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Im Kloster

«Liebe Frau Renaud, wenn Sie bei uns im Kloster filmen wollen, müssen Sie mindestens einmal bei uns übernachten», sagte der Abt Peter von Sury vom Kloster Mariastein mir gegenüber ziemlich bestimmt am Telefon. «Und zwar ohne Kamera», meinte er noch. «Okay», sagte ich, «ich werde es mir überlegen.» Ja, mein Wunsch war es schon immer, einmal für meine TV-Sendung «Renaud Tour» einen Tag lang einen Abt zu begleiten. Aber jetzt sollte ich selber mindestens 24 Stunden in einem Kloster verbringen. In einem Männerkloster wohlverstanden. Wollte ich das? Ich überlegte eigentlich nicht lange. Natürlich wollte ich das. Ist doch eine einmalige Gelegenheit. Auch meinen Kameramann musste ich dazu nicht überreden. 

Anfang November war es dann soweit. Ich packte mein Köfferchen, um ins Kloster zu gehen. Ich entschied mich für schlichte und respektvolle Kleidung, was sowieso mein Stil ist, und packte noch ziemlich viele Bücher mit ein, mit der Vorstellung, dort wohl viel Zeit zum Lesen zu haben. 

In Mariastein angekommen, nahm uns der Abt persönlich in Empfang und zeigte uns unsere Zimmer. Meines war riesig, fast wie eine Suite. Das Zimmer des Kameramannes hingegen war schon fast bescheiden. Und wer jetzt denkt, wir hätten Zeit gehabt, um uns ein bisschen Ruhe zu gönnen, täuscht sich gewaltig. Fünf Minuten später kam uns der Abt bereits wieder abholen und es ging zum ersten Gebet in die Kirche. Anschliessend gab es einen Rundgang durchs Kloster. Kurz darauf ein Zvieri. Kurze Zeit später stand bereits wieder ein Gebet auf dem Programm. Das ging ungefähr so weiter, bis wir um 18.30 Uhr zum Abendessen gerufen wurden. Als Frau hat man im Speisesaal der Mönche eigentlich nichts verloren. Ich hatte aber die Ehre, mit ihnen essen zu dürfen. Allerdings wurde mir vorher nochmals deutlich gesagt, dass während der ganzen Mahlzeit nicht gesprochen wird. Ich fokussierte mich auf das Essen, sehr ausgewogen und reichhaltig übrigens, und konzentrierte mich auf die genauen Abläufe, so kam ich gar nicht in Versuchung, zu sprechen. 

Zum Abschluss ging es anschliessend noch in die Gruft zum Abendgebet. Ziemlich geschafft waren wir froh, uns um 20.30 Uhr zurückziehen zu können. Knapp konnte ich noch ein paar Seiten eines Buches lesen, dann bin ich eingeschlafen. Tagwacht war um 6.00 Uhr. Dann erstes Gebet um 6.30 Uhr. Und ja, wir habens geschafft, wir dürfen Anfang Dezember mit der TV-Kamera hin, um den Abt einen ganzen Tag lang zu begleiten. Ich freue mich. Aber all die Bücher werde ich wohl zuhause lassen.

23.11.2017 :: Michelle Renaud ist Journalistin, News-Moderatorin bei Telebärn und Mutter. Sie wohnt im Emmental.
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