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Literatur erster Güte im Kellertheater
Literatur erster Güte im Kellertheater Langnau:

Lukas Hartmann, Bettina Gugger und Gornaya lasen im Kellertheater. So unterschiedlich ihre Texte waren, eines haben die Autoren gemein: Den Literaturpreis des Kantons Bern.

Lukas Hartmann ist das Urgestein unter den Schweizer Autoren: Sein erstes Buch erschien vor vierzig Jahren. Seither schrieb Hartmann unermüdlich Kinderbücher, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher fürs Fernsehen und vor allem historische Romane für Erwachsene. Einige seiner Werke wurden in mindestens 15 Sprachen übersetzt, und für sein Schaffen erhielt er mehrere Auszeichnungen. Sein 20. Roman wurde nun vom Kanton Bern mit dem Literaturpreis 2018 ausgezeichnet. Das Buch trägt den Titel «Ein Bild von Lydia.» Lydia Welti-Escher war im 19. Jahrhundert eine der reichsten Frauen der Schweiz. Sie verliebte sich in den Kunstmaler Karl Stauffer-Bern – der übrigens in Trubschachen geboren wurde – und floh mit ihm nach Rom. Vergangenen Sonntag las Hartmann im Kellertheater in Langnau aus seinem Buch die Stelle vor, in der zwei Hausangestellte der reichen Familie beobachten, wie Kunstmaler Stauffer nachts und im Mondschein eine Glyzinie hochklettert, sich über die Balkonbrüstung schwingt und von Lydia in ihr Nachtgemach eingelassen wird. Flüsternd kommentieren die beiden Bediensteten, was sie sehen, und schleichen ins Treppenhaus, um an der Zimmertür zu lauschen. Gerade weil sie so gut wie nichts hören, dafür umso mehr mutmassen, was wohl in dem Schlafraum geschieht, entstehen im Kopf der Zuhörer starke Bilder. Lydias Ehemann und dessen einflussreiche Familie gewähren dem Liebespaar keine Zukunft, sie missbrauchen ihre Macht, lassen Stauffer ins Gefängnis werfen und Lydia ins Irrenhaus einweisen. Hartmann packt die tragische Liebesgeschichte in eine klassische Erzählform ohne Klischees und schildert die Ereignisse frei von jeder Schuldzuweisung.

14 Geschichte über die Liebe

Vor Hartmann las Bettina Gugger aus ihrem Buch mit dem Titel «Ministerium der Liebe.» Darin sind 14 Geschichten vereint, die sich um Liebe, Erotik, Kunst und Zauberei drehen. Gugger las im Kellertehater einen Ausschnitt aus der Geschichte eines Magiers, der einen Raben als Haustier hält. Die Geschichte beginnt leichthin, fast bieder, bis der Rabe seinem Meister einen Brief überbringt, der an dessen Nachbarin adressiert ist. Was dann geschieht ist amüsant, surreal und zugleich berührend. «Ministerium der Liebe» ist eine reife Leistung und wurde vom Kanton Bern ebenfalls mit dem Literaturpreis 2018 ausgezeichnet.

Dialoge aus Theaterstück

Zu Beginn des Anlasses lasen Gornaya und Gugger gemeinsam die Dialoge aus Gornayas Theaterstück «Island. Als Freunde sind wir erbarmungslos». Ein Präsident, ein Major, ein Minister und ein Sekretär unterhalten sich über ein bevorstehendes Jubiläum. Es gilt eine Völkerfreundschaft mit einem anderen Staat zu feiern. Irgendwo draussen zieht das Volk durch die Strassen und protestiert, drinnen warten die vier auf den Ministerpräsidenten des anderen Landes. Ihre Gespräche drehen sich um alltägliche Dinge, das eigentliche Drama entwickelt nur ganz am Rande – dort aber mit voller Wucht. Gornaya lässt die Figuren fast gelangweilt in kurzen, knappen Sätzen sprechen. Ihr Text ist eine moderne Goteske über Politik und Macht und Machterhalt und zeigt, wie ein skrupelloser Regent aus einem Missgeschick Gewinn schlägt, indem er und seine Gefolgschaft bereit sind, über Leichen zu gehen. 

08.11.2018 :: Gabriel Anwander
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