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Mehr Akzeptanz für Hanf-Arznei
Mehr Akzeptanz für Hanf-Arznei Langnau: Medikamente aus Cannabis sollen auf der offiziellen Medikamentenliste stehen. Einer, der sich seit Jahren mit Hanf beschäftigt, ist Manfred Fankhauser. 
Im gesicherten Raum, eingeschlossen im  Tresor, lagert ein Stoff, in den viele schwerst leidene Patienten ihre Hoffnung setzen: Dronabinol, reines THC. Vorsichtig spannt Manfred Fankhauser eine Ampulle in eine Vorrichtung, um die geruchslose, glasklare und zähe Flüssigkeit zu erwärmen. «Hier handelt es sich um synthetisches THC, welches nicht aus Cannabis hergestellt wird», erklärt der Inhaber der Bahnhof Apotheke Langnau. Sie ist aber auch als einzige Apotheke in der Schweiz befugt, Medikamente aus natürlichem Cannabis herzustellen. «Die meisten unserer Patienten haben einen langen Leidensweg hinter sich. Sie haben unzählige Therapien ausprobiert, die nicht den gewünschten Erfolg brachten», sagt Manfred Fankhauser. Viele leiden an starken und schmerzhaften Spasmen wie zum Beispiel Patienten mit MS oder dem Tourette-Syndrom. Besonders MS-Patienten erlebten dank der Medikamente aus Cannabis oft eine grosse Verbesserung.
Zum Thema Hanf als Arznei kam der Apotheker über seine Dissertation. «Als ich mit meiner Arbeit begann, wurde die Diskussion um Cannabis in der Medizin entfacht. Zu diesem Zeitpunkt verbot das Betäubungsmittelgesetz aber noch sämtliche Produkte aus Hanf», erinnert er sich.

Bewilligung für synthetisches THC
1997 wurde Manfred Fankhauser Ansprechperson der «Arbeitsgemeinschaft Cannabis in der Medizin» in der Schweiz. Fankhauser hielt viele Vorträge vor Ärzten und Laien und tauchte immer mehr in das Thema ein. «Eines Tages hatte ich den Geistesblitz, reines, künstlich hergestelltes THC als Arzneimittel einzusetzen. Ich fragte beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) an, dieses liess meine Anfrage von Juristen abklären. Schliesslich erhielt ich die Bewilligung.» Die ersten Jahre stellte der Apotheker seine Medikamente ausschliesslich aus dem synthetischen Dronabinol her. Seit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes 2011, welches Cannabispräparate für medizinische Zwecke erlaubt, stellt Manfred Fankhauser auch Cannabistinkturen und -öle her. Die Wirkung von Dronabinol und Cannabis sei sehr ähnlich. Die natürlichen Präparate enthalten nebst THC weitere Inhaltsstoffe, welche zum Beispiel entzündungshemmend wirken. Die Präparate werden in der Regel so dosiert, dass sie keine berauschende Wirkung haben. «Die Patienten benötigen nur wenige Milligramm THC; das ist zu wenig, um einen Rausch hervorzurufen. Diese therapeutischen Dosen bergen auch keine Suchtgefahr», weiss Fankhauser. Den Hanf lässt er selber anbauen, mit einer entsprechenden Bewilligung, wie er betont. Das Feld steht bewacht an einem geheimen Ort. «Mit Hilfe eines Chemikers haben wir eine eigene Hanfsorte gezüchtet, welche ein optimales Wirkstoffspektrum enthält. Aus einer Ernte von 300 Kilogramm der Blüten können wir den Bedarf an Tinkturen und Ölen von eineinhalb Jahren abdecken», so Manfred Fankhauser.

Krankenkassen müssen nicht zahlen
Mittlerweile ist das Dronabinol flüssig geworden und Fankhauser kippt zu den fünf Gramm THC ein Trägeröl, und so entstehen 200 Milliliter der fertigen Lösung. Auf einer Wärmeplatte werden die Flüssigkeiten während 20 Minuten vermischt. Manfred Fankhauser hat strenge Auflagen zu erfüllen und erstellt zu jeder Serie ein Protokoll. Die Arbeit an sich sei nicht aufwändig, die Abgabe der Medikamente aus Cannabis hingegen mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden. Jeder Patient, der ein Präparat beziehen möchte, muss eine Bewilligung beantragen. Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Behandlungskosten von bis zu 20 Franken pro Tag zu übernehmen. «Viele Patienten sind nicht in der Lage, dies selber zu finanzieren und müssen auf eine solche Therapie verzichten», bedauert Fankhauser. Das könnte sich ändern, wenn die Arzneimittel aus Cannabis von Swissmedic zugelassen würden (siehe Kasten).

600 Patienten schweizweit
Die Betreuung der Kunden sei zeitintensiv, aber das A und O, erläutert Fankhauser. Für jeden Patienten müsse die Dosierung und die Eignung individuell abgeklärt werden. «Um die vielen Anfragen und Beratungen bewältigen zu können, haben wir in der Apotheke einen eigenen Bereich geschaffen», beschreibt Fankhauser. Für jeden Kunden wird ein Dossier geführt, in dem die Dosierung des jeweiligen Medikaments und der Therapieverlauf genau festgehalten werden. Aktuell beziehen schweizweit rund 600 Patienten Cannabis-Medikamente in der Bahnhof Apotheke. «In den vergangenen neun Jahren haben wir um 1700 Personen betreut. Nie musste eine Behandlung wegen bedrohlicher Nebenwirkungen abgesetzt werden», hält er fest. Kam früher die Initiative, Schmerzen mit Cannabis zu behandeln, meist vom Patienten, gehe diese heute auch von Ärzten aus. Die Akzeptanz sei deutlich grösser geworden. Dies sei auch der Tatsache zu verdanken, dass 2013 der Sativex-Spray, der auf Cannabisbasis hergestellt wird, bei Swissmedics registriert worden ist. «MS-Patienten können ihn ohne Bewilligung beziehen, er unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz.» Sorgfältig giesst Fankhauser die Lösung in die bereitstehenden Fläschchen ab. Später werden sie an die Patienten verschickt, die auf Linderung ihrer Schmerzen hoffen.
Studie belegt Wirksamkeit
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) finanzierte eine Studie über die Anwendung von Cannabis in der Medizin. «Die Studie hat ergeben, dass es eine Reihe von Indikationen wie zum Beispiel MS, Krebs oder HIV gibt, bei denen die schmerzlindernde, appetitfördernde oder entspannende Wirkung von Cannabis belegt ist», sagt Catherine Cossy vom BAG. Aufgrund der vom Parlament überwiesenen Motion «Cannabis für Schwerkranke» hat das BAG nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese solle aufzeigen, welche fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Arzneimittel auf Cannabisbasis von Swissmedic zugelassen und vom BAG zwecks Vergütung durch die Krankenversicherer auf die so genannte Spezialitätenliste aufgenommen werden können. 
18.02.2016 :: Veruschka Jonutis
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