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Mit barockem Schwung
Langnau:

Das Ensemble um die in Biglen aufgewachsene Barockgeigerin Sabine Stoffer zog das Langnauer Publikum mit Alter Musik in Bann.

Barockmusikerinnen und Musiker versuchen mit historischen Instrumenten die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts möglichst authentisch «im Klang ihrer Zeit» lebendig werden zu lassen. Das Resultat kommt keineswegs blutleer, sondern quick-
lebendig daher. 

Arcangelo Corelli (1653–1713) stand im Zentrum des fünften Langnauer Kammermusikabends. Der Italiener schrieb viele Kompositionen, welche die Geige von ihrer ursprünglichen Rolle als Tanzinstrument befreiten und sie aufs Podest der konzertierenden Instrumente stellte. Die beiden Barockgeigerinnen Sabine Stoffer und Katharina Heutjer demonstrierten in den langsamen kantablen Sätzen die Schönheit eines anschwellenden und verklingenden Tons. Mit dem Barockbogen, der halb so schwer ist und mit dem sich leichter artikulieren lässt, zauberten die Geigerinnen einen Klang von unglaublicher Leichtigkeit hervor. In den schnellen fugierten Sätzen verblüfften sie mit überraschenden Springtechniken und anderen virtuosen Kapriolen. Der dritte im Bund, der Barockcellist Daniel Rosin, spielte in den Triosonaten oft den Kontrapunkt (Gegenstimme). Er hielt mit, glänzte an den Solostellen und sorgte, zusammen mit dem Cembalisten, für anhaltenden Schwung und Tempo. 

Corellis Einfluss 

Im Verlauf des Konzerts kam das Publikum in den Genuss von zahlreichen weiteren Leckerbissen. Nach Corelli folgten Werke von Georg Muffat, Georg Philipp Telemann und Jean-Marie Leclair, Komponisten, die sich alle von Corelli beeinflussen liessen. Eine Abwechslung der besonderen Art bildete die Passacaglia in g von Georg Muffat. Sebastian Wienand spielte das ursprünglich für Orgel geschriebene Werk auf dem Cembalo und begeisterte mit dem gravitätischen Thema und seinen vielen Variationen. Für einen anderen Höhepunkt sorgte die viersätzige Sonate «à deux violons sans basse» von Leclair. Übermütig lieferten sich die beiden Barockmusikerinnen ein Geigenduell, legten sich in die Saiten und spielten um die Wette.  

Während sich die Alte Musik vielerorts noch behaupten muss, ist man in Langnau auf den Geschmack gekommen. Das bewies der lang anhaltende Applaus am Schluss. 

10.05.2018 :: bhl.
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