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Liebe und Frieden als Gegenpol zu Geiz und Raffgier
Liebe und Frieden als Gegenpol zu Geiz und Raffgier Walkringen:

Die Emmentaler Liebhaberbühne feierte Premiere des Stücks «Geld und Geist» im Rüttihubelbad. Der 175-jährige Roman von Jeremias Gotthelf ist auch heute noch aktuell.

Das Annemareili vom Dorngrüthof hat es nicht leicht. Der Vater hat es dem wohlhabenden und zwei Mal verwitweten Chäuerjoggi versprochen. Wenn dieser dann in absehbarer Zeit sterbe, könnte der Grütler ein weiteres stolzes Heimet an sich reis-sen. Und dies sei ja das einzige, wozu ein Mädchen tauge: den Wohlstand der Eltern und Brüder vermehren. Dabei hat Annemareili den Resli vom Liebiwilhof an einem Tanzabend im Dorf kennen und lieben gelernt. Und als dieser nach einer Brandnacht ohnmächtig liegen bleibt, kümmert sich Annemareili um ihn und bringt ihn heim zu ihr auf das Dorngrüt. 

Mit Ausdruck und Hingabe

An dieser Stelle beginnt die von Rudolf Stalder verfasste Mundartfassung. Drei Jahrzehnte nach deren Uraufführung wird sie nun in einer Neuinszenierung durch den Regisseur Ulrich Simon Eggimann sprachlich und dramaturgisch neu umgesetzt. Sandra Rentsch als Annemareili und Bendicht Eggimann als Resli überzeugen mit ihrer Darstellung als junges, gefühlvolles Liebespaar. Vor allem das Annemareili, das verzweifelt weg möchte aus dem hartherzigen Elternhaus, beeindruckt mit Ausdruck und Hingabe. Und Reslis Dilemma lässt das Publikum mitleiden, als der geldgierige Dorngrütler (Dominik Müller) einen so hohen Preis für seine Tochter fordert, dass er ihn wegen seinen Geschwistern und der Mutter (Antonia Flury) einfach nicht zahlen kann und deshalb Annemareili im Stich lassen muss. 

Auch die anderen Darstellerinnen und Darsteller beweisen einmal mehr, auf welch hohem Niveau die Emmentaler Liebhaberbühne spielt. Mimik und Gestik passen ausgezeichnet, gerade in den gegen das Publikum gespielten Szenen sieht man das besonders gut.

Filmische Rückblenden

In filmischen Rückblenden erfährt man mehr über die Zeit, als auf dem Liebiwilhof der Hausfrieden fehlte. Diese Einblenden oder die modernen Farbakzente im Hintergrund wirken abwechslungsreich und auflockernd, können aber nicht so packen wie das auf der Bühne Dargebotene. Und oft ertappt man sich, wie man unbewusst die Szenen von Franz Schnyders Film vor Augen hat und dann Bühnenstück mit Spielfilm vermischt und vergleicht. Die Szenen beim Dorngrüt wurden übrigens 1964 auf dem Hubel in Wikartswil unweit des Rüttihubelbads gedreht, an was sich ältere Einheimische immer noch erinnern. Besonderen Eindruck hinterlässt im Stück die Stimme Florian Blasers, der Originalzitate aus Jeremias Gotthelfs Roman zitiert. Das Ringen um mehr Geld, die Gier und als Gegenpol die Liebe oder der häusliche Frieden, dies alles war vor 175 Jahren aktuell und bleibt es bis in die heutige Zeit. Und wenn am Schluss Bruder Chris

teli (Dominik Zürcher) das Annemareili an das Totenbett der Mutter holt, und sich Resli und Annemareili wiederfinden, dann hat doch wieder, trotz Wirren, das Gute gesiegt und alle können getrost nach Hause gehen. 

 

 

Info und Reservation: www.elb.ch. Weitere Daten: 18. und 24. November, je 20 Uhr. 2. und 8. Dezember, je 20 Uhr. 6./12./13./20./26. Januar, je 20 Uhr. 2. und 3. Februar, je 20 Uhr. 19. und 26. November, je 17 Uhr. 3./10. und 31. Dezember, je 17 Uhr. 2./7./14/21. und 28. Januar, je 17 Uhr. 

4. Februar, 17 Uhr. 

 


 

16.11.2017 :: Kathrin Schneider
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