Anmelden
In 400 Arbeitsstunden entstand ein massstabgetreuer Zauberwürfel
In 400 Arbeitsstunden entstand ein massstabgetreuer Zauberwürfel Escholzmatt:

Janis Zürcher suchte für seine Schulabschlussarbeit die besondere Herausforderung. Sein voll funktionstüchtiger Zauberwürfel wurde zweifach ausgezeichnet.  



Janis Zürcher lebt mit seinen Eltern und zwei Brüdern auf dem Hof Windbruch, oberhalb von Kröschenbrunnen, einem Weiler in der Gemeinde Trub. Sie seien «Grenzgänger», sagen die Zürchers von sich. Und das sind sie, denn Windbruch gehört zu Escholzmatt-Marbach. Deshalb musste Janis Zürcher auf seinem Schulweg jeden Tag zweimal die Kantonsgrenze Luzern-Bern und Bern-Luzern überschreiten. Inzwischen hat er seine Schulzeit mit einer eindrücklichen Abschlussarbeit beendet. Und wie vor einem Jahr sein älterer Bruder erhielt auch er den Preis des Rotary Clubs Entlebuch. Aber er wollte noch mehr und meldete sich für den  kantonalen Wettbewerb «Projekt 9» der PH Luzern an. Im Final wurde aus über 50 Arbeiten die seinige als beste in der Kategorie Einzelprojekte ausgezeichnet. 

Den Dingen auf den Grund gehen

Janis Zürcher wollte unbedingt ein Holzobjekt bauen und dachte anfänglich an eine Sauna. Aber das war dem Grenzgänger, der die Herausforderung sucht, zu einfach. Dabei ist er kein Draufgänger, sondern ein ruhiger, junger Mann, der den Dingen auf den Grund geht, Probleme analysiert und Lösungen ausprobiert. Schon als Kind wollte er wissen, wie alles funktioniert. «Etwas ausprobieren» nennt er sein Hobby. Intensiv beschäftigte er sich mit dem sechsfarbigen, kniffligen Zauberwürfel-Drehpuzzle (Rubiks Cube), das in seinem Elternhaus lag und er schaffte es als einziger, die Farben in die richtige Reihenfolge zu bringen. Der 15-Jährige wollte mehr. Er wollte das Innenleben des Würfels kennenlernen und als Schulabschlussarbeit im Grossformat nachbauen, ganz allein und nur mit dem «spitzen Bleistift und der Reisschiene». «Es war ein Risiko. Ich wusste nicht, ob er funktionieren würde», sagt er. 

Mit Ausdauer und Wille zum Erfolg 

Als wäre es das Einfachste auf der Welt, erzählt Janis Zürcher, wie er den komplizierten Mechanismus entschlüsselte und nachbaute. Zuerst nahm er den kleinen Würfel komplett auseinander und mass alle Teile aus. Dabei entdeckte er, dass sich der Würfel durch eine Feder auf sechs Seiten drehen lässt. Die sechs Seiten des Herzstücks weisen ein Loch in der Mitte auf; der Mittelteil macht einen Drittel des ganzen Würfels aus und dieser muss durch die Zahl Drei teilbar sein. So entwarf er einen 63 Zentimeter auf 63 Zentimeter messenden Würfel und zeichnete ihn massstabgetreu auf zwei grosse Papierrollen. Um einen Radius von 21 Zentimeter zu erreichen, schliff Janis Zürcher die inneren Würfelteile rund. Die 26 Einzelwürfel mussten exakt das gleiche Mass aufweisen. Das verlangte Durchhaltewillen und Ausdauer, zwei Eigenschaften, die ihn auszeichnen. 

Sechs Farben, sechs Holzarten

Immer und immer wieder nahm er den Würfel auseinander um ihn nachzuschleifen, weil er sich nicht drehen liess, solange die einzelnen Teile nicht Millimeter genau aufeinander passten. Auch die Federn waren anfänglich zu locker. Um die Spannung zu erhöhen, musste Janis Zürcher den Würfel wieder demontieren und zusätzliche Unterlagscheiben einbauen. Für die sechs Farben des Zauberwürfels verwendete er zwei Zentimeter dicke verschiedenfarbige Holzplatten. Die sechs Holzarten Eiche, Ahorn, Lärche, Nussbaum, Esche und Apfel fand er auf dem Hof. Während vier Monaten tüftelte Janis Zürcher in der elterlichen Wagnerwerkstatt an seinem Würfel. 400 Arbeitsstunden investierte er in sein Projekt, seine gesamte Freizeit und sämtliche Wochenenden. Und zu guter Letzt zimmerte er für seinen Würfel noch einen kleinen Tisch, weil er merkte, «dass er ihn nicht einfach auf den Boden stellen kann». Und für die Präsentation der mehr als 100-Seiten umfassenden Dokumentation mit 200 selbstgemachten Fotos, stellte er einen Ordner aus den sechs verwendeten Holzarten her. Beeindruckt von Janis Zürchers Zauberwürfel waren nicht nur die Experten, sondern auch die Primarschüler von Romoos, denen er sein Werk vorführen durfte. Bestimmt wird der junge Mann auch in seiner vierjährigen Zimmermannlehre bei der Holzbaufirma Ramseier, die er in diesen Tagen beginnt, noch manche Herausforderungen meistern können. 

 

Folgende Auszeichnungen hat Janis für seinen Zauberwürfel gewonnen: 

- Prix Rotary des Rotary Clubs Entlebuch, der jährlich die drei besten Abschlussarbeiten der 3. Sekundarstufe der Region Entlebuch–Wolhusen–Ruswil prämiert. Ausgezeichnet wurde neben Janis Zürcher auch Kathrin Vogel aus Flühli für ihr Projekt «Werbetafel Alp Küblisbühlegg». 

-- Wettbewerb «Projekt 9» der Pädagogischen Hochschule des Kantons Luzern. Der jährlich stattfindende Wettbewerb prämiert die drei besten Projektarbeiten der Sekundarstufe I in den Kategorien individuelle Projekte und Gruppenprojekte.


13.07.2017 :: Bernadette Waser
Meistgelesene Artikel
Man vernimmt ja als Kolumnenschreiberling eher selten, ob die Aufsätze überhaupt gelesen...
«Gutes tun, Gutes tun, ist gar nicht schwer. Man kann so viel Gutes tun, zu Hause und im...
Bärn het scho 1524 aui Landständ aagfragt, was sie vo dere Diskussion um die Reformation...
Vor der Sommerpause der Motorraad-Weltmeisterschaft kassierte Thomas Lüthi beim Deutschland-GP...
Nennen wir sie Eva. «Schreib doch darüber», hat mich Eva aufgefordert. Ihr...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr