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Lernfeld

Nennen wir ihn Roland. Roland schreibt heute die letzte Kolumne für die «Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch». Denn eines seiner aufwändigstes und spannendstes Lernfelder geht dem Ende entgegen: Nach etwas über fünf Jahren als Leiter des Seminarhotels Möschberg gibt er seine Aufgaben an die neuen Besitzer des Hotels in Oberthal ab. Wie seine Frau Madeleine ist Roland kein Hotelier. Vielmehr haben die beiden Erwachsenenbildner den Möschberg als Seminarleiter kennen und als sehr besonderen und einzigartigen Seminarort schätzen gelernt. Als im 2012 bekannt wurde, dass das Hotel neue Pächter sucht, zogen sich Madeleine und Roland in ein anderes Hotel zurück, berieten lange darüber, ob sie die «Fronten» wechseln und für ein paar Jahre nicht Gast, sondern Gastgeber im Seminarhotel werden wollten. Sie entschieden sich, das Wagnis doch nicht einzugehen, fuhren auf den Parkplatz des Hotels, stiegen aus dem Auto, schauten sich an – und sagten Ja. 

Gut, es gab durchaus Zeiten, da Roland den Entscheid bereute. Es wäre so bequem gewesen, das Bisherige beizubehalten und die Herausforderungen waren dann in der Realität grösser als erwartet. Da war zum einen seine Unwissenheit und Unerfahrenheit, die ihren Tribut kostete: Wo, um alles in der Welt, sind die Tassen nun schon wieder? Wie geht man mit Gästen um, die mit sich selbst und der Welt im Unreinen sind? Oder: Was ist zu tun, wenn das Buchungssystem genau dann abstürzt, wenn eine ganze Gruppe einzeln seine Rechnung bezahlen möchte? Und dann wären noch die langen Arbeits- und Präsenzzeiten zu erwähnen: beinahe endlos erscheinende Tages- und Nachtstunden waren keine Seltenheit. Doch damit genug seiner Klagen. Roland genoss die Jahre auf dem Möschberg über weite Strecken. Da waren die Gäste, die diesen speziellen Ort und die unglaublichen Freiheiten auskosteten, die hier einen Ort fanden, wo das Lernen und Denken zu einem Genuss werden. Und mindestens genau so wichtig: Da waren die Mitarbeitenden und lieben Freunde, die leidenschaftlich gerne mithalfen und sich einsetzten, die ihm seine Naivität nachsahen und die sogar mit seinem mitunter etwas schrägen Humor wussten umzugehen.

Die Zeit auf dem Möschberg geht für Roland zu Ende. Damit kommt für ihn gleichsam die Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. Der «Frontenwechsel» hat ihm primär eine Erkenntnis gebracht, vielleicht auch nur bestätigt: Jedes (Dazu-)Lernen ist anstrengend, herausfordernd, zeigt persönliche Grenzen auf, treibt manchmal über diese Grenzen hinaus – und es gibt wenig Schöneres und Erfüllenderes als dieses (Dazu-)Lernen. 

14.06.2018 :: Roland Ducommun Oberthal
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