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Lösungen ohne Umfahrung von Burgdorf sind gefragt
Emmental: Das Komitee «Emmental mobil» diskutierte Lösungen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse ohne neue Umfahrungsstrasse in Burgdorf. Die Diskussion verlief kontrovers.
Daniel Bachofner, Gründungsmitglied des Komitees «Emmental mobil» und Gastgeber des Podiums «Burgdorf ohne Umfahrung» hielt vor etwa 60 Gästen einleitend fest, dass sein Komitee grundsätzlich kritisch gegenüber neuen Strassen sei, aber durchaus ein grosses Interesse für gute Mobilitätslösungen bekunde. Der Kanton habe nach einer breit angelegten Vernehmlassung entschieden, die Zufahrt Emmental vorerst ohne neue Umfahrung von Burgdorf zu planen. Nun gehe es darum, für die Durchfahrt von Burgdorf gute Lösungen zu entwickeln.

Positive Erfahrungen in Köniz

Die Gemeinde Köniz hat ihre Verkehrsprobleme vor zehn Jahren mit einer umfassenden Sanierung der Durchfahrt im Ortskern gelöst und auf eine Umfahrung verzichtet. «Aus ‹Ampliwil› mit zahlreichen Lichtsignalen und entsprechend häufigem ‹Stop and Go› haben wir eine breite Durchfahrt mit verschiedenen Kreiseln und einer fussgängerstreifenlosen Zone mit Tempo 30 gemacht. Autos, Fussgänger und Velofahrer müssen mehr aufeinander schauen», sagte der Könizer Gemeindepräsident Ueli Studer. Der Verkehr laufe nun flüssiger, die Unfallzahlen seien um einen Drittel zurückgegangen, die Lärm- und Luftemissionen deutlich reduziert worden.

Teilen statt besitzen

Für Daniel Lauterburg, Geschäftsführer der Busland AG, ist die momentane Situation in Burgdorf und Emme aufwärts schwierig. «Unsere Fahrgäste legen viel Wert auf Sicherheit und Pünktlichkeit. Die vielen Baustellen, das ständige Stoppen und Anfahren und das Verpassen von Anschlüssen ist wenig kundenfreundlich.» Er hoffe, dass Verbesserungen zügig an die Hand genommen werden könnten. Andreas Blumenstein von der Mobility-Genossenschaft wies auf die zunehmende Bedeutung von Car-Sharing hin. «Das Auto hat vor allem für junge Leute immer weniger Statussymbol. Teilen statt besitzen ist im Trend. Das digitale Zeitalter und die selbstfahrenden Autos werden diese Tendenzen wesentlich verstärken», führte er aus.

Was Verkehrszählungen aussagen

Walter Schaufelberger, Verkehrsplaner, referierte zur Aussagekraft von Verkehrszählungen. Er betonte, dass die im Raum Burgdorf erhobenen Daten sehr zuverlässig und aussagekräftig seien. «Mit etwas mehr Risiken sind dagegen die langfristigen Verkehrsprognosen verbunden. Wir können nur ungenau abschätzen, wie und wo sich die Bevölkerung, das Wohngebiet und die Arbeitsplätze entwickeln werden und wie der öffentliche Verkehr dastehen wird», meinte er.
Die anschliessende Diskussion verlief kontrovers. Während einige Votanten dem Entscheid des Kantons zum vorläufigen Verzicht der Umfahrung Burgdorf nachtrauerten, wies eine Votantin auf das Beispiel Köniz hin, das zu einer Belebung des Gewerbes im Zentrum geführt habe. Stimmen aus dem oberen Emmental warnten, auch die Gemeinden oberhalb von Burgdorf nicht zu vergessen, und ein älterer Burgdorfer meinte, dass «nach über 40 Jahren Larifari» endlich gebaut werden solle.
Der Grosse Rat des Kantons Bern wird noch diesen Monat über einen zweistelligen Millionenkredit zur Planung der Verkehrsmassnahmen im Gebiet Burgdorf–Oberburg–Hasle debattieren und abstimmen.
08.09.2016 :: Walter Marti
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