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Mit der Wolle vom Schaf lässt sich kein Geld mehr verdienen
Mit der Wolle vom Schaf lässt  sich kein Geld mehr verdienen Langnau:

Die Schafzuchtgenossenschaft Langnau-Gohl feierte am vergangenen Samstag in der Kupferschmiede ihr 75-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsschau.

Roma. So heisst die wollige Schönheit, welche den diesjährigen Miss-Titel nach Hause bringen durfte. Das zweijährige Mutterschaf der Rasse braunköpfiges Fleischschaf (BFS) aus dem Stall von Anita Dreier aus Gohl setzte sich in der Schlussrunde gegen sechs andere Kategoriensiegerinnen durch. Sie alle hatten in ihrer Altersklasse jeweils die höchste Punktzahl erreicht. Roma überzeugte die beiden Richter Anton Bärtschi und Ruedi Anken unter anderem mit ihrer Fleischigkeit, dem schönen Gang und einem gleichmässigen Körperbau.

Für den Kampf um den Miss-Titel kamen nur die 72 präsentierten BFS in Frage, denn nur diese Rasse feierte Jubiläum. «Andere Schafrassen wurden erst später in die Genossenschaft aufgenommen», erklärte der Präsident, Hansrudolf Dreier. Die zehn anwesenden Texel Schafe konnten sich deshalb getrost entspannen. 

Strengere Punktrichter

Schon vor 75 Jahren drehte sich alles um die braunköpfigen Fleischschafe. Damals, mitten im Zweiten Weltkrieg, gründeten 13 Männer aus dem Gohlgraben die Schafzuchtgenossenschaft Langnau-Gohl. Als erster Präsident wurde Walter Gerber aus dem Eggboden gewählt. Die Genossenschafter setzten sich zum Ziel «die Schafzucht zu fördern und das Zuchtmaterial gezielt einzusetzen». Durch die Weiterentwicklung der Zucht sind über die Jahre die Anforderungen gewachsen. «Heute sind die Punkterichter strenger und die Unterschiede kleiner», weiss Hansrudolf Dreier. Stark verändert habe sich auch der Wert der Wolle, erzählt er. «Noch vor 30 Jahren hat der Erlös für die Wolle immerhin die Kosten für die Schur gedeckt.» In den Vierzigerjahren und zu Beginn der Fünfziger gab es pro Kilo Rohwolle sogar sieben Franken. Ein hoher Preis im Vergleich zu den damaligen Taglöhnen von vier bis sechs Franken. Heute koste es sieben Franken, ein Schaf zu scheren, so Dreier. Für die Wolle bekomme er nur noch zwei Franken – ein Verlustgeschäft. 

Weniger dramatisch sieht es beim Fleischpreis aus. Dieser schwanke vor allem saisonal. «Im Herbst, wenn die Schafe von der Alp kommen, gibt es mehr Fleisch auf dem Markt was auf den Preis drückt.»

Schafzucht als Hobby

Doch den meisten «Schäfelern» geht es nicht in erster Linie ums Geld. Für sie ist die Schafzucht ein Hobby. Auch für den Werkhofleiter und Familienvater Dreier. «Komme ich nach der Arbeit nach Hause, kann ich bei einer Stunde Arbeit im Stall oder beim «Zuune» wunderbar herunterfahren», schwärmte der Präsident. Besonders gerne besuchen er und seine Familie jeweils im Sommer die eigenen Schafe auf der Alp. «Ein Tag ohne Handyempfang in den Bergen hat einen unglaublichen Erholungswert», meint Hansrudolf Dreier.

Es sind also nicht nur die Tiere selber, sondern ebenso das ganze Drumherum, das ein «Schäfeler»-Herz beglückt. Besonders wichtig ist auch die Kameradschaft untereinander. Selbst wer keine Schafe mehr hält, nimmt als Ehrenmitglied rege am Geschehen teil. 

Nachwuchssorgen

Doch wie viele andere hat auch die Schafzuchtgenossenschaft Langnau-Gohl ein Nachwuchsproblem. Aktuell gibt es noch zwölf aktive Züchter und zwei Jungzüchter. Einige Züchter sind bereits im Pensionsalter. Hansrudolf Dreier macht sich keine Illusionen: «Bleibt der Nachwuchs ganz aus, werden wir früher oder später über eine Fusion nachdenken müssen.» 

Die sieben Siegerinnen:

Kat. geb. ab 1.2.18: Ohrmarke Nr. 1742.1551 LGO von Dreier Anita. Kat. 8–12 Monate: Ohrmarke Nr. 1742.1518 LGO von Dreier Anita. Kat. 12–18 Monate: Ohrmarke Nr. 1605.9161 LGO von Familie Dreier. Kat. 18–24 Monate: Ohrmarke Nr. 1605.9152 LGO von Dreier Flavio. Kat. 24-36 Monate: Ohrmarke Nr. 1742.1453 LGO von Dreier Anita. Kat. Ü 36 Monate: Ohrmarke Nr. 1605.9119 LGO von Dreier Vanessa. Kat. Auen mit 3x6 Punkten: Ohrmarke Nr. 1541.0767 LGO von Familie Dreier.


 

27.09.2018 :: Rebekka Schüpbach
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