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«Mein neues Amt kann für die Biosphäre von Nutzen sein»
«Mein neues Amt kann für die  Biosphäre von Nutzen sein» Marbach:

Christian Ineichen
ist der neue Präsident der CVP Kanton Luzern. Seine Tätigkeit als Regionalmanager der UBE übt er weiter aus, reduziert
jedoch das Pensum.



Die Delegierten wählten den einzigen vorgeschlagenen Kandidaten, Christian Ineichen, am 27. April praktisch einstimmig zum neuen Präsidenten der CVP Kanton Luzern. Der 39-jährige Marbacher war bisher Vizepräsident der Kantonalpartei und tritt die Nachfolge von Pirmin Jung an. Der Antrag eines Delegierten, nicht auf die Wahl einzutreten, weil der Kandidat nicht überzeuge, wurde deutlich verworfen. Bereits im Vorfeld wurde Christian Ineichen von Seiten der SVP Wahlkreis Entlebuch kritisiert, dies wegen seiner Tätigkeit als Regionalmanager der Unesco Biosphäre Entlebuch (UBE). Diese beiden Ämter liessen sich nicht miteinander vereinbaren; die politische Neutralität des Gemeindeverbandes sei gefährdet. 

 

Herr Ineichen, nun sind Sie neuer Präsident der CVP Kanton Luzern. Können Sie dies mit Ihrer Tätigkeit für die UBE vereinbaren?

Ja, diese beiden Ämter sind gut kombinierbar. Ich trage, wie schon in der Vergangenheit als CVP-Vizepräsident und -Wahlkreispräsident, zwei Hüte und kann den einen vom andern unterscheiden. In der UBE habe ich nie parteipolitisch gearbeitet, das wird so bleiben. Das traut mir auch der Vorstand zu, in dem alle Gemeinden und Parteien vertreten sind, also auch die SVP. Er ist zum Schluss gekommen, dass mein neues Amt sogar von Nutzen sein könnte für die UBE. Das sehe ich auch so. 

 

Inwiefern könnte die Biosphäre von Ihnen als kantonaler Parteipräsident profitieren?

Wir als UBE stehen oft in Kontakt mit kantonalen Stellen, mit Meinungs- und Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Diese Kontakt- und Einflussmöglichkeiten werden sich verstärken. Als Präsident einer Kantonalpartei hat man automatisch etwas mehr Gewicht und Beziehungen in den verschiedensten Bereichen. Das kann der UBE zugutekommen.

 

Dennoch, als Präsident der CVP Kanton Luzern werden Sie sich politisch exponieren müssen, vielleicht auch in Fragen, welche die Biosphäre betreffen. 

Das kann ich nicht ausschliessen, aber dann kommt es darauf an, wie man mit diesen Fragen umgeht und wie man kommuniziert. Ich würde mich sicher mit meinen Vorgesetzten in der UBE absprechen, da sehe ich keine unüberwindbaren Schwierigkeiten. Aber es wird natürlich immer eine Möglichkeit geben, daraus einen Vorwurf zu konstruieren. Ich betone noch einmal: Das eine ist mein Beruf, das andere mein Hobby und ich kann das eine vom andern trennen.

 

Ein Hobby, das etwa einem 40-Prozent-Pensum entspricht. 

Das ist eine Zahl, die herumgeistert und die es zu relativieren gilt. Ein Grossteil der Arbeit fällt auf den Abend und die Wochenenden und tangiert somit meine Arbeitszeit nicht. Zudem gebe ich noch einige «Ämtli» ab, zum Beispiel die Präsidien der Wahlkreispartei Entlebuch oder meiner Studentenverbindung – ein gesamtschweizerisches Mandat. Es ist ja nicht so, dass ich einen gänzlich neuen Job antrete. Ich war bisher schon CVP-Vizepräsident und bin in einigen Gremien bereits vertreten. Somit wird der zusätzliche Aufwand nicht allzu gross sein. Trotzdem werde ich mein Pensum bei der UBE noch vor den Sommerferien auf 80 Prozent reduzieren. Das habe ich mit dem Vorstand abgesprochen. 

 

Ihre Wahl am 27. April ging nicht ganz ohne Nebengeräusche über die Bühne. Haben Sie mit einem Antrag auf Wahlverschiebung gerechnet?

Das hat niemand gewusst, der Delegierte stand mit seinem Antrag ja auch alleine da. Obwohl ich überrascht war, konnte ich ihm etwas Positives abgewinnen: Niemand kann nun sagen, dass ich mangels Alternativen gewählt wurde, sonst hätte man den Antrag ja annehmen können.  

 

Der Delegierte bemängelte, dass Sie über keine Exekutiverfahrung verfügten, zu rechts stünden und Junggeselle seien. 

Exekutiverfahrung ist für dieses Amt nicht nötig. Ich kenne die Partei in- und auswendig, verfüge über ein gutes Netzwerk und weiss, wer welche Fäden in der Hand hält. Darauf kommt es an als Kantonalpräsident. Der Rest sind Aussagen von Leuten, die wenige Argumente in der Hand haben und deshalb einen Nebenkriegsschauplatz eröffnen möchten.

 

Ist es nicht schwierig, mit solchen Leuten, die ja in der gleichen Partei sind, zusammenarbeiten zu müssen?

Es gehört dazu, auch die andere Seite anzuhören und Leute einzubinden, die vielleicht nicht genau auf der gleichen Linie liegen. Mit nur einem Flügel fliegt es sich ja bekanntlich schlecht. Ich möchte diese verschiedenen Meinungen und Ideen zusammenführen und einen Weg finden, der für den Grossteil der Leute gangbar ist. 

 

Sie starten Mitte der Legislatur in Ihr Amt, 2019 finden die Kantonswahlen statt. Die CVP ist zwar mit 38 Sitzen nach wie vor stärkste Partei im Kantonsrat, die SVP aber holt auf (29 Sitze). Wie sieht Ihre Strategie aus?

Gegen den Druck der SVP hilft nur eins: eine klare Haltung einnehmen, Probleme nicht – wie die Konkurrenz – bewirtschaften, sondern lösen. Dabei hilft es nicht, Extrempositionen einzunehmen oder möglichst dominant aufzutreten. Das verhindert den Dialog, und der ist nötig, um Lösungen zu erarbeiten. Es gibt hochkomplexe Themen, die nicht in zwei, drei Sätzen geklärt sind, denken wir zum Beispiel an die Migrations-, die Alters- oder die Energiepolitik. 

 

Sie investieren einen Grossteil Ihrer Freizeit in die Politik. Was treibt Sie an?

Ich bin gerne mit Leuten zusammen und mag es, über die verschiedensten Themen zu sprechen. Auch bin ich vielseitig interessiert und finde es spannend, zusammen mit anderen Lösungen zu erarbeiten. 

 


11.05.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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