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Mit gestärktem Selbstvertrauen in die politische Arbeit einsteigen
Mit gestärktem Selbstvertrauen in die politische Arbeit einsteigen Emmental:

Vielerorts stehen Gemeindewahlen an. Die Gremien sind fest in Männerhand. Frauen entscheiden sich oft gegen eine Kandidatur. Was sind die Gründe und wie liesse sich das ändern?

Zum dritten Mal trafen sich letzte Woche die Gemeinderätinnen des Verwaltungskreises Emmental. Dabei gehe es jeweils darum, einander kennenzulernen und ein Netzwerk aufzubauen, sagt Renate Krayenbühl, Vizepräsidentin der Gemeinde Trachselwald und Mitorganisatorin. «In vielen Gemeinderäten sitzt nur eine Frau, die sich zuweilen etwas einsam fühlt. Da tut es gut, sich mit Amtskolleginnen auszutauschen.» Wenn sich die Frauen untereinander kennenlernten, würden sie einander auch eher um Rat fragen, hat Kathrin Scheidegger die Erfahrung gemacht. Sie ist Gemeindepräsidentin von Trachselwald und hilft ebenfalls bei der Organisation des Treffens mit. 

Bedürfnisse der Frauen erkennen

Die Gemeinde Trachselwald ist punkto Frauenvertretung eine Ausnahme (siehe Kasten). Im fünfköpfigen Gemeinderat sitzen derzeit vier Frauen. Das habe sich so ergeben, sagt Kathrin Scheidegger, ohne dass bewusst nur Frauen angefragt worden seien. Sie kann sich vorstellen, dass es eine motivierende Wirkung hat, wenn bereits mehrere Gemeinderätinnen im Amt sind. Vielerorts stellt sich aber das Problem, dass sich Frauen erst gar nicht zu einer Kandidatur bereit erklären. So wollten die Freien Wähler Lützelflüh mit einer reinen Frauenliste zu den Gemeinderatswahlen antreten. Von 30 Frauen sagten nur zwei zu. Oft gehörte Begründung: «zu wenig Zeit» und «das kann ich nicht». 

Solche Argumente kennt Simone Curau-Aepli zur Genüge. Sie ist Vizepräsidentin der eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF). Es brauche Veränderungen in den Strukturen, sagt sie. Diese seien bis 1971, der Einführung des Frauenstimmrechts, ohne die Frauen gewachsen. Auch danach habe niemand nach deren Bedürfnissen gefragt. «Wenn Sitzungen am schulfreien Mittwochnachmittag oder abends um 17 oder 18 Uhr stattfinden, ist das für Mütter ein grosses Hindernis», nennt sie ein Beispiel. Vielen Frauen bleibe nebst Familie, Haushalt und beruflicher Tätigkeit zudem schlicht keine Zeit für ein politisches Amt. «Die Frauen dürfen zwar seit 50 Jahren mitwirken in der Politik, aber noch immer sind sie mehrheitlich für die Hausarbeit und die Betreuung der Kinder verantwortlich.» Es liege an den Männern, die Frauen bei der Familienarbeit zu entlasten, aber auch an den Frauen, Verantwortung abzugeben.

Lernen, die Meinung zu vertreten

Ein weiteres Hindernis für Frauen, in der Politik Fuss zu fassen, sei die herrschende Gesprächskultur, sagt Simone Curau-Aepli. Meist seien Männer die Wortführer, etwa an einer Gemeindeversammlung. «Frauen brauchen mehr Zeit, bis sie etwas sagen. Sie haben oft den Anspruch, sich der Sache ganz sicher zu sein.» Sich in der Öffentlichkeit zu exponieren, benötige Überwindung, stellt Simone Curau-Aepli fest. Es brauche deshalb Übungsfelder, damit Frauen lernten, ihre Meinung zu vertreten. Beispielsweise könne ein Gemeindepräsident zu einem bestimmten Thema den Frauenverein oder sonst eine Gruppierung auffordern, sich zu äussern. Auch die Parteien seien in der Pflicht. So habe eine Jungpartei bei den
Wortmeldungen Quoten eingeführt. «Wenn Frauen merken, dass sie etwas zu sagen haben, dass man ihnen zuhört, stärkt das ihr Selbstvertrauen. Damit steigt die Chance, dass sie sich ein politisches Amt zutrauen», ist die EKF-Vizepräsidentin überzeugt. 

Quoten auf Gemeindeebene

Überhaupt findet Simone Curau-
Aepli eine Frauenquote schon auf Gemeindeebene ein nützliches Instrument. «Dabei muss das Verhältnis ja nicht gleich 50:50 sein.» Sie ist sicher, dass die Parteien dann anders an die Kandidatinnensuche gehen würden. Ihr sei bewusst, dass einer Quotenregelung ein negatives Image anhafte und für viele ein rotes Tuch sei – auch für Frauen. «Aber wenn wir so weitermachen wie bisher, geht es noch 100 Jahre, bis die Frauen in der Politik auch nur annähernd repräsentativ vertreten sind.»

Frauen auf allen Ebenen in der Minderheit

In sechs der 39 Gemeinden im Verteilgebiet der «Wochen-Zeitung» arbeiten drei oder mehr Frauen in der Exekutive mit. In 15 Gemeinden sitzt eine und in 18 hats zwei Frauen im Gemeinderat. Es gibt sieben Gemeindepräsidentinnen. 

Im Kanton Bern besetzen 562 Frauen und 1575 Männer die total 2137 Sitze in Gemeinderäten. Präsidentinnen hat es 62, Männer im gleichen Amt 302. 

Der Frauenanteil im bernischen Grossen Rat betrug bei den Wahlen im März 35,6 Prozent. Im siebenköpfigen Regierungsrat sind aktuell drei Frauen vertreten. Im Luzerner Kantonsparlament lag bei den Wahlen 2015 der Frauenanteil bei 29 Prozent. Der Regierungsrat ist ganz in Männerhand.

Bei den letzten Nationalratswahlen 2015 wurden 32 Prozent Frauen gewählt. Im Ständerat beträgt der Frauenanteil 15 Prozent. Wie viele Frauen künftig im Bundesrat politisieren, wird sich am 5. Dezember weisen. Derzeit sind es zwei.

01.11.2018 ::
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