Anmelden
Kulinarische Flic Flacs mit Bauchlandung
Kolumne:

Meine Freude war gross, als ich den Brief eines grossen Discounters erhielt, in dem ein Gutschein für ein Treuefresspaket steckte. Gespannt trug ich die Geschenkbox heim, doch der Inhalt liess mich nicht vor Dankbarkeit taumeln. Eine Fooby-Blechbox mit Rezeptkarten und ein Kochbuch grinsten mir entgegen mit Slogans wie «Genuss gemeinsam zelebrieren» oder «We love Food». Angepriesen wurden «Acia-Kokos-Bowl» oder «Piccata mit Randenspaghetti», und zum Dessert gabs «Kichererbsenchokoladenmousse». Leicht angesäuert liess ich die Rezeptkarten wieder in der Box verschwinden. 

Abends sass ich bei meiner Freundin und beschwerte mich über diese eigenartigen Kochtipps. «Erbsensuppe», rief ich, «nach Berliner Art, das ist ein authentisches Gericht, nicht so ein Acia-Dingsbums-Bowl-Gedöns! Was zum Teufel ist Acia eigentlich?» Sie wusste es auch nicht, erzählte aber über die Art Erbsensuppe aus ihrer Heimat Ungarn. «Wir verwenden frische Erbsen, die eine herrliche Süsse abgeben, und drin sind Hühnerfleisch und Spätzli», schwärmte sie. Da kam ihr Mann um die Ecke und verteidigte Erbsenschaumsuppe mit rohem Eidotter, eine Budapester Spezialität. Wir verabredeten, für den übernächsten Tag alle drei Varianten zu kochen und gemeinsam zu degustieren. Die Vorfreude auf unser Fresstival, wie wir unsere kulinarischen Konferenzen jetzt nennen, war gross. Mit Appetit schaufelte ich mir zuerst das Schaumsüppchen, dann meine Berliner Erbsensuppe (mit Würstchen) rein. Eigentlich war ich satt, doch es wäre ja unhöflich gewesen, die Variante meiner Freundin nicht anzurühren. Tapfer vertilgte ich meine dritte Portion. Als ich auf der Intensivstation erwachte... Nein, nein, so schlimm war es nicht. Aber ich hatte mich dermassen überfressen, dass ich den Rest des Abends stehend am Spülbecken verbrachte. Auch mein Partner hatte eine etwas erbsgrüne Gesichts-farbe angenommen. 

Tags darauf war ich mit einer anderen Freundin zum Mittagessen in einem Restaurant verabredet. Es sei gut, dass sie heute nicht zu Hause sei, gestand sie. Ihr Sohn sei nach dem gestrigen Mittagessen sauer auf sie, dabei habe sie nur so ein Fooby-Rezept ausprobiert, «Rüebliküchlein mit Bündnerfleisch». Er habe nur angewidert «gruusig» geknurrt und erklärt, er gehe zum Grosi essen. 

Es soll Menschen geben, die trinken nach dem Essen einen «Mocktail Mule» (pürierte Gurke, Ingwerbier und weitere Stirnrunzelzutaten aus der Fooby-Küche). Dann doch lieber einen Café creme! 

03.05.2018 :: Christina Burghagen ist Freie Journalistin und bietet Anlässe an zum Thema «Essen wie im alten Bern».
Meistgelesene Artikel
Kolumne: Meine Freude war gross, als ich den Brief eines grossen Discounters erhielt, in dem ein Gutschein...
Singen im Songline-Musical und  Kindern etwas weitergeben
Rüegsau: Bei einer Probe des diesjährigen Songline-Musicals sangen 126 Kinder und Jugendliche vom Leben...
Ei grossi bärneschi Erfindig ir Chuchi geit nid uf die herrschaftlechi Chuchi vo de...
Junge Gärtnerin gibt in SRF-Sendung «Hinter den Hecken» Tipps
Lauperswil: Als Expertin in der Sendung «Hinter den Hecken» gibt Céline Gurtner Tipps zu...
Dä Ortsname kenne nume no weni Lüt
Bimene Haar wäri dä Ortsname, wos hüt drum geit, äue für geng verlore...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr