechhandschuhe hindurch zu Verletzungen führen. 

Schnell und sauber

Drei Schweineschultern mit Wädli mussten am Vormittag unter Zeitdruck ausgebeint werden. Wer Schweizermeister werden wollte, löste den Knochen blitzschnell, sauber und ohne Fleischrückstände und liess im Muskelfleisch weder Einschnitte noch Knorpel zurück. Keine zwei Minuten benötigten die Schnellsten, um eine Schulter auszubeinen. Fehler wurden mit einem Zeitzuschlag bestraft. Auf den Zuschauerrängen sassen die lautstarken Fans und feuerten ihre Metzger zu Bestleistungen an. 16 pro Kategorie traten am Nachmittag im Cup-System gegeneinander an. Die rund 1200 ausgebeinten Schweineschultern werden später zu Vorderschinken weiterverarbeitet.  

Zwei Fehler zuviel

Ueli Mathys von der Metzgerei Schlüchter AG in Dürrenroth ist seit 15 Jahren bei jeder Schweizermeisterschaft mit dabei. Siebenmal konnte er in der Kategorie Metzger bereits gewinnen, dreimal gesellte sich ein zweiter Rang dazu. Er sei bereits die ganze Woche etwas kribbelig gewesen. Seit Ostern habe er auf den Wettkampf hin trainiert: Jede Woche habe er drei Schweineschultern ausgebeint und dabei die Zeit gestoppt. «Ich versuche, eine gute Mischung zwischen Tempo und sauberer Arbeit zu finden», erklärte er. Auch dieses Jahr schaffte es Ueli Mathys wieder bis in den Final. Dort unterlag er schliesslich knapp gegen Fernandes Celso, der für die Micarna SA an den Start gegangen war. Mit dem Wettkampf sei er im Grossen und Ganzen zufrieden, sagte Mathys. «Natürlich hätte ich den Final gerne gewonnen, schlussendlich habe ich aber zwei Fehler mehr gemacht als mein Konkurrent und deshalb 20 Strafsekunden erhalten.» Nun werde er das Ausbeinen für eine Weile den Lehrlingen überlassen und gegen Ostern das Training wieder aufnehmen, erklärte er.

Frauen in der Minderheit

An einer Hand waren die teilnehmenden Metzgerinnen abzuzählen. Rebecca Glor, die mit einer Stoppuhr an Tisch 20 als Jurymitglied amtete, erklärte es so: «Ausbeinen gehört nicht gerade zu meinen Paradedisziplinen.» Sie schneide das Fleisch lieber zu und veredle es, sagte sie. 

Der Anlass in der Ilfishalle wurde vom OK des Vereins Freunde der Metzgerschaft und dem Eventmanagement der Ilfishalle organisiert. Die Schweizermeisterschaft wurde auch in diesem Jahr von rund 1000 Besucherinnen und Besuchern zum Branchentreffen genutzt.

 

Film zum Anlass: www.wochen-zeitung.ch

Rangliste: www.verein-fdm.ch


24.08.2017 :: Sandra Joder
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