Anmelden
Jede Orgelpfeife wird einzeln ausgebaut
Jede Orgelpfeife wird einzeln ausgebaut Rüderswil:

Kirchenorgeln werden Königinnen aller Musikinstrumente genannt. Aber auch sie setzen mit der Zeit Staub an, deshalb wird die Orgel in der Kirche derzeit revidiert.

Wer eine zerlegte Kirchenorgel betrachtet, gerät unweigerlich ins Staunen, weil er tausende verschiedenster Teile vor sich sieht, alle sorgfältig aufgereiht auf Tischen, Brettern und Regalen. Rolf Emmenegger, der noch bis Ende August die Orgel in der Kirche Rüderswil revidiert, erklärt einige Details: «Wir haben insgesamt 1062 Pfeifen ausgebaut. Jede einzelne muss nun begutachtet und gereinigt werden.» In Rüderswil genüge es, die Metallrohre mit Bürsten und Tüchern von Staub und Schmutz zu befreien. In katholischen Kirchen, wo öfter Kerzen brennen, setze sich auch Russ an, der mit etwas Benzin entfernt werden müsse. Die Revisionsarbeiten dauern rund zwei Monate und werden von der Orgelbaufirma Genf AG durchgeführt. 

Eine vielseitige Arbeit

Revidiert wird die gesamte Spiel- und Registermechanik, wobei pneumatische Teile durch elektrische ersetzt werden. Wer dem gelernten Orgelbauer aus Muttenz bei der Arbeit zusieht, kann sich ein Bild davon machen, wie vielseitig diese Arbeit ist: Manche Teile sind kaum grösser als eine Fingerspitze, andere, wie etwa die grossen Basspfeifen am Orgelprospekt, sind mehr als zwei Meter lang mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern. Um an alle Teile heranzukommen, muss sich der Orgelbauer immer wieder unter oder zwischen das Gehäuse zwängen. 

Ein Kind der Orgelbewegung

Rolf Emmenegger, der sich auch auf Harmonien spezialisiert hat, kennt die Geschichte der Rüderswiler Orgel genau: «Sie ist im Jahr 1939 von der Firma Tschanun aus Genf gebaut worden.» Charakteristisch für dieses Instrument sei, dass es zur Zeit der sogenannten Orgelbewegung entstand. Diese Bewegung kam im frühen 20. Jahrhundert auf, weil viele Musiker mit den damals vorherrschenden romantischen Orgeln unzufrieden waren. «Typisch für romantische Orgeln war, dass sie andere Instrumente wie Flöten oder Geigen nachahmten», erklärt der Orgelspezialist. Verschiedene, fein abgestufte Stimmen seien ein weiteres charakteristisches Merkmal gewesen. Die Orgelbewegung besann sich wieder auf typische barocke Elemente wie zum Beispiel hellere Register. So entstehen musikalisch neue und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für den Organisten.

Ein reines Klangbild

Die Orgelrevision wird Ende August mit dem Stimmen der Register abgeschlossen. Und dann dürfen sich die Zuhörer auf ein frisches und reines Klangbild freuen. Im Rahmen einer Feier mit viel Musik wird die Orgel in drei Wochen wieder in Betrieb genommen. Den genauen Termin wird die Kirchgemeinde Rüderswil noch bekanntgeben.

09.08.2018 :: Benjamin Stocker-Zaugg
Meistgelesene Artikel
Neues Lied fürs Emmental
Emmental: In einem neuen Lied werden die schöne Landschaft und kulinarische Produkte des Emmentals...
Kinder und Jugendliche auf der  Suche nach dem besten Zug
Trubschachen: Der Schachklub bietet seit 50 Jahren Jugendschachkurse an. Das Training vermittelt Theorie und gibt...
Vom Fürsorger zum Coach
Renato Galasso: War ein Berufsberater vor 100 Jahren vor allem als Lehrlingsfürsorger tätig, versteht er...
«Jeder in unserer Mannschaft hat das gleiche Ziel: Profi-Eishockey-Spieler in der NLA werden»
SCL Young Tigers:   Das Ziel ist klar: sie wollen Profi-Eishockey- Spieler werden. Auch wenn Keijo Weibel,...
Bundesrat Schenk erhält einen Platz
Signau: Auf dem Bahnhofplatz wird zurzeit gebaut: Es entsteht ein kleiner Park mit Ruhebänken, einem...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr