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«Manchmal fühle ich mich einsam»
«Manchmal fühle ich mich einsam» SCL Tigers:

 

Für gewöhnlich steht der Assistenztrainer Rikard Franzén im Schatten seines Chefs Heinz Ehlers. Das ändert sich nun – wenn auch nur für zwei Tage.


Dass Langnau derzeit die beste Saison seit 41 Jahren spielt, hat viele Gründe. Die Taktik von Trainer Ehlers, die starken Goalies, die solide Abwehr und auch die treffsicheren Stürmer. Einer aber wird bei den zahlreichen Lobeshymnen die derzeit kursieren kaum je erwähnt: Assistenztrainer Rikard Franzén. Dabei ist der Schwede deutlich mehr als nur der Handlanger von Cheftrainer Heinz Ehlers. Weil ein Grossteil seiner Arbeit aber im Hintergrund stattfindet, nimmt man das kaum wahr. Ein Beispiel: Im Vorfeld eines Spiels schaut sich Franzén auf Video die letzten zwei Partien des nächsten Gegners an. Und zwar in voller Länge. «So sehe ich, was sie von einem Spiel zum anderen verändert haben», erklärt er. Desweitern schneidet der 50-Jährige Videosequenzen der eigenen Spieler zusammen. «Ich zeige ihnen auf, was sie gut machen und was weniger gut.»

Wer mit dem Skandinavier spricht, merkt schnell, warum Heinz Ehlers grosse Stücke auf ihn hält. Auf seine Ziele mit den Tigers angesprochen, sagt er: «Ich will die Spieler jeden Tag ein Stück besser machen.» Konkret bedeutet das: «Ich beobachte einen Spieler und überlege mir, was er gerade braucht, um sich zu verbessern.» Schritt für Schritt lautet dabei das Motto. «Es ist einfacher, kurzfristige Ziele zu haben. Wenn man zu weit nach vorne schaut, verliert man den Fokus. Man kann nur im Hier und Jetzt etwas bewirken. Punkte zählen können wir dann Ende Saison.»

Es war Zeit für etwas Neues

Dass Rikard Franzén bei den SCL Tigers gelandet ist, hat viel mit Heinz Ehlers zu tun. «Wir kennen uns schon lange und wirklich sehr gut», sagt er. Die beiden spielten von 1989 bis 1991 zusammen bei AIK Stockholm. Ihre Wege kreuzten sich auch später als Gegner immer mal wieder. Und als Ehlers Trainer in Lausanne war und 2014 einen neuen Assistenten suchte, erinnerte er sich an den alten Freund in Schweden. Franzén war dort in seinem ersten Jahr als Cheftrainer entlassen worden und überlegte nicht lange, als der Anruf aus der Schweiz kam. «Ich habe bei AIK Stockholm als Spieler und Trainer fast 20 Jahre verbracht. Nach meiner Entlassung war es Zeit für etwas Neues», sagt Franzén, der von 2001 bis 2003 für den SC Bern spielte und deshalb Land und Liga hier bereits kannte.

Chef für zwei Tage

Als Marco Bayer nach der letzten Saison bei den SCL Tigers vom Assistenztrainer zum Sportchef befördert wurde, war für Ehlers klar, dass er den treuen Weggefährten, der immer noch in Lausanne tätig war, ins Emmental holen wollte. Die Zusammenarbeit mit Ehlers und Sportchef Bayer funktioniere bestens, sagt Franzén. «Wir drei verstehen uns wirklich sehr gut. Wir müssen zum Beispiel keine Meetings vereinbaren, um Sachen zu besprechen, weil wir uns ohnehin jewden Tag sehen und austauschen.» 

Franzén ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seine Frau besucht ihn etwa alle drei Wochen für ein paar Tage in Langnau. «Wenn sie nicht da ist, fühle ich mich manchmal schon ein wenig einsam. Auf der anderen Seite kann ich mich so voll und ganz auf meinen Job konzentrieren.» Sein Sohn Mathias (26) war übrigens ebenfalls Profi und spielte unter anderem zwei Jahre für Martigny in der NLB. Im letzten Frühling ist er aber zurückgetreten und arbeitet nun für den in Stockholm beheimateten und weltweit bekannten Streaming-Dienst Spotify.

Weil Heinz Ehlers am Wochenende mit der Nationalmannschaft Dänemarks an der «Euro Ice Hockey Challenge» in Polen weilt, ist Franzén für die beiden Trainings der SCL Tigers am Freitag und am Samstag verantwortlich. Anweisungen vom Chef habe er keine erhalten. «Jeder Trainer hat seine eigenen Übungen, er seine und ich meine. Aber viel anders machen werde ich sicher nicht.» Bei der WM 2019 in der Slowakei wird die dänische Mannschaft erneut von Heinz Ehlers betreut. Sein Assistent dann? Natürlich Rikard Franzén.

08.11.2018 :: Christoph Schär
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